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Niemand haftet für Methanblase

Seit Jahren sprudeln enorme Mengen an Treibhausgasen aus einem Bohrloch vor der schottischen Küste. Doch niemand erklärt sich verantwortlich – weder die britische Tochter des Ölkonzerns Mobil noch die britische Regierung. Auch die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.

Von Felix Werdermann

Nicht immer sind Unfälle der Ölindustrie so spektakulär wie im Golf von Mexiko. Als die britische Tochter des Mobil-Konzerns vor der schottischen Küste versehentlich eine Blase mit dem Klimagas Methan anbohrte, hatte das kaum Folgen. Die Erkundungsrechte wurden an die britische Regierung zurückgegeben, nun sprudeln seit über 20 Jahren Treibhausgase aus dem Bohrloch – und niemand fühlt sich dafür verantwortlich. Die Emissionen tauchen in offiziellen Statistiken schlicht nicht auf.


Solche Bilder aus dem Golf von Mexiko filmmerten lange Zeit über die Fernsehbildschirme. Über das Bohrloch vor der schottischen Küste berichtet fast niemand. (Foto: BP)

Im Oktober 2010 schrieb Hans-Jochen Luhmann, Wissenschaftler am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, auf klimaretter.info erstmals über das Problem des sogenannten Blowouts. Die Linksfraktion im Bundestag nahm das zum Anlass, um eine kleine Anfrage an die Bundesregierung zu richten. Die Antwort ist erhellend – aber auch ernüchternd. Sie erklärt, wie sich die britische Regierung aus der Verantwortung stiehlt und dass nicht absehbar ist, dass das Problem auf europäischer Ebene thematisiert würde.

Die Mobil-Tochter ist ohnehin aus dem Schneider, denn sie hat die Bohrlizenz an die britische Regierung zurückgegeben – und die hat angenommen. "Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, welche Folgen das hinsichtlich der Haftung für Folgen des Blowouts hat", heißt es in der Antwort an die Linksfraktion.

Großbritannien erforscht den Vorfall

Im Prinzip müssten Staaten solche Emissionen in ihre Bilanz des Treibhausgasausstoßes aufnehmen, so die Bundesregierung – das ist entscheidend für die Minderungsziele unter dem Kyoto-Protokoll. Großbritannien argumentiert nun aber, dass unklar sei, ob durch den Blowout überhaupt mehr Methan ausgestoßen werde als ohnehin aus dem Meeresboden entweicht. "Zur Klärung sind Forschungsaktivitäten begonnen worden", schreibt die Bundesregierung. Man beobachte "den weiteren Fortgang der Untersuchungen".


So sieht es aus, wenn Methanblasen austreten, hier am Håkon Mosby Schlammvulkan zwischen Norwegen und Spitzbergen. (Foto: Alfred-Wegener-Institut)

Dass es sich um enorme Mengen an klimaschädlichem Gas handelt, hat Klimawissenschaftler Luhmann vorgerechnet: Forscher der Universität Kiel hätten bei einer Untersuchung herausgefunden, dass jährlich 300.000 Tonnen Methan ins Meer gelangen. Etwa ein Drittel davon entweiche in die Atmosphäre. Berücksichtigt man die hohe Treibhauswirksamkeit von Methan, entspreche das 2,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid oder 0,4 Prozent der gesamten britischen Emissionsbilanz. Müssten dafür Verschmutzungszertifikate zum angenommenen Preis von 30 Euro gekauft werden, ergäben sich über die fünf Jahre der Kyoto-Periode (2008-2012) Kosten von etwa 400 Millionen Euro.

Dennoch weiß die Bundesregierung nicht, ob das Problem auf europäischer Ebene thematisiert wurde. Für den europäischen Emissionshandel ist der Blowout ohnehin irrelevant, denn dort wird nur den Ausstoß von Industrieanlagen und Kraftwerken erfasst. Ob in Zukunft auch unfallbedingte Großemissionen eingerechnet werden sollten, dazu hat die Bundesregierung "bislang keine Position entwickelt".


In der Nordsee sprudelt das Methan - an der rot markierten Stelle. (Foto: NASA)

Die Linksfraktion fordert nun Taten: "Nach dem Blowout und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sollten Bundesregierung und EU schnellstens dafür sorgen, dass Verursacher unfallbedingter Großemissionen haftbar gemacht werden", sagt Eva Bulling-Schröter, die umweltpolitische Sprecherin. "Nachlässigkeit muss teuer werden, auch indem Firmen für solcherart Treibhausgasausstoß Emissionsrechte abliefern müssen."

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