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Queensland im Griff der Wassermassen

Extreme Wetterereignisse wie derzeit im  Nordosten Australiens werden sich häufen, sagt der Versicherungskonzern Munich Re. Die Auswirkungen sind jetzt auch auf dem Markt für Nahrungsmittelpreise angekommen. Nun drohen auch noch Schäden an Australiens Touristenattraktion Nr. 1, dem Great Barrier Reef.

Aus Perth Falk Hermenau, aus Berlin Sarah Messina

Der Bundesstaat Queensland im Nordosten Australiens steht seit mittlerweile etlichen Wochen nach heftigen Regenfällen unter Wasser: Nachdem am Vortag die australische Kleinstadt Toowoomba von einer Sturzflut verwüstet wurde, haben die Wassermassen am Dienstag auch die Zwei-Millionen-Stadt Brisbane erreicht. Queensland-Regierungschefin Anna Bligh bezeichnete die Flut als die schlimmste seit 50 Jahren, während Australiens Premierministerin Julia Gillard vor weiteren "dunklen Tagen" in Queensland warnte: "Das Wasser wird weiter steigen", wird sie von The Australian zitiert.


Queensland unter Wasser. (Foto: lordphantom74/Flickr)

Das Wasser bedeckt mit einer Fläche größer als Deutschland und Frankreich zusammen mittlerweile zwei Drittel des Bundesstaats: Zehn Menschen starben in den Fluten, 72 werden noch vermisst. Nach Behördenangaben belaufen sich die finanziellen Schäden durch die Zerstörung von Gebäuden und anderer Wirtschaftsfaktoren wie der Kohle-Industrie auf rund fünf Milliarden Australische Dollar. Australien gilt als weltweit größter Kohle-Exporteuer: Durch die Überschwemmunngen mussten die sieben größten Unternehmen BHP, Rio, Ystrata, Peabody Coal, Westfarmers, Macarthur Coal und Whitehaven Coal ihre Förderung einstellen.

Besonders der Verlust der Ernten wird weltweit zu spüren werden: Queensland ist ein Zentrum für die Rinder- und Schafzucht, sowie ein wichtiges Zuckerrohr-Anbau-Gebiet. Wegen der Brände in Russland und den Überschwemmungen in Asien sind die Preise für Nahrungsmittel ohnehin derzeit schon so hoch wie noch nie. Experten befürchten das die vernichteten Ernten in Australien nun den Druck auf die Preise weiter erhöhen und warnen vor neuen Hunger-Revolten.

Dem Great Barrier Reef droht eine Schwemme von Düngemitteln und Giftstoffen

Für das Great Barrier Reef könnten die Überschwemmungen durch verschmutztes Wasser aus überfluteten Farmen und Städten verheerende Folgen haben, warnte etwa die Umweltstiftung WWF in Australien: "Sobald sich die Wassermassen zurückziehen und ins Meer ablaufen, wird es entlang des Riffs zu einer dramatischen Verschlechterung der Wasserqualität kommen", so WWF-Experte Nick Heath.


Das Great Barrier Reef vom Satelliten aus betrachtet. (Foto: NASA)

Mitgeschwemmte Sedimente können durch Giftstoffe verunreinigt sein und aufgrund ihres hohen Gehalts an Düngemitteln schädlich für das empfindliche Ökosystem des Korallenriffs sein, das ohnehin bereits unter starkem Druck steht: Auch die durch den Anstieg der Meerestemperaturen begünstigte Korallenbleiche und die Überfischung gehören neben der Sedimentablagerung zu einer andauernden Bedrohung für das Ökosystem.

Australiens Touristenattraktion Nummer 1, das sich auf einer Fläche von mehr als 200.000 Quadratkilometern erstreckt, gehört zum Weltnaturerbe. Jährlich werden rund zwei Millionen Touristen von dem gigantischen Ökosystem angezogen, das auf tausenden Einzelriffen Lebensraum für zehntausende Arten bietet.

"Die aktuellen Hochwasser sind größer, schmutziger und dadurch gefährlicher als in der Vergangenheit", sagt Heath. Das liege auch an der Abholzung von Wäldern, Überweidung und exzessiver Landnutzung: Bei starken Regenfällen könne der Boden immer weniger Wasser aufnehmen. Der WWF fordert deshalb ein nachhaltigeres Wirtschaften auf Australiens Farmen. Heath: "Bäume und Feuchtgebiete können Wassermassen bremsen und so die Folgen von Überflutungen mindern – das könnte uns auf künftige Ereignisse besser vorbereiten."


Premierministerin Julia Gillard warnte bereits vor weiteren Niederschlägen: "Das Wasser wird weiter steigen". (Foto: Jim McKee/Flickr)

Vor einer Häufung oder Intensivierung von Extremwetterereignissen hatte erst kürzlich der weltgrößte Rückversicherer Munich Re gewarnt: 2010 wurde demnach die zweithöchste Zahl von Naturkatastrophen seit 1980 verzeichnet, neun Zehntel davon waren wetterbedingte Ereignisse wie Stürme, Unwetter oder Überschwemmungen. In Australiens Klimapolitik ist diese Warnung jedoch offenbar noch nicht angekommen: Ex-Premierminister Kevin Rudd, seinerzeit auch wegen seines "grünen" Programms gewählt, unterzeichnete zwar das Kyoto-Protokoll, scheiterte jedoch mit der Einführung des Emissionshandels zur Senkung von Emissionen nach mehreren Anläufen am Druck der wirtschaftsnahen Opposition und dem Lobbyismus der fossilen Industrie.

Australiens Klimapolitik hinkt hinterher

Die Nachfolge des in Ungnade gefallenen Rudd hatte im Juni vergangenen Jahres Julila Gillard übernommen. Gillard wiederum hatte bereits einen neuen Anlauf für den Emissionshandel oder eine Kohlendioxid-Steuer angekündigt - fiel jedoch zunächst durch die Einführung einer Besteuerung von Rohstoffen auf, bei der ein ursprünglicher Entwurf durch die Intervention von Rohstoffgiganten wie Rio Tinto, BHP Billiton und Xstrata stark verwässert worden war.


Queensland ist seit Wochen überschwemmt. (Foto: NASA Earth Observatory)

Erst vor wenigen Tagen wurde der jährliche Bericht des Meteorologischen Büros Australiens herausgeben: 2010 war demnach das dritt-regenreichste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das Jahr war zwar etwas kühler als der Durchschnitt der vergangenen acht Jahre, dennoch war die vergangene Dekade die wärmste je gemessene.

Eine Einzel-Katastrophe wie die Sturzflut in Toowoomba sei dennoch nicht direkt auf den Klimawandel zurückzuführen, äußerte sich Wissenschaftler Will Steffen, Mitglied des Klimawandel-Komitees der Labour- und Grünen-Regierung in The Australian: "Durch die Erwärmung wird eine Zunahme intensiver Regenfälle jedoch weltweit wahrscheinlicher". Auch der Meteorologe und IPCC-Autor Neville Nicholls von der Monash University wird mit der Bemerkung wiedergegeben, eine klare Verbindung zwischen Erderwärmung und Überschwemmungen zu ziehen, sei schwierig: "Sie müssen allerdings schon sehr mutig sein zu behaupten, der Klimawandel habe dabei gar keine Rolle gespielt".

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