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"Kyrill" kommt künftig öfter

Versicherungswirtschaft und Klimaforscher warnen: Sturm, Hagel und Hochwasser werden in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten häufiger und heftiger auftreten.

Aus Berlin Sarah Messina

"Der Klimawandel findet nicht mehr nur auf irgendeinem untergehenden Südsee-Atoll statt, sondern vor unserer Haustür", warnt Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Versicherer haben in Kooperation mit führenden Klimaforschern des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, der Freien Universitität Berlin und der Universität Köln die Auswirkungen des Klimawandels für Deutschland untersucht. Das Ergebnis der Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde: In den kommenden Jahrzehnten werden Wetterextreme nicht nur häufiger, sondern auch heftiger auftreten.


Wetterextreme drohen sich künftig zu häufen. Hier ein Regenschauer über Hamburg. (Foto: Extremwetterkongress)

Sturm, Hagel und Hochwasser - das sind die in Deutschland am häufigsten vorkommenden Naturkatastrophen, die im Zentrum der Untersuchung stehen. Bislang führen die Elbflut 2002 und der Orkan "Kyrill" im Winter 2007 die Liste der großen Naturgewalten und der durch sie verursachten Schäden in Deutschland an: 1,8 Milliarden Euro an Schäden haben die Versicherer für die große Flut verzeichnet; 2,4 Milliarden Euro für "Kyrill".

Hochwasser alle 25 Jahre; extreme Stürme im 10-Jahres-Takt

Durch den Klimawandel könnte sich diese Liste schnell selbst überholen: Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnet die Studie mit einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung von Schäden durch Überschwemmungen. Hochwasser, die heute im Schnitt alle 50 Jahre erwartete werden, können demnach künftig alle 25 Jahre eintreten. Mit extremen Sturmereignissen muss künftig nicht mehr wie bislang alle 50 Jahre, sondern alle 10 Jahre gerechnet werden. Bis 2100 werden der Studie zufolge auch die verursachten Schäden um mehr als 50 Prozent zunehmen - die Versicherer rechnen mit Schäden von sieben bis acht Milliarden Euro für einen "Kyrill" der Zukunft.


Eine 5-b-Wetterlage über der Elbe in Dresden. (Foto: Matthias Rietschel)

Vor allem im Westen Deutschlands werden Winterstürme wie "Jeanette", "Lothar" oder "Kyrill" deutlich häufiger wüten, warnen die Versicherer. Im Osten des Landes werden dagegen vor allem heftige Sommergewitter mit Starkniederschlägen und Hageschlag öfter vorkommen. "Prävention muss viel größer geschrieben werden, als bisher", sagt Thomas Vorholt, der Vorsitzende des Projekts Klimawandel des GDV. Für Bürger, Bauherren und Architekten müssten deshalb künftig unter anderem Daten zur Hochwassergefährdung besser bereitgestellt werden.

Mein Häuschen im Überschwemmungsgebiet? Frühzeitig an Klimafolgen denken

"Nicht nur der Klimawandel, auch viele Schäden sind zum Großteil hausgemacht", so Vorholt, "etwa durch die Ausweisung von Bauland auf Überschwemmungsgebieten durch Kommunen". Auch Architekten seien gefragt, bei Dachkonstruktionen oder Gebäudeöffnungen bereits frühzeitig an mögliche Sturmereignisse oder Starkregen zu denken. Die Versicherer fordern zudem von der Politik eine bundesweite Kampagne für eine Absicherung gegen Elementarschäden: Bislang decken demnach auf ganz Deutschland gerechnet nur rund 25 Prozent der Gebäudeversicherungen auch folgen von Überschwemmungen und Starkregenfällen ab.

Die beste Prävention gegen Schäden durch den Klimawandel sei jedoch die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen - etwa durch den Umstieg auf erneuerbare Energien, sagt Hoenen vom GDV. Je größer der CO2-Ausstoß, desto extremer würden auch Unwetterschankungen. Hoenen:  "Mag sein, dass der Klimawandel lange Zeit vor allem 'anderswo' stattzufinden schien - auch in Deutschland ist er längst angekommen".

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