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Was der Klimawandel an den Tag bringt

Langlebige und schwer abbaubare Schadstoffe könnten durch die Erderwärmung wieder verstärkt in Umwelt und Nahrungskette gelangen. Wissenschaftler sehen die Ziele der Stockholm Konvention zu persistenten organischen Chemikalien (POPs) gefährdet.

Von Sarah Messina

Längst verbotene Umweltgifte könnten durch den Klimawandel wieder in die Nahrungsketten gelangen: So genannte POPs (Persistant Organic Pollutants) sind der Gegenstand der "ersten maßgeblichen systematischen Untersuchung" zum Einfluss der Erderwärmung auf die Freisetzung der langlebigen organischen Schadstoffe, die jüngst vom UN-Umweltprgramm UNEP in Nairobi vorgestellt wurde. Die Erfolge der Stockholm-Konvention könnten so wieder zunichte gemacht werden, heißt es in dem Papier aus der Feder von UNEP, Stockholm Secretariat und Arctic Monitoring Assessment Programme (AMAP).


Schmelzende Gletscher sorgen dafür, dass einst im Eis eingeschlossene Schadstoffe wieder freigesetzt werden. (Foto: EMPA/Uni Zürich)

Im Visier der Studie sind landwirtschaftliche Pestizide wie Chlordan oder DDT, Industriechemikalien wie PCBs oder Dioxine, die etwa bei der Verbrennung von Kohlenstoff oder anderen thermischen Prozessen entstehen können. Die so genannten POPs sind schwer abbaubare organische Chemikalien, die sich im Körper von Mensch, Tier und Pflanzen anreichern und nicht nur langlebig, sondern auch äußerst "mobil" sind. Über die Atmosphäre können die Schadstoffe über große Distanzen transportiert werden. Sogar in entlegenen Gebieten wie den Polarregionen sind sie deshalb nachweisbar.

Änderungen auf Temperaturen, Niederschläge und Eis haben auch Einfluss auf die Freisetzung der POPs

Viele der Substanzen sind hormonaktiv, krebserregend oder stehen im Verdacht, die Entwicklung von Organismen zu stören. Bereits 1998 wurde deshalb eine Konvention über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung (CLRTAP) zur Eingrenzung der POPs verabschiedet. Ein erstes "dreckiges Dutzend" der Schadstoffe wurde zudem 2001 mit der Stockholm-Konvention in Herstellung, Verwendung und Verbreitung eingeschränkt oder verboten, weitere neun Chemikalien wurden 2009 in die Konvention mit einbezogen. Seit 2004 gibt es auch in der Europäischen Union detaillierte Regeln für die langlebigen organischen Chemikalien.

Weil sich der Klimawandel auf Temperaturen, Niederschlagsmuster, Schnee- und Eisvorkommen oder etwa auf den Salzgehalt der Ozeane auswirkt, haben diese Veränderungen auch direkten Einfluss auf die Verteilung der POPs in Luft, Wasser, Boden, Sedimenten, Schnee und Eis, heißt es in der Studie, an der Klima- und Chemie-Experten aus zwölf Ländern mitgearbeitet haben. Durch höhere Temperaturen verdunsten so unter Umständen größere Mengen der Schadstoffe in die Luft, heftigere Regenfälle sorgen dagegen mitunter für einen verstärkten Abfluss der Chemikalien. Organismen können dadurch höheren Konzentrationen von POPs ausgesetzt werden - durch direkten Kontakt oder ihr Eindringen in die Nahrungskette.


POPs können über Luft, Boden und Wasser große Distanzen zurücklegen und sind so selbst an entlegenen Orten nachweisbar. (Grafik: Screenshot Studie)

Ohnehin durch den Klimawandel gestresste Ökosysteme könnten zudem größere Empfindlichkeiten gegenüber bestimmten Schadstoffen entwickeln, warnt die Studie. Als Risikofaktor wird neben der größeren Verbreitung der POPs im Schmelzwasser des Polar-Eis auch die prognostizierte Zunahme von Überflutungen oder andere Wetterextremen genannt. Durch die größere Verbreitung von Krankheiten wie Malaria könne zudem der Bedarf und die Freisetzung bestimmter schwer abbaubarer organischer Chemikalien wie dem Insektizid DDT wieder erhöht werden. Insgesamt, heißt es in der Studie, müsse man von "signifikanten Veränderungen durch den Klimawandel" im Hinblick auf die künftige Freisetzung, Transport und Einwirkung der Schadstoffe und einem höheren Gesundheitsrisiko für Mensch und Umwelt ausgehen.

Dass die Umweltgifte auch mit ihrem Verbot noch lange nicht "aus der Welt" sind, hatten bereits Schweizer Wissenschaftler der Universtität Zürich gezeigt. Durch das Schmelzen der Alpengletscher ließen sich ehemals im Eis gebannte und in Europa längst verbotene Schadstoffe in Sedimentablagerungen des Oberaarsees nachweisen, so die Wissenschaftler in einer 2009 veröffentlichten Studie. Ähnliche Befunde habe es auch für andere Bergseen gegeben. Dass schmelzende Gletscher eine "ernstzunehmende" sekundäre Quelle für den erneuten Eintrag von POPs in die Umwelt sind, war schon lange von Umweltforschern vermutet worden.


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