Geld für Regenwaldschutz kommt nicht an
Wälder speichern mehr Kohlendioxid als Ozeane. Um den Klimawandel aufzuhalten, müssen vor allem Tropenwälder geschützt werden. Das dachte sich auch Norwegen und legte ein ambitioniertes Programm auf - doch jetzt werden die Gelder nicht verteilt.Aus Stockholm Reinhard Wolff
Die Wälder der Erde sind der beste Garant gegen den Klimawandel. Laut einer jetzt im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Studie speichern sie jährlich rund 27 Prozent des von Menschen verursachten Kohlendioxid. Damit sind sie für den Klimaschutz noch wichtiger als Ozeane, die 26 Prozent Kohlendioxid aufnehmen. Tropenwälder müssen besonders geschützt werden – doch damit geht es kaum voran.

Der Kaiteur in Guyana ist der größte einzelne Wasserfall der Welt. (Foto: sorenriise/Wikipedia)
Als vorbildlich galt bislang der Einsatz Norwegens. Die dortige rot-grüne Regierung hatte den Regenwaldschutz ganz oben auf ihre umweltpolitische Agenda gesetzt. Auf der Klimakonferenz 2007 in Bali versprach Ministerpräsident Jens Stoltenberg, das Land werde zwischen 2008 und 2012 jährlich drei Milliarden Kronen – rund 400 Millionen Euro – als Ausgleich an Länder zahlen, die auf eine Abholzung von Regenwaldflächen verzichten. Eine Zusammenarbeit mit drei Staaten sollte Priorität haben: Brasilien, Indonesien und Guyana. Doch nach einer jetzt veröffentlichen Übersicht werden 90 Prozent der Gelder nicht genutzt.
Guyana sollte 1,5 Milliarden Kronen erhalten
Guyana sollte bis 2015 1,5 Milliarden Kronen erhalten, allerdings konnte man sich bislang nicht einmal darauf einigen, nach welchen Prinzipien langfristigen Schutzprojekte anerkannt werden. Umweltschutzorganisation kritisieren zudem mangelnde Überwachung: Norwegen verlasse sich einfach auf die Aussagen der Behörden Guyanas – die Interessen der Ureinwohner des Landes würden überhaupt nicht berücksichtigt.

Der indonesische Regenwald schrumpft immer stärker. (Foto: Greenpeace)
Ähnliche Hindernisse gibt es für die Auszahlung der Gelder an Brasilien und Indonesien, für die jeweils bis 2015 und 2013 sechs Milliarden Kronen bereitstehen. So verkündete zwar Jakarta im Mai ein Waldrodungsmoratorium, doch zu dem gibt es in Oslo so viele Fragezeichen, dass man erst mehr Informationen haben will. "Von einem wirklichen Regenwaldschutz kann da keine Rede sein", sagt Lars Løvold vom norwegischen Regenwaldfonds. Im Gegenteil würden in Brasilien sogar mehr Abholzung drohen.
Auch wird zunehmend die Janusköpfigkeit Norwegens kritisiert. Das Land will Milliarden in den Regenwaldschutz stecken, investierte aber gleichzeitig fast das Fünffache in Geschäfte zu deren Zerstörung: Staatliche Pensionsfonds bunkern Milliarden überschüssiger Ölgelder für spätere Generationen und investieren in Gesellschaften, die mit teilweise ungesetzlicher Abholzung dieser Wälder Profit machen. "Damit untergräbt man auch noch selbst die positiven Effekte der eigenen Politik zum Regenwaldschutz", kritisiert Løvold.
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