Erstes CDM-Projekt für Südäthiopen
Früher waren weite Teile Afrikas bewaldet, Misswirtschaft, Hunger und Raubbau haben dem Kontinent diesen Reichtum genommen. Jetzt soll ein CDM-Projekt auf dem Humbo-Plateau rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Addis Abeba den Menschen wieder Wald und damit Nahrung geben.
Aus Addis Abeba Omer Redi (IPS)
Äthiopien ist nicht gerade das klassische Land für CDM-Projekte. Doch jetzt soll mit dem Clean Development Mechanism CDM - dem Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung - den Menschen auf dem Humbo-Plateau der Wald aufgeforstet werden. Die Weltbank will das Projekt langfristig durch den Kauf von Emissionszertifikaten unterstützen - bislang einmalig in Ostafrika.

Vor Beginn des Wiederaufforstungs-Projekts gab es in Humbo nicht mehr als ein paar Büsche. (Fotos: web.worldbank.org)
Die rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Addis Abeba gelegene Hochebene ist eine der am dichtesten bevölkerten Regionen des ostafrikanischen Landes. In der staubigen und trockenen Gegend herrscht oft Dürre. Durchschnittlich fallen nur 800 bis 900 Millimeter Regen, während die Temperaturen bis auf 40 Grad Celsius ansteigen können. Früher war die Gegend sehr waldreich und damit auch eine stete Quelle von Nahrungsmitteln. "Die Brennholz- und Holzkohlegewinnung, das Weiden von Tieren und das Fällen von Bäumen für neue Felder hat den Wald aber bald vollständig zerstört", sagt Beyene Adebo, ein Bauer aus Humbo. Der einst so dichte Forst verwandelte sich in ausgedörrtes Land.
In den tiefer gelegenen Zonen kam es in der Folge immer wieder zu Überschwemmungen, nachdem die Bäume abgeholzt worden waren. Die internationale Hilfsorganisation World Vision hat jedoch erreicht, dass 40.000 Menschen in den am schlimmsten betroffenen Gebieten 2.700 Hektar Land wiederaufgeforstet und geschützt haben. Durch das CDM-Projekt sollen bis 2017 insgesamt 338.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden und bis 2030 880.000 Tonnen. Bis 2020 werden Einnahmen von etwa 726.000 US-Dollar erwartet. Zudem soll es perspektivisch möglich werden, die Bäume auf nachhaltige Weise zu roden.
Viele Bäume nach Hungersnot 1984 gefälltDer Raubbau an der Umwelt verschärfte sich nach der großen Hungersnot in Äthiopien 1984, als Holz zur einzigen Einkommensquelle der bitterarmen Bevölkerung wurde. "Trockenheit und Hunger gehören seit damals zu unserem Alltag", sagt Bauer Beyene Adebo. "Es regnete kaum noch, und wir konnten nicht mehr so viel ernten wie früher." In den sieben am schwersten betroffenen kleinen Verwaltungsbezirken (Kebeles) sind die Böden erodiert und unfruchtbar. Auch der Grundwasserspiegel ist dort stark gesunken.
"Trotz all unserer Investitionen konnten wir keine signifikanten Veränderungen in den besonders dürreanfälligen Dörfern erkennen", erklärt Hailu Tefera, der sich bei Word Vision Ethiopia (WVE) mit Klimaschutzprogrammen beschäftigt. Gemeinsam mit zwei Kollegen entwickelte er ein Projekt zur Naturverjüngung, an dem die Einwohner des Humbo-Plateaus aktiv beteiligt sind.
Die Experten wandten eine Methode an, die sich in den achtziger Jahren bereits im Niger bewährt hatte. Dabei werden junge Triebe von Bäumen aufgezogen, die sich an den Stümpfen gefällter Bäume bilden. Jeder noch lebende Stumpf bringt zehn bis 50 Triebe hervor, die von den Bauern bei der Bestellung ihres Landes üblicherweise vernichtet werden. Seit diese Triebe geschützt werden, hat sich der Wald in Humbo regeneriert.
Seit Beginn dieses Projekts 2006 hat WVE die Bauern finanziell dabei unterstützt, sich eine neue Existenz aufzubauen und zugleich die Bäume zu schonen. Die Farmer in der Region züchten Vieh und Geflügel und bauen Gemüse und Getreide an. Diejenigen, die kein eigenes Land haben, konnten andere Berufe erlernen. Durch die Bereitstellung energiesparender Öfen erreichte die Hilfsorganisation außerdem, dass die Nachfrage nach Brennholz und Holzkohle zurückging.
Die Bewohner des Plateaus fühlen sich auch deshalb für die Umwelt verantwortlich, weil sie mehr Mitspracherechte als früher haben. "Wir haben mit den Dorfbewohnern und den Behörden diskutiert", erklärt Hailu. "Danach einigten wir uns darauf, das Land zwischen den sieben Kebeles aufzuteilen und in den Besitz der Gemeinden zu überführen."

Ein Manager von World Vision inspiziert das begrünte Humbo-Plateau.
Kontrollierte Nutzung aufgeforsteter Zonen
Rund 4.200 Familien, die sieben Kooperativen angehören, dürfen nun in den wieder aufgeforsteten Gebieten Gras für ihr Vieh schneiden und herumliegende Äste zu Brennholz verarbeiten.
Beyene koordiniert eine der sieben Gruppen, die 839 Mitglieder hat und für den Schutz von 1.000 Hektar Wald zuständig ist. "Wir haben gute Resultate erzielt und hoffen, dass dies so weitergeht", erklärt er. Nach vielen mageren Jahrzehnten hätten die Bauern in den vergangenen zwei Jahren endlich bessere Ernten eingebracht. Viele von ihnen hätten sich daraufhin auf den traditionellen Umweltschutz ihrer Vorväter zurückbesonnen.
Die Erlöse aus den Emissionszertifikaten werden unter den Kooperativen aufgeteilt, wobei die Größe der bewirtschafteten Fläche berücksichtigt wird. Mit dem Geld entwickeln die Gemeinden das Projekt weiter und finanzieren weitere Entwicklungsmaßnahmen. Die Weltbank hat bereits zugesichert, in den nächsten zehn Jahren weitere Emissionszertifikate im Wert von 726.000 Dollar zu kaufen. Der Preis ist auf vier Dollar pro Tonne gespeicherten Kohlendioxid festgelegt. WVE sucht nun weitere Käufer, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen.
Im Dezember 2009 wurde das Aufforstungsprojekt von der japanischen Organisation Jaco CDM zertifiziert. Es ist das erste CDM-Projekt in Äthiopien und das weltweit 13. CDM-Waldprojekt. Der CDM ist einer der flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls und dafür gedacht, dass Unternehmen aus Industrieländern dort Emissionen einsparen, wo es für sie günstig ist: in den Entwicklungsländern. Die Entwicklungsländer sollen dadurch zu innovativen klimafreundlichen Technologien kommen.
Die Unternehmen aus den Industrieländern erhalten für ihre Leistung zusätzliche Emissionszertifikate. Je nachdem, wie viele Zertifikate – oder auch Gutschriften – die Unternehmen kaufen, desto weniger Tonnen Kohlendioxid müssen sie in ihrem Heimatland einsparen. Der Mechanismus hat in letzter Zeit viel Kritik geerntet.
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