Eine Welt ist nicht genug
Der WWF hat seinen Living Planet Report neu aufgelegt. Ergebnis: Die Menschen beanspruchen heute 1,5 mal so viele Ressourcen, wie die Erde geben kann, um sich gerade noch selbst regenerieren zu können. In 20 Jahren könnten es bereits zwei Erden sein.
Eine Welt ist nicht genug: Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Das trifft insbesondere auf Industrieländer zu, heißt es im Living Planet Report der Umweltstiftung WWF, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Durch ihren Konsum nutzen die Bewohner der reichen Länder zum Beispiel fünfmal so viel Fläche wie die Menschen in armen Länder.

Volle Supermarktregale, hoher Konsum - die Industrieländer verbrauchen umgerechnet fünfmal so viel Fläche wie die armen Länder. (Foto: Richard Stonehouse/WWF-Canon)
Der Living Planet Report wird alle zwei Jahre als "Gesundheitscheck" für die Erde herausgegben und vereint Daten zur biologischen Vielfalt, zum ökologischen Fußabdruck und zum Wasserabdruck. Er basiert auf einer Langzeituntersuchung zur Entwicklung der Biodiversität der vergangenen 40 Jahre. Außerdem wird der Verbrauch von nachwachsenden Rohstoffen in den verschiedenen Regionen der Welt untersucht und dies auf die dafür notwendige Fläche umgerechnet.
Würde man die natürlichen Ressourcen der Erde gerecht verteilen, stünden dem Bericht zufolge bei der aktuellen Weltbevölkerung jedem Menschen maximal 1,8 Hektar Fläche zur Verfügung. In den reichen Ländern wird aber durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen sowie durch den Ausbau von Verkehr und weiterer Infrastruktur pro Kopf fünfmal so viel Fläche verbraucht wie in den armen Ländern. Deutschland steht mit einem Verbrauch von fünf Hektar pro Kopf im Mittelfeld. Besonders verschwenderisch leben die Bürger der Vereinigten Arabischen Emirate und der USA mit einen Pro-Kopf-Verbrauch von zehn Hektar.

Schmetterlinge am Juruena River, Brasilien - Neue Arten werden weiterhin entdeckt, aber die Bestände tropischer Arten haben seit 1970 um 60 Prozent abgenommen. (Foto: Zig Koch/WWF)
Weil die Weltbevölkerung allerdings immer weiter steigt, steigt auch die Nachfrage nach Rohstoffen. Der menschliche "Fußabdruck" übertraf erstmals bereits in den 1980er Jahren die Gesamtbiokapazität der Erde. "Wir leben in einer trügerischen Ruhe", sagte Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. "Der Living Planet Report zeigt deutlich, dass es höchste Zeit ist, Lösungen zu entwickeln, wie die wachsenden Bedürfnisse der Weltbevölkerung mit den vorhandenen Rohstoffen gedeckt werden können."
Schuld an der Überstrapazierung der Erde ist vor allem der steigende Energiebedarf und der damit verbundene Kohlendioxid-Ausstoß. In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Anteil, den die Energieversorgung am ökologischen Fußabdruck hat, mehr als verzehnfacht und liegt nun bei rund 50 Prozent. Das Resultat: Die Menschen beanspruchen heute 1,5 mal so viele Ressourcen, wie die Erde geben kann, um sich gerade noch selbst regenerieren zu können. In 20 Jahren könnten es bereits zwei Erden sein.
Neben dem ökologischen Fußabdruck untersucht der Bericht auch die Artenvielfalt. Der Bestand von 2.500 für den Living Planet Report einbezogenen Tierarten ist seit den 70er Jahren um durchschnittlich 30 Prozent zurückgegangen. In den Tropen betrug der Rückgang sogar 60 Prozent. Auch dies schreibt der Bericht der Über-Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zu.
Um die Erde aus der "gefährlichen Schieflage" wieder herauszuholen, fordert der WWF etwa, den Wohlstands-Begriff neu zu definieren und neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Umwelt-, Klima- und Biodiversitäts-Indikatoren mit einzubeziehen. 15 Prozent der Erde solle zum Schutzgebiet erklärt werden, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95 Prozent reduziert und die vorhandenen Flächen intelligenter genutzt werden.
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