Ecuadors Abschied von Yasuní
Die Regierung Ecuadors glaubt nicht mehr daran, dass der Nationalpark Yasuní mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft noch gerettet werden kann. Weil von den geplanten 100 Millionen Dollar bisher nur 1,4 Millionen eingetroffen sind, will Präsident Rafael Correa das Gebiet in die Hände von Ölfirmen geben.
Von Gonzalo Ortiz (IPS) und Johanna Treblin
Rafael Correa macht Ernst: Wenn bis Ende des Jahres nicht genügend Geld für die Yasuní-Initiative zur Verfügung steht, stampft der ecuadorianische Präsident Correa sie ein. Das bedeutet konkret: Wenn die internationale Gemeinschaft bis Dezember nicht eine erste Rate von 100 Millionen US-Dollar an Ecuador zahlt, dann wird die Regierung das Gebiet Ishpingo-Tambococha-Tiputini (ITT) im Nationalpark Yasuní zum Bohren nach Öl freigeben.

Der Nationalpark Yasuní ist bedroht: Internationale Gelder fließen nicht wie gewünscht - die ecuadorianische Regierung will hier deshalb Öl fördern lassen. (Foto: BankTrack/Wikipedia)
Die Drohung steht zwar schon länger im Raum. Aber jetzt liegen konkrete Zahlen auf dem Tisch. Wilson Pástor zufolge, Minister für natürliche fossile Ressourcen, sollen 14 Ölfelder angezapft werden. Insgesamt geht der Minister von 8,6 Milliarden US-Dollar an Investionen aus, die geleistet werden müssen. Die Rendite liege bei 99 Prozent. "846 Millionen Tonnen Öl lagern unter der Erdoberfläche, die doppelte Menge ist wahrscheinlich, möglich ist sogar das dreifache Volumen", sagte Pástor auf einer Konferenz der Lateinamerikanischen Organisation für Energie (Olade) in dieser Woche. Der Minister erklärte darüber hinaus, dass die Ölförderung im dritten Quartal 2012 beginnen könnte. Aus Ministeriumskreisen hieß es zudem, seit März sei man bereits auf der Suche nach Interessenten.
Correa selbst betont immer häufiger Plan B: Er wolle in erster Linie das Wohl der Ecuadorianer. "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht zahlen will, dann sehen wir uns gezwungen, das Öl aus der Erde zu holen."
Mit dem Yasuní-Fonds hat Ecuador ein weltweit einmaliges Tauschgeschäft vorgeschlagen: Das lateinamerikanische Land verpflichtet sich, auf die Förderung von Erdöl im Yasuní-Nationalpark zugunsten von Umwelt und der dort lebenden indigenen Bevölkerung zu verzichten. Im Gegenzug zahlt die internationale Gemeinschaft als Ausdruck ihrer "Mitverantwortung" 20 Jahre lang die Hälfte der erwarteten Deviseneinkünfte in einen Kompensationsfond ein – und damit insgesamt rund 3,6 Milliarden US-Dollar. Damit soll dem von Erdölexporten abhängigen Land eine alternative Entwicklung ermöglicht werden. Allerdings: Bisher hat Ecuador nicht mehr als 1,4 Millionen Dollar erhalten – nur wenig mehr als ein Hundertstel der geforderten Einnahmen von 100 Millionen Dollar.
Vereinte Nationen verwalten Treuhandfonds
Das Projekt entwickelten Umweltschützer bereits Ende der 1990er Jahre, im September 2007 stellte Correa den Plan der UN-Vollversammlung vor. Im August 2010 unterzeichnete der Präsident ein entsprechendes Abkommen mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP, die treuhänderisch den Yasuní-Fonds verwalten soll.

(Foto: ambiente.gob.ec)
Der Zuspruch war zunächst riesig, und etliche Staaten kündigten an, das Vorhaben zu unterstützen. Zu den stärksten Verbündeten Ecuadors zählte Deutschland, das inzwischen jedoch wieder abgesprungen ist. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) begründete die Absage damit, dass die Yasuní-Initiative ein Vorbild für andere Staaten mit ähnlichen Initiativen sein könnte. Wenn ein solcher Fonds erst einmal eingerichtet sei, könne man ähnlichen Projekten die Unterstützung nicht mehr verweigern.
