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300.000 Opfer durch Naturkatastrophen

Das Erdbeben in Haiti und die Hitzewelle in Russland haben im vergangenen Jahr die meisten Todesopfer durch Naturkatastrophen verursacht. Für den größten wirtschaftlichen Schaden sorgte das Erdbeben in Chile.

Von Johanna Treblin

2010 sind fast 300.000 Menschen Opfer von Naturkatastrophen geworden. Schuld für die hohe Zahl, mit der das Jahr die Statistik der vergangenen 20 Jahre anführt, war vor allem das Erdbeben in Haiti, bei dem 222.500 Menschen ums Leben kamen, sowie der russische Hitzesommer, der für 56.000 Todesfälle verantwortlich war, heißt es in einer neuen Studie des UN-Risikoforschungszentrums CRED.


Das Erdbeben in Haiti im Januar 2010 hat große Schäden verursacht und mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet. (Fotos: UN)

Rund 373 Naturkatastrophen waren laut CRED im Jahr 2010 für den Tod von 296.800 Menschen verantwortlich und haben das Leben von 208 Millionen weiteren Menschen beeinflusst. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich demnach auf 110 Milliarden US-Dollar.

Mit den Erdbeben in Haiti und Chile starben 75 Prozent der Katastrophen-Opfer in Lateinamerika. Auf Europa fielen fast 20 Prozent der Toten. Die meisten Menschen kamen dabei im Zuge des Rekordsommers in Russland zu Tode, aber auch der Sturm Xynthia, der Westeuropa im Februar heimsuchte, sowie Überflutungen in Frankreich und der Extremwinter Ende 2010 trugen ihren Teil zu den Opferzahlen bei.

"Das sind alarmierende Zahlen", sagte Margareta Wahlström, UN-Sonderberichterstattering für Risikominderung, bei der Vorstellung der Studie. Die Anzahl der Todesfälle sei aber nichts im Vergleich zu dem, was aller Wahrscheinlichkeit nach erst noch auf uns zukommt. "Wenn wir jetzt nicht handeln, dann werden wir in den kommenden Jahren mit immer mehr Katastrophen konfrontiert werden." Schuld sei die zunehmende Verstädterung und die Degradierung der natürlichen Lebenslagen. "Durch den Klimawandel steigt auch die Wahrscheinlichkeit wetterbedingter Katastrophen". Deshalb sei es überlebensnotwendig, Klimaschutz und -anpassung zum Teil der Stadtplanung zu machen.

Auch Munich Re hatte Anfang Januar bereits Zahlen zu den Naturkatastrophen im Jahr 2010 veröffentlicht. Der Rückversicherer zählte mit 950 fast dreimal so viele Naturkatastrophen wie CRED. Diese waren für 295.000 Todesopfer und Schäden von 130 Milliarden US-Dollar. An erster Stelle steht laut Munich Re mit 30 Milliarden US-Dollar das Erdbeben in Chile, den zweithöchsten Schaden verursachten die Überflutungen in China mit 18 Milliarden Dollar. An dritter Stelle folgen mit 9,5 Milliarden Dollar die Schäden der extremen Monsun-Regenfälle im Sommer in Pakistan. In Haiti sollen nur acht Milliarden Dollar Schaden verursacht worden sein.


Die pakistanische Stadt Sehwan Sharif wurde überflutet. Überschwemmungen in Pakistan im Jahr 2010 verursachten fast zehn Milliarden US-Dollar an Schäden.

Verantwortlich insbesondere für starke Überflutungen ist laut CRED das Wetterphänomen La Niña. Der Weltwetterorganisation (WMO) zufolge spricht man von La Niña, wenn die Meerestemperatur an der Oberfläche im tropischen Zentral- und Ost-Pazifik wesentlich niedriger ist als normalerweise. Umgekehrt heißt die Wetteranomalie El Niño, wenn die Temperaturen wesentlich höher sind. Wenn solche Phänomene auftreten, dann können sie das Wetter in der Region ein Jahr oder länger beeinflussen.

La Niña habe Überflutungen und Erdrutsche im vergangenen Jahr in Kolumbien ausgelöst, außerdem die starken Niederschläge und darauffolgenden Überflutungen in Australien, so die CRED-Studie. Die La-Niña-Konditionen im Pazifik halten weiter an und könnten laut CRED noch bis Ende März andauern.

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