Olympia: "Wenn sie nur etwas vernünftig sind"

Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, war Mitinitiator der NOlympia-Bewegung in Garmisch-Partenkirchen, dem geplanten Austragungsort der Skiwettbewerbe für die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018. Am Mittwoch feierten die Olympiagegner im Garmischer Tierheim die Vergabe der Spiele an Pyeongchang (Südkorea). Schon in der nächsten Woche will der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, aber mit Gesprächen über eine erneute Bewerbung Münchens für 2022 beginnen.
klimaretter.info: Herr Doering, wir sind uns nicht sicher, ob wir nun gratulieren sollen oder nicht, dass Garmisch-Partenkirchen die Winterspiele 2018 erspart bleiben ...
Axel Doering: Aber sicher können Sie uns gratulieren, dass der Kelch an uns vorbei gegangen ist…
Dafür beginnen nach dem Münchner Scheitern jetzt hier in Berlin die Debatten, ob man sich nicht um die Olympischen Sommerspiele bewerben soll.
Das wird man in Berlin beurteilen müssen, ob es da Vorteile gibt oder ob die Nachteile so massiv überwiegen wie bei uns.
Wie ist die Stimmung jetzt in Garmisch? Der Ort galt zuletzt ja als gespalten über der Olympia-Frage.
Der Ort ist nach wie vor gespalten. Ich denke aber, dass gerade von den Olympia-Befürwortern jetzt der eine oder andere nachdenken wird, weil nun die Rechnungen kommen. Es wurde uns ja versprochen, dass die Bewerbung nichts kostet. Jetzt muss der Steuerzahler von Garmisch-Partenkirchen, obwohl die Gemeinde bereits extrem hoch verschuldet ist, über eine Million Euro zahlen.
Garmisch-Partenkirchen hat einen Acht-Prozent-Anteil an der Bewerbungsgesellschaft. Der Deutsche Olympische Sportbund, der DOSB, hat einen Anteil von 51 Prozent an der Gesellschaft, bezahlt aber nichts. Das ist ähnlich wie bei dem sogenannten Host-City-Vertrag mit dem IOC. Der DOSB schafft an, aber an den Belastungen beteiligt er sich nicht. Das hat zur Folge, dass von dem gesamten nicht gedeckten Betrag der Bewerbung Garmisch-Partenkirchen 16,3 Prozent zahlen muss.
Nun ist in der Debatte, dass sich München und damit vermutlich auch Garmisch für 2022 noch einmal bewirbt - ähnlich wie die Südkoreaner, die es dann im dritten Anlauf geschafft haben.Ich denke, es ist höchstens in der Vorstufe einer Diskussion. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ist wohl sehr verhalten; man muss auch erst einmal im Rahmen der Sportverbände Mehrheiten finden. Dass es auch Leute gibt, die es wieder möchten, etwa unseren Bürgermeister - das ist schon klar.
Wir haben hier in Garmisch-Partenkirchen natürlich eine ganze Reihe von Problemen. Solange wir uns um Olympische Spiele bewerben, glauben manche, brauchen wir unsere Probleme nicht lösen, weil wir ja angeblich alles geschenkt bekommen, wenn wir Olympia kriegen: Wir kriegen die Wohnungen, wir kriegen die Arbeitsplätze, wir kriegen den Aufschwung im Tourismus - all die vielen Dinge, die im Zusammenhang mit einer Olympia-Ausrichtung versprochen werden.
Einige Befürworter sagen, beim nächsten Mal müsste man die Bevölkerung mitnehmen…
Ich muss immer lachen, wenn man das sagt. Dazu müsste man die Spiele verkleinern und die Grundlagen verändern. Die haben schon einen Grund gehabt, warum sie nichts gesagt haben und so intransparent waren. Wenn die alles, was hier passieren sollte, auf den Tisch gepackt hätten, dann wären die Leute auf den Barrikaden gestanden und hätten gesagt, diese Veranstaltung ist viel zu groß. Wir wissen ja bis heute noch nicht einmal, wo die 12.000 Parkplätze hingekommen wären.
Und das IOC hat ja in der Zwischenzeit die Veranstaltung schon wieder vergrößert. Alleine in der Zeit, in der wir uns beworben haben, sind neun neue Winterspiel-Wettbewerbe dazugekommen. Die Spiele werden aufgebläht. Das heißt, man braucht immer mehr Platz für Wettkampfstätten, man braucht immer mehr Platz, um die Athleten unterzubringen, man braucht immer mehr Platz, um die Journalisten unterzubringen. Wir haben schon immer gesagt, mit Olympischen Winterspielen wird ein Gebirgstal überfordert. Diese Entwicklung verstärkt sich jetzt noch.
Sie haben ja auch immer mit dem Klimawandel gegen die Winterspiele argumentiert.
Den hat man von offizieller Seite vergessen gehabt. Ich bin Förster, ich merke den Klimawandel täglich. Daran, dass sich das Wetter ändert, dass meine Erfahrungen, die 40 Jahre alt sind, in vielen Bereichen nicht mehr stimmen. Man merkt es auch daran, dass man Schneekanonen für die Skipisten aufgestellt hat und diese immer länger laufen müssen. Das wäre für 2018 schon ein Hasardspiel gewesen. 2022 sind wir vier Jahre weiter.

Die Kandahar-Abfahrt bei Garmisch im Februar 2011: Schnee durch Schneekanonen. (Foto: NOlympia2018)
Gibt es Umstände, unter denen Sie sich eine Zustimmung zu Winterspielen vorstellen können?
