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CCS: Aminwäsche möglicherweise gefährlich

In Norwegen wurde eines der weltweit größten CCS-Projekte wegen der Gefahr durch krebserregende Chemikalien auf Eis gelegt. Auch zwei Projekte in Deutschland setzen auf Aminwäsche. Die Betreiber schweigen zum Thema.

Von Hanno Böck

Die CCS-Technologie, mit der Energiekonzerne ihre fossilen Kraftwerke klimafreundlicher machen wollen, musste kürzlich einen herben Rückschlag erleiden: Das Projekt "Mongstad" in Norwegen, eines der größten CCS-Vorhaben weltweit, wird für mehrere Jahre auf Eis gelegt. Grund hierfür ist eine Studie, die mögliche Gefahren durch die eingesetzten Chemikalien befürchtet.

 
Kohlekraftwerk Niederaußem: Krebsgefahr durch Aminwäsche? (Foto: Thoma/Wikipedia)

Ein Problem der CCS-Technologie ist die Frage, wie aus dem Abgasstrom eines Kraftwerks das Kohlendioxid extrahiert werden kann. Verschiedene Verfahren sind hierfür im Gespräch, als eines der aussichtsreichsten gilt das Post-Combustion-Verfahren mit Aminwäsche. Hierbei wird der Abgasstrom durch eine flüssige Lösung von Aminen geleitet und löst sich dort. Anschließend kann das Kohlendioxid wieder aus der Flüssigkeit extrahiert werden.

Amine sind eine umfangreiche Gruppe von Chemikalien – und einige davon, insbesondere die sogenannten aromatischen Amine, gelten als stark krebserregend. Aminwäsche wird auch jetzt schon eingesetzt, etwa um in Biogasanlagen Kohlendioxid und Methan zu trennen. Doch nirgendwo wird Aminwäsche bislang in einem Ausmaß eingesetzt, wie es in CCS-Kraftwerken der Fall wäre. Daher rührt nun die Sorge in Norwegen: Bestehen durch den Einsatz der CCS-Technologie bislang kaum diskutierte neue Umweltgefahren? Allerdings gibt es in Norwegen auch Stimmen, die die Amingefahr nur für einen Vorwand halten – der Betreiber selbst versuche so das Projekt zu verzögern, da die Kosten aus dem Ruder laufen. Einige der Industrie nahestehende Umweltverbände aus Norwegen halten die Gefahr durch Amine für übertrieben.


CCS-Vorzeigeprojekt mit Problemen: Mongstad in Norwegen. (Foto: Statoil)

Relevant ist die Diskussion auch für zwei Projekte in Deutschland: Am Kohlekraftwerk Niederaußem betreibt RWE gemeinsam mit BASF und der Linde AG seit einigen Jahren eine Testanlage. Im Vergleich zu Mongstad ist die Anlage winzig klein – allerdings muss natürlich davon ausgegangen werden, dass RWE die Technologie langfristig in großem Maßstab einsetzen will. Ebenfalls mit dem Post Combustion-Verfahren ausgestattet werden soll ein neuer Block im Kohlekraftwerk Jänschwalde im Osten von Brandenburg. Der Neubau ist Teil der Pläne von Vattenfall, Kohlendioxid in Brandenburg unterirdisch einzulagern.


Keine Transparenz: Vattenfall beantwortet Fragen zum Amineinsatz nicht.

Um zu beurteilen, wie groß die mögliche Krebsgefahr durch den Amineinsatz wäre, ist es entscheidend zu wissen, welche Amine genau eingesetzt werden. Doch die Betreiber geben sich hier zugeknöpft. Entsprechende Anfragen werden von RWE und Vattenfall nicht beantwortet. Auch das Umweltbundesamt weiß nicht Bescheid: „Es ist allgemein so, dass die technische Entwicklung auf diesem Gebiet sehr rasch voranschreitet und die Hersteller nicht eben kommunikativ bei der Bekanntgabe ihrer Rezepturen sind“, so ein Mitarbeiter der Behörde auf Anfrage von klimaretter.info.

Von Behörden in Brandenburg ist zu erfahren, dass bislang kein offizieller Genehmigungsantrag für das Kraftwerksprojekt in Jänschwalde vorliegt und man daher auch keine genaueren Informationen habe. Lediglich im Scopingtermin für das Kraftwerk habe Vattenfall bereits erklärt, dass man "ein (voraussichtlich) aminhaltiges Waschmittel" einsetzen werde.

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