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Ohne Menschen geht es besser

Nagoya ist nur der erste Schritt um die Natur vor ihrer erfolgreichsten Spezies zu bewahren. Schutzgebiete allein reichen nicht: Für die nachhaltige Bewirtschaftung der Erde braucht es eine intelligente "Raumplanung".

Aus Bangkok Christian Mihatsch

Während täglich bis zu 380 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet werden, vermehrt sich eine Spezies prächtig: Der Mensch. Und genau das ist auch der wichtigste Grund dafür, dass es den anderen Kreaturen so schlecht geht. Denn wegen des zunehmenden Flächenbedarfs des Menschen für Städte, Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum. Soll der Verlust an Artenvielfalt also gestoppt werden, müssen Schutzgebiete sowohl zu Land als auch zu Wasser ausgewiesen werden.


Wider den Tyranno Homo Rex: Wie schützt man die Welt vor ihrer "erfolgreichsten" Spezies? (Foto: David Monniaux/Wikipedia)

Der Naturschutz zu Land macht dabei bemerkenswerte Fortschritte: Mittlerweile sind rund 13 Prozent der Landfläche mehr oder weniger geschützt. Und neben staatlichen Massnahmen, wie der Einrichtung von Nationalparks, gibt es nun auch privatwirtschaftliche Ansätze wie das Habitat Banking. Unternehmen die grossflächig Landschaft zerstören wie Minenbetreiber oder Immobilienentwickler sind in einigen Ländern gezwungen dafür Ersatz zu schaffen. Dazu kaufen sie Land, das bereits genutzt oder geschädigt wurde, rehabilitieren es und stellen es unter Schutz. In den USA fliessen so bereits drei Milliarden Dollar jährlich in den Schutz von Sumpfgebieten. Doch das Habitat Banking hat auch in Südamerika grosses Potential wie eine Studie des UN Umweltprogramms und der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers zeigt: So bestehen in Brasilien, Costa Rica, Chile und Mexiko bereits die Voraussetzungen für Habitat Banking und somit die Chance Wirtschaftswachstum und den Status der Region als "Biodiversitäts-Supermacht" miteinader in Einklang zu bringen.

Anders sieht es mit dem Schutz der Meere aus. Bislang sind nur 1,3 Prozent in irgendeiner Form geschützt. Das ist dreimal mehr als noch im Jahr 2003 aber weit entfernt vom Ziel für dieses Jahr, nämlich zehn Prozent. Ein Problem ist hier das internationale Seerecht, gemäss dem in internationalen Gewässern jeder machen kann, was er will. Dieses Problem versuchen nun einige Inselstaaten im Pazifik auszuhebeln: Wer in ihren Hoheitsgewässern fischen will, muss sich verpflichten in den dazwischenliegenden internationalen Gewässern nicht zu fischen. Doch Meeresschutzgebiete alleine reichen nicht wie eine neue Studie diverser UN und Umweltorganisationen feststellt: Es braucht eine "Raumplanung" für die Meere, die klare Regeln für deren Bewirtschaftung aufstellt. Am meisten profitieren würden davon die Fischer, da heute bereits die meisten Fischbestände überfischt sind und weniger Fisch "produzieren" als möglich wäre.


Das Nauru-Abkommen schützt die Lücken zwischen den Territorialgewässern der Mitgliedstaaten (Schutzgebiete 1 bis 4) 

Mit dem "Nagoya-Protokoll" wurde nun immerhin beschlossen, bis 2020 rund 17 Prozent der Land- und zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Langfristig wird die Menschheit aber nicht umhin kommen noch sehr viel grössere Gebiete unter Schutz zu stellen als derzeit geplant: "Es ist Zeit die Wahrheit zu sagen: Das ganze Ding fällt auseinander, wenn wir nicht mindestens die Hälfte der Planeten unter Schutz stellen" sagt Harvey Locke von der Wild Foundation und gibt damit den Stand der Wissenschaft wieder.

Eine neue Studie im Fachmagazin Science weist zudem auf die Rolle des Klimawandels hin: Wenn sich das Klima um zwei Grad erwärmt verliert der Amazonas die Fähigkeit die Hälfte seines Regens selber zu erzeugen. Der Urwald verwandelt sich dann in trockenes Grasland (Cerrado) und gibt dabei grosse Mengen an Treibhausgasen frei. Die Studie weist ausserdem auf die extreme Dringlichkeit von Klima- und Naturschutzmassnahmen hin: Im besten Fall wird die Waldfläche bis 2030 um 15 Prozent zunehmen und im schlechtesten Fall wird sie um zehn Prozent abnehmen. Nagoya ist also nur der erste Schritt um die Natur vor ihrer erfolgreichsten Spezies zu bewahren.


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