Atom-Laufzeiten bescheren schlechte Noten
Brasilien führt in Sachen Klimaschutz auch in diesem Jahr, Deutschland hält sich auf Platz sieben. Auf dem Klimagipfel in Cancún haben Germanwatch und CAN Europe den Klimaschutz-Index vorgestellt.
Die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke bescheren Deutschland weiterhin schlechte Noten: Auf dem diesjährigen Klimaschutz-Index von Germanwatch und CAN Europe konnte Deutschland seine Position vom vergangenen Jahr zu halten. Ohne die Zugeständnisse von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die vier Atomkonzerne Eon, EnBW, RWE und Vattenfall hätte die Bundesrepublik allerdings besser dastehen können.

Klimaschutz-Performance der Länder der Welt. dunkelgrün: sehr gut, hellgrün: gut, gelb: moderat, orange: schlecht, rot: sehr schlecht. (Graphiken: CAN Europe)
Der Klimaschutz-Index bewertet die 57 größten Kohlendioxid-Emittenten in drei Bereichen: Energie- und Emissionsniveau, Emissionstrend und Politikbewertung. Bereits zum sechsten Mal wird der Klimaschutz-Index aufgestellt. Erstmalig ist die nationale Klimapolitik der Länder insgesamt besser bewertet worden als die internationale. "Wir sind positiv überrascht, dass im letzten Jahr einige Länder mit guten nationalen Initiativen reagiert haben", sagte Germanwatch-Klimaexperte Jan Burck. Insgesamt hat sich die Finanzkrise 2008 positiv auf die Emissionstrends ausgewirkt.
Führend im Klimaschutz sehen die Experten Brasilien – wie schon im Jahr zuvor. Vor allem sinkende Entwaldungsraten haben dem größten lateinamerikanischen Staat das positive Ergebnis gebracht. In diesem Jahr wurden darüber hinaus Brasiliens Vorbereitungen für den Rio-plus-20-Gipfel 2012 positiv bewertet. Das Land hat dennoch nur den vierten Platz belegt – wie 2009 blieben die ersten drei Plätze leer. Sie sind reserviert für Länder, die genug Klimaschutz umsetzen, um unterhalb der globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius zu bleiben.
Rang fünf und sechs nehmen Schweden und Norwegen ein. Auf Platz sieben folgt Deutschland. "Durch einen im Verhältnis zu anderen Ländern positiven Emissionstrend hat Deutschland das Potenzial, im Klimaschutz-Index weiter vorne zu stehen", sagte Burck. Trotz eines umfassenden Energiekonzeptes seien die Experten allerdings enttäuscht von der deutschen Klimaschutz-Performance. "Die festgelegten Reduktionsziele weisen zwar den Weg, werden aber nicht von denen zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen flankiert." Als besonders nachteilig für die Bewertung nannte Burck die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und das damit verbundene Investitionshemmnis für erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.
Die letzten vier Plätze belegten Saudi Arabien, Kasachstan, Australien und Kanada. China und die USA, die beiden größten Kohlendioxid-Emittenten der Welt, sind im Vergleich zum Vorjahr weiter abgerutscht. China katapultierte sich mit den trotz der Wirtschaftskrise immens steigenden Emissionen von Platz 52 im Jahr 2009 auf Platz 56 (fünft schlechteste Bewertung). Ein weiteres Abrutschen konnte es wegen seiner positiven Klimapolitik vermeiden. Die USA schlitterten von Platz 52 auf Platz 53. Für das Abrutschen war unter anderem der Senat verantwortlich, der die nationale Klimagesetzgebung blockiert.
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