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Olympia: Entscheidung in Garmisch

Am Sonntag kommt es in Garmisch-Partenkirchen zum Showdown zwischen Befürwortern und Gegnern der Olympischen Winterspiele 2018. Die Bürger stimmen ab - eine knappe Mehrheit dürfte der Bewerbung nicht reichen.

Von Martin Reeh

Er habe, so sagte es Peter Fischer im dpa-Interview, "ein gutes Gefühl, weil ich die Stimmung vor Ort mitbekomme". Fischer, 57, steht an der Spitze der Bürgerinitiative pro Olympia im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen, wo es am Sonntag zum Showdown kommt: Zwei Monate, bevor das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 6. Juli über die Vergabe der Winterspiele 2018 entscheidet, stimmen die Bürger darüber ab, ob sie die Spiele überhaupt wollen. Lehnt eine Mehrheit ab, dürfte die Bewerbung für München 2018 tot sein - schließlich finden in Garmisch alle Ski-Wettbewerbe statt. Ob eine nur knappe Mehrheit im Wettbewerb mit dem südkoreanischen Favoriten Pyeongchang hilft, scheint fraglich: "Würde eine deutliche Mehrheit zwischen 60 und 70 Prozent Befürworter erreicht, dann kann man mit Recht sagen, dass die Bevölkerung hinter Olympia 2018 steht", sagt Fischer.


"Kinder und Tiere gehen immer": Auch die Eisbären im Münchner Tierpark müssen für Olympia 2018 ran - zusammen mit der Skeletonpilotin Anja Huber. (Foto: München 2018/hangenfoto)

Garmisch ist keine Neuauflage von Stuttgart 21. Die bayerischen Olympiagegner ließen die Gelegenheit zum Protest ungenutzt verstreichen, als im Februar die Ski-WM in Garmisch stattfand; als das IOC im April München besuchte, fand sich nur ein gutes Dutzend Aktiver auf dem Marienplatz zur Demonstration ein. Münchens OB Christian Ude (SPD), der die Olympiagegner stets mit einer gewissen Herablassung behandelte, sagte danach: "So ein klägliches Häufchen habe ich auf dem Marienplatz noch nie gesehen. Der geballte Widerstand der Olympiakritiker wirkte wie eine verirrte Schulklasse.”

Wenn dennoch etwas für den Erfolg der Gegner spricht, dann ist es deren örtliche Verankerung und der bayerische Trotz, der schon andere Großprojekte wie Wackersdorf zu Fall brachte. Axel Döring, der führende Kopf der Olympiagegner, ist Förster, Vorsitzender des örtlichen Bund Naturschutz, saß lange Jahre für die SPD im Gemeinderat. Gegen Olympia führt er zwei Argumente an: "Die Schädigung der Tallandschaft und ein finanzielles Desaster für unseren Ort." Beide Gründe, der Umweltschutz und die Finanzen, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Argumentationskette der Olympiagegner: Bis 2018, so glauben sie, läge ein Großteil der Skigebiete aufgrund des Klimawandels im schneefreien Bereich, sodass Schneekanonen eingesetzt werden müssten, die eine verheerende Klimabilanz haben. Und zudem habe das IOC, das bei Olympischen Spielen die Gewinne aus den Fernsehrechten immer in die eigene Tasche zu wirtschaften pflegt, den letzten Ausrichterstädten wie Vancouver einen Schuldenberg hinterlassen.

Der Ort selbst ist inzwischen gepalten, zumindest was die Parteien betrifft. Bei der SPD ist das Stimmenverhältnis 2:2, bei der CSU 4:3 pro Olympia. Manche Hotelbesitzer sind dafür, andere dagegen. Der CSU-Gemeinderat Thomas Goetze, der vom Befürworter zum Gegner geworden ist, argumentiert mit der sinkenden Bedeutung des Wintertourismus: "Warum sollen wir weiter darin investieren?" Die Befürworter verweisen dagegen auf die Straßen und Tunnel, auf die Garmisch seit Jahren wartet, nun aber im Zuge von Olympia endlich kommen sollen, auf einen positiven Effekt für den Tourismus und auf das Öko-Konzept der Spiele, das besser als das der Mibewerber sei.


Dank Klimawandel nur Kunstschnee für die Winterspiele 2018? (Foto: Oswald Baumeister/Gesellschaft für ökologische Forschung)

Für Ärger bei den Olympiagegnern sorgte in den letzten Wochen die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen, die vor der Wahl nicht auf Pro-Olympia-Werbung verzichten wollte. Bürgermeister Thomas Schmid (parteilos) begründete dies in einem Schreiben an die Olympiagegner so: "Das Sachlichkeitsgebot verpflichtet die Gemeinde zur Objektivität. Dies bedeutet, dass der Markt Garmisch-Partenkirchen nicht zur Neutralität verpflichtet ist." Das Bürgerbegehren "Pro-Olympia" bekräftige "die vom Marktgemeinderat ohnehin schon getroffenen Entscheidungen". Da sich das "Contra"-Bürgerbegehren in Konkurrenz zum Pro-Bürgerbegehren und damit zur Auffassung des Marktes begibt, kann "sich das ´Contra`-Begehren nicht auf das Paritätsgebot berufen". Ganz gleich, wie die Abstimmung am Sonntag ausgeht - der Riss, der durch Garmisch geht, dürfte nicht so schnell wieder zu kitten sein.


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