Im Bundestag läuft derzeit eine E-Petition, mit der die Unterzeichner die Bundesregierung auffordern, sich an der Yasuní-Initiative zu beteiligen. Die Initiatoren der Petition fordern, dass Deutschland pro Jahr 50 Millionen Euro in den Treuhandfonds einzahlt. "Der Welt blieben durch dieses Tauschgeschäft 407 Millionen Tonnen CO2 erspart", heißt es in der Begründung.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 19 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Zur heutigen UN-Sitzung über Yasuní-ITT fordert die Unionsfraktion die Bundesregierung zur Unterstützung der "Dschungel-statt-Öl"-Initiative auf. Doch das FDP-geführte Entwicklungsministerium bleibt bei seiner ablehnenden Linie: "Fürs Nichtstun soll es kein Geld geben."
Ecuadors Strategie, bei seiner Geld-für-Öl-Initiative verstärkt auf die globale Zivilgesellschaft zu setzen, zahlt sich offenbar aus. Der UN-Treuhandfonds zum Erhalt des Yasuni-Regenwalds füllt sich. Auch mit dem deutschen Entwicklungsminister Niebel ist eine gesichtswahrende Lösung gefunden.
Der Mann mit der Mütze zahlt nicht: Die Bundesregierung blockiert noch immer die Gelder für das Yasuní-Projekt, mit dem ein großes Regenwald-Gebiet vor Erdölbohrungen bewahrt werden soll. Nichtregierungsorganisationen und Vertreter Ecuadors hoffen nun auf die Mobilisierung der Öffentlichkeit.
Die Regierung will mit Ausbeutung von Ölreserven im Amazonasgebiet beginnen
Ungeahnte Eigendynamik: Ecuadors Staatschef Rafael Correa spricht nach seinem Auftritt vor der UN-Vollversammlung von einem "Erfolg auf der ganzen Linie". Über die Hälfte des notwendigen Geldes für das revolutionäre "Dschungel statt Öl"-Projekt ist zusammen, und weitere Beiträge sollen in Kürze folgen.
Beim Besuch der spanischen Außenministerin in Ecuador sagen die Iberer Mittel für das Programm "Geld gegen Regenwald" zu. Nach dem Ausstieg des deutschen Entwicklungsministers Niebel bringt jedoch auch die spanische Finanzzusage das Yasuni-ITT-Programm nicht wirklich voran.
Ecuadors Präsident Correa sagt seinen Staatsbesuch ab: Sechs Wochen nach dem Nein von Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) zur Beteiligung Deutschlands am Yasuní-Fonds reagiert sein Ministerium nun vorsichtig: "Die Bundesregierung zieht auch eine Unterstützung der Initiative in Betracht." Von Martin Reeh
Wie hält die Regierung es mit der Kohle? Vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP erklärt ihr Umweltpolitiker Michael Kauch, warum neue Kraftwerke gar nicht so schlecht sind. Interview Teil 2 über Wettbewerb, Emissionshandel und die Waldschutzmaßnahmen von Parteifreund Dirk Niebel
Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa will am 23.9. am Rande der UN-Vollversammlung erneut für die Yasuní-ITT-Initiative werben: Die internationale Staatengemeinschaft, aber auch der private Sektor sollen das visionäre Dschungel-statt-Öl-Projekt unterstützen. Das kündigt María Fernanda Espinosa, Ecuadors Ministerin für Kultur- und Naturerbe, im klimaretter.info-Interview an. Und sie erklärt, wie es danach weitergehen soll.
Für die Verseuchung des Regenwaldes in Ecuador soll der US-Ölkonzern mit 18 Milliarden Dollar aufkommen
Yasuní: Uno-Generalsekretär verlangt von der Kanzlerin die Einhaltung von Finanzzusagen für das "Geld-statt-Öl"-Projekt. Und er kündigt ein Sondertreffen für den 23. September an. Leider kann Angela Merkel an diesem Tag nicht - schließlich kommt der Papst.
Mit Demonstrationen und einem Sternmarsch mobilisiert sich in Ecuador der Widerstand gegen die Ressourcenpolitik der Regierung
"Wir bitten das Gericht um Schutz", sagen die Indígenas. Vor dem Interamerikanischen Menschenrechtsgericht findet ein wegweisender Prozess um das "Recht auf vorherige Konsultation" statt. Die Amazonas-Urwaldgemeinde klagt gegen den ecuadorianischen Staat.
Ein Gericht in Ecuador bestätigt, dass der US-Konzern Chevron 18 Milliarden Dollar Entschädigung an Gemeinden in Ecuador zahlen muss. Der inzwischen mit Chevron fusionierte Konzern Texaco hatte von 1964 bis 1992 Öl im Amazonas-Regenwald gefördert und dabei - so die Vorwürfe - durch den Einsatz mangelhafter Technologien in großem Maßstab die Umwelt verseucht. Der Ölmulti will gegen das Urteil vorgehen - vor einem US-Gericht.


