"Impulsiv und offensiv" am Baikalsee
"Trendthema Klimaschutz?": Heute endet im sibirischen Irkutsk am Baikalsee das siebte Medienforum, das vom Deutsch-Russischen Forum organisiert wurde. Der Schwerpunkt: Umwelt- und Klimajournalismus. Klimaretter.info hat mit der Organisatorin Lena Edich über das viertägige Treffen der deutsch-russischen Medienkulturen gesprochen.
Klimaretter.info: Frau Edich, Sie sind Wanderin zwischen Russland und Deutschland, kennen beide Länder, Kulturen und deren Medien. Nun sind hier in Sibirien 30 Nachwuchsjournalisten zur Umwelt- und Klimaberichterstattung zusammen gekommen: Was hat sie bislang am meisten überrascht?
Lena Edich: Mich hat wirklich überrascht, wie impulsiv die russischen Journalistinnen und Journalisten bei diesem Thema sind. Das ist normalerweise nicht so angelegt in der russischen Seele. Wenn Russen auf ein Umfeld von ausländischen Fachkräften treffen sind sie normalerweise sehr zurückhaltend und diplomatisch. Das ist bei diesem Thema nicht so: Die Russen vetreten ihre Meinung erstaunlich impulsiv und offensiv.
Woran, meinen Sie, liegt das?
Offensichtlich wird man Umweltjournalist nicht ohne eine persönliche Betroffenheit, ohne eine Leidenschaft für das Thema zu empfinden. Wie wir hier auf dem Forum gehört haben, verdienen Umweltjournalisten nicht gerade viel für ihre Arbeit. Also muss wohl das persönliche Ideal Motivator sein.

Umstrittene Papier- und Zellstofffabrik am Ufer des Baikalsee. (Foto: Sergey Saurskiy/Wikipedia)
Es geht auf dem Medienforum nicht nur um Umweltjournalismus im Allgemeinen, sondern um Klimajournalismus im Besonderen. Warum?
Russland liegt mit mehr als elf Tonnen Kohlendioxid in der Pro-Kopf-Statistik noch weit vor Deutschland. Und das, obwohl die Russen pro Kopf eigentlich weniger Strom verbrauchen, weniger Flugkilometer sammeln, weniger Ressourcen nutzen. Es lag nahe, das Medienforum am Baikal und damit am Brennpunkt russischer Umweltpolitik stattfinden zu lassen. Ich denke, das ist auch ein großer Unterschied zwischen deutschen und russischen Fachjournalisten: Die russischen Kollegen haben den lokalen Aspekt oft derart im Fokus, dass sie für den globalen kaum einen Blick haben.
Dabei ist doch Russland, vor allem Sibirien, als Lebensraum besonders von der globalen Erwärmung bedroht: Tauen die Permafrostböden, wird vielen Menschen der Boden unter der Wohnung weggenommen.
Ich will das nicht werten, ich glaube auch nicht, dass die russischen Kollegen weniger Bewusstsein für das Problem haben. Sie gehen das Thema lediglich lokaler an, was in einem so großen Land wie Russland vielleicht nicht unverständlich ist.

Sie sind in Russland geboren, in Deutschland aufgewachsen, leben jetzt wieder in Russland: Wie nehmen Sie denn die deutschen Nachwuchsjournalisten war?
Die Deutschen sind unglaublich informiert. In den Diskussionen nennen sie Fakten, sie sind unglaublich sachlich. Allerdings neigen einige auch zur Übertreibung.
Wie kam es zur Schwerpunktsetzung auf Umweltprobleme und Klimawandel?In unserer Datenbank, also in der der Alumnis, haben viele gefordert, das Thema zu setzen. Wer in Deutschland war, kommt vermutlich nicht umhin, festzustellen, dass der russische Umwelt- und Klimajournalismus Nachholbedarf hat.
A propos Nachholbedarf: Sie rufen ein Forum tausende Flugkilometer weit weg zusammen – ist ihnen eigentlich bewusst, dass Sie damit selbst zum Klimaproblem werden?
Uns war wichtig, die Veranstaltung am Baikalsee anzusiedeln: Dieser See birgt 20 Prozent der Süßwasserreserven der Menschheit. Und er ist gefährdet: Journalisten sollten sich deshalb selbst ein Bild vor Ort machen. Aber natürlich wissen wir um die Problematik der Flugreisen. Weil wir eine Kompensation etwa bei Atmosfair mit den Fördermitteln selbst nicht leisten können, thematisieren wir die Wichtigkeit hier zumindest durch einen Referenten.
Interview: Nick Reimer
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 19 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Der Gouverneur des Gebiets Krasnodar soll sich in einem Naturschutzgebiet ohne Genehmigung ein Privathaus gebaut haben. Die Ökowacht Nordkaukasus protestierte - und wurde von der Polizei kassiert. Einer der Aktivisten wandte sich daraufhin an die Deutsche Botschaft in Moskau.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kapitän
Mit dem wachsenden gesellschaftlichen Interesse für Umweltfragen steigen in Russland auch die Angriffe auf Journalisten und Aktivisten. Der Streit um den Chimki-Wald ist dafür das beste Beispiel.
Das Erdbeben in Haiti und die Hitzewelle in Russland haben im vergangenen Jahr die meisten Todesopfer durch Naturkatastrophen verursacht. Für den größten wirtschaftlichen Schaden sorgte das Erdbeben in Chile.
Studie: Klimawandel wird Buschfeuer-Rate auf bis zu 300 Prozent steigern
Waldbrände im Osten Europas bedrohen auch Atomanlagen. Während die Feuer im Gebiet Tscheljabinsk offenbar gelöscht werden konnten, spitzt sich die Lage um die Atomanlage Majak zu
Gazprom will ab 2015 Erdgas über die Pipeline "Südstrahl" nach Mittel- und Osteuropa liefern
Putin zu Besuch in Sofia: Freie Bahn für Gas-Pipeline durch Bulgarien. Technische Planungen zum AKW Belene bis Ende des Jahres
Nur Wochen nach dem Castor-Transport von La Hague nach Gorleben sind Castoren aus Frankreich auf dem Weg ins Zwischenlager Lubmin - begleitet von Protesten. Im Atommüll-Lager Asse tritt immer mehr radioaktive Flüssigkeit aus und das AKW Biblis leckt.
Russland und China sind jetzt mit einer Öl-Pipeline verbunden: Die Trasse gilt als neue strategische Verbindung der asiatischen Giganten. 2015 soll eine Gas-Pipeline folgen. Auch aus Kasachstan kommt Gas nach China. Von Johanna Treblin
Großfeuer in Russland und Flutkatastrophe in Pakistan stehen nach Expertenmeinung in Zusammenhang. Meteorologen warnen vor einer Zunahme von Starkwetterereignissen als Folge des Klimawandels.
Ein Jahr nach Fukushima: Die Atomlobby will glauben machen, dass alles so weiter gehen wird wie bisher. Die Faktenlage ist eine andere. Auftragsstornierungen, Massenabschaltungen und explodierende Kosten haben die Atomkraft weltweit nun auch faktisch zu dem gemacht, was sie seit Jahren ist: ein Auslaufmodell. 
Das Eis schmilzt und der Schiffsverkehr durch die Nordostpassage wächst. Zeit und Treibstoff werden gespart, doch Umweltschützer warnen.
Vor dem