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"Vorsorgen für den Notfall"

Umweltbundesamt, Technisches Hilfswerk, Deutscher Wetterdienst und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz erläutern in Berlin, wie sie die Deutschen künftig vor den Folgen der Erderwärmung schützen wollen. Dabei wird klar: Es fehlen vor allem Geld und Personal.

Aus Berlin Nick Reimer

Ist es jetzt schon so schlimm, dass sich gleich das Bundesamt für Bevölkerungsschutz um das Wetter kümmern muss? "Wir wollen niemanden erschrecken", erklärte Christoph Unger, der Präsident des Bundesamtes am Dienstag in Berlin. Durch den Klimawandel würde Deutschland künftig allerdings häufiger mit extremen Wetterereignissen konfrontiert. Und darauf gelte es sich vorzubereiten. 


Die Elbe im Februar 2011 bei Laase, Wendland. Noch halten die Deiche. (Foto: Konstanze Staud)

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat deshalb mit dem Umweltbundesamt, dem Technische Hilfswerk (THW) und dem Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Allianz geschmiedet, die in Berlin vorgestellt wurde. Ziel sei, so Unger "für den Notfall vorgesort zu haben."

Helfen sollen dabei drei regionale Klimamodelle: WETTREG ist ein statisches Modell, das von einer Potsdamer Firma erarbeitet wurde. REMO heißt das zweite dynamische Modell, das vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg ermittelt wurde und das dritte namens CLM wird von einem Ring internationaler Klimawissenschaftler betrieben. Das Ergebnis der Auswertung durch den Deutschen Wetterdienst: "Bereits in den kommenden Jahren, sehr deutlich aber ab 2040, werden Wetterextreme zunehmen", so Paul Becker, Vizepräsident des deutschen Wetterdienstes.


Das Technische Hilfswerk, hier im Hochwasser-Einsatz. (Foto: THW)

Im Einzelnen: Die Winter werden deutlich schneereicher, die Sommer insgesamt heißer und trockener. "Wenn es dann aber einmal regnet, dann meist wolkenbruchartig", erläuterte Becker. Während heute im Durchschnitt an jedem hundertsten Tag mit Starkregen wie im vergangenen August gerechnet werden müsse, käme es im Jahr 2100 wohl bereits alle 66 Tage zu solchen Wolkenbrüchen. "Entsprechende Überschwemmungskatastrophen sind die Folge", sagte der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes. 

Nach der Modellauswertung prognostiziert Becker den Küstenregionen bereits in 30 Jahren doppelt so viele Starkniederschläge wie heute - obwohl die sommerliche Regenmenge insgesamt stark zurück gehen wird. "Die Niederschlagsmenge in den Monaten Juni, Juli, August könnte im Norden Deutschlands im Jahr 2100 um bis zu 40 Prozent unter der heutigen liegen", so der Experte. 

Eine "befremdliche" Debatte um Klimakosten

"Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Jahresdurchschnittstemperatur weltweit um 0,7 Grad und in Deutschland um 1,0 Grad gestiegen", sagte Becker. Keine Aussage trafen die Wetterexperten zum Meeresspiegelanstieg sowie zu sich verändernden Windprofilen. An diesen Daten werde noch gearbeitet, hieß es zur Begründung

"Die Debatte um die Kosten des Klimaschutzes finde ich befremdlich", erklärte Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts (UBA). "Schließlich liegen diese Kosten heute weit unter den Kosten, die unterlassener Klimaschutz in Zukunft hervorrufen wird.". Die extremen Wetterereignisse des Jahres 2010 und die Hochwasser Anfang dieses Jahres würden doch zeigen, dass der Klimawandel bereits Realität sei. Deshalb seien Anpassungsmaßnahmen an das Wetter von morgen bereits heute notwenig: "Wir müssen die Deiche erhöhen, den Flüssen mehr Raum geben", forderte Deutschlands oberster Umweltbeamter. Geld müsse aus Straßenneubau-Projekten zunehmend in die Erhaltung der Infrastruktutr umgeleitet werden, die Landwirtschaft müsse sich mit der Vorbeugung von Bodenerosion beschäftigen. 

Flasbarth bewertete die Klimaschutz-Bemühungen der Bundesregierung für gut. Die anderen Länder seien das Problem: die müssten mehr tun. Mit Blick auf die Klimakonferenz im Dezember im südafrikanischen Durban sagte der UBA-Präsident: "Das Hauptproblem ist, den internationalen Zug in den Gang zu bekommen". Aber auch dort sei ja unstrittig, dass Deutschland eine gute Rolle spiele, zumindest nach Flasbarths Meinung. 

Hilfsdienste müssen sich auf die Folgen der Erwärmung einstellen

Vor allem aber müssen auch Einsatzkräfte auf den Klimawandel und seine Folgen vorbereitet werden. "Wir sind die, die immer zuerst da sind, wenn es zu spät ist" sagte Volker Strotmann, Leiter der Abteilung "Einsatz" beim Technischen Hilfswerk THW. Im vergangenen Dezember und Januar hätten die THW-Kräfte 85.000 Einsatzstunden abgelegt, im Jahr 2010 seien es insgesamt 845.781 Stunden gewesen - doppelt so viele wie im Vorjahr. "Gleichzeitig finden wir immer weniger Nachwuchs", so Strotmann. Wegen des demografischen Wandels, des Wegfalls der Wehrpflicht (und damit der Ersatzdienste) und der Wanderungsbewegung aus ländlichen Regionen in die Städte seien bereits heute in manchen Regionen die Einsatzkräfte knapp.

Wegen der zunehmenden Wetterextreme stelle sich zudem die Frage, wie das THW seine neuen Einsatzschwerpunkte finanzieren können. "Unsere begrenzten Mittel lassen es nicht zu, dass wir kurzfristig auf Veränderungen reagieren können." Zunehmend seien aber beispielsweise mobile Pegelmessgeräte oder "Einheiten, die große Mengen Wasser fördern können" gefragt, so Strotmann.


Extremwetter im August 2010: Das kleine Flüsschen Kirnitsch zerstörte in der Sächsischen Schweiz dieses Haus. (Foto: Reimer)

Im Falle eines Waldbrandes oder einer Springflut seien früher auch Bergungspanzer relativ schnell an dem Ort der Gefahr gewesen, "heute müssen sie ihn erstmal durch die Gegend transportieren", sagt Unger. Früher gab es neun Panzerbataillone in der alten Bundesrepublik, heute sind es sechs insgesamt und künftig werden es vielleicht nur noch drei sein", meint Unger. Das bedeutet: "Für einen Bergungspanzer brauchen wir jetzt erst einmal einen LKW". Auch sorgten insgesamt weniger Soldaten für insgesamt weniger potentielle Einsatzkräfte, auch wenn die Bundeswehr nach der eigenen Veranwortung, THW und Feuerwehr erst "die dritte Welle" sei, so der oberste Bevölkerungsschützer. .

"Was für das THW gilt, gelte auch für die Feuerwehren," sagt Unger. Ungefähr 4.500 Freiwilligen Feuerwehren gibt es in Deutschland, mancherorts sei allerdings auch hier der Nachwuchs gefährdet. THW-Chef Strotmann warnt deshalb die Gesellschaft: "Wo keine Freiwillige Feuerwehr mehr da ist, da muss es eine Berufsfeuerwehr geben." Praktisch bedeute dies dasselbe für die Ehrenamtlichen vom THW. Und Feuerwehren wie THW konkurrieren gemeinsam um eine kleiner werdende Jugend: "Falls es uns nicht gelingt, die zu begeistern, wird es richtig teuer für die Gesellschaft". 

 

 

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