Selbstverständlich. Wenn das IOC seinen Host-City-Vertrag mit den Austragungsorten ändert und den zu einem Vertrag macht, wie er unter normalen Geschäftspartnern üblich ist. Im Moment ist dieser Host-City-Vertrag ein Unterwerfungsvertrag, den man normalerweise mit einem Gegner abschließt, der einen Krieg verloren hat. Das IOC behält sich absolut alle Rechte vor und alle Risiken sind bei den Austragungsorten.
Und sie müssen ihre Grundlagen ändern. Warum kann man nicht auf Veranstaltungsorte zurückgreifen, die schon da sind? Zum Beispiel sind nächstes Jahr in Ruhpolding Biathlon-Weltmeisterschaften. Für 2018 hat man diese Loipen nicht in der Bewerbung mitverwendet, auch die Loipen in Oberstdorf nicht, weil die Bewerbung kompakt sein muss, damit sie Aussicht auf Erfolg hat. Wir dürfen unsere Natur und uns selbst nicht diesen diktatorischen Forderungen des IOC unterwerfen. Und dann muss man auch daran denken, die Zahl der Wettbewerbe zu beschränken und dann kann man schauen, ob's möglich ist. Aber unter den heutigen Voraussetzungen geht es nicht.
Glauben Sie, auch die Befürworter der Spiele im Laufe Ihrer Kampagne ins Nachdenken gebracht zu haben, insbesondere in der Frage des Host-City-Vertrages?
Von den Befürwortern hat man ganz häufig gehört, etwa von Herrn Ude: Dieser Vertrag ist eine Zumutung. Oder auch vom Obmann des Pro-Olympia-Bürgerbegehrens in Garmisch-Partenkirchen, dem Herrn Fischer - der hat dann aber gesagt, dieser Vertrag ist die Bibel, den kann man nicht ändern. Wenn man das nicht ändern kann und die es akzeptieren, das ist meiner Ansicht nach eine Unterwerfung, die nicht sehr demokratisch ist. Die denken drüber nach, sagen, es ist eine Zumutung, man muss es aber akzeptieren. Ich bin nicht der Meinung, dass man es akzeptieren darf.
Angenommen, München entscheidet sich trotzdem noch einmal für eine Bewerbung 2022. Haben Sie die Kraft, vier weitere Jahre dagegen zu protestieren?
Ich habe viel Kraft. Und es ist ja nicht so, dass es immer dieselben Menschen sind, die protestieren: Es gehen welche weg, und es kommen welche dazu, so haben wir das in diesen drei Jahren erlebt. Wir haben sehr viele Leute dazugewonnen, auch Bekanntschaften und Freundschaften - das war eines der positiven Erlebnisse in dieser Sache. Ob ich dann persönlich an führender Stelle aktiv bin, muss man entscheiden, wenn es soweit ist – aber ich denke, es kommt nicht soweit. Wenn die nur halbwegs vernünftig sind, lassen sie eine erneute Bewerbung sein.
Interview: Martin Reeh
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 19 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Die oberbayerische Gemeinde hat über die Winterspiele 2018 abgestimmt - mit einem Ergebnis, das beiden Seiten nicht viel nutzt. Die Befürworter der Bewerbung siegen mit 58 Prozent, doch ob eine solche Zustimmungsrate dem IOC ausreicht, scheint fraglich.
Die Münchner Grünen werden auch nach der positiven Entscheidung des Stadtrates weiter gegen Olympia 2018 mobilisieren, sagt ihr Vorsitzender Nikolaus Hoenning. Die Vorbereitungen für ein Bürgerbegehren in Garmisch laufen an.
Olympiagegner wollen auf dem Bundesparteitag der Grünen einen Antrag gegen die Bewerbung von München für die Spiele 2018 einbringen. Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, erklärt im Klimaretter.info-Interview, warum das Thema die Grünen spaltet.
Der Bundesparteitag hat seine Überraschung: Eine Mehrheit gegen Münchens Bewerbung für 2018. Claudia Roth tritt aus dem Kuratorium der Bewerbergesellschaft zurück. Die Strategie der Parteiführung, nicht über das Thema diskutieren zu wollen, geht nicht auf.
Nach den Grünen protestieren nun auch 59 Garmischer Grundstücksbesitzer gegen die bayerische Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018. Die steht nun auf der Kippe.
München bewirbt sich für die Olympischen Winterspiele 2018 - natürlich mit grünem Konzept. Man folgt dem Trend, denn auch die Fußball-WM 2006 oder Leichtathletik-WM 2009 in Deutschland schmückten sich mit Umwelt- und Klimabewußtsein. Das grüne Image der Münchener Winterspiele bröckelt allerdings schon, bevor die Entscheidung überhaupt gefallen ist. Aus Berlin Johanna Treblin
Katarina Witt übergibt "Bid Book" für die umstrittene Bewerbung an das Internationale Olympische Komitee
Den Kommunen fehlt häufig das Geld für effektiven Klimaschutz. Der bleibt so oft auf der Strecke – schließlich ist er lediglich freiwillig. Vertreter des Konvents der Bürgermeister fordern einen Teil der Einnahmen aus dem Emissionshandel für kommunale Klimaschutzmaßnahmen.
Umweltschützer: Auch das Einschalten des UN-Umweltprogramm wird die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi nicht umweltfreundlich machen
Die Gegner der Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele starten ein spätes Bürgerbegehren gegen die Bewerbung - am Skistandort Garmisch-Partenkirchen. Ob es zur Abstimmung kommt, ist offen. Den Olympiagegnern könnte dies nur recht sein.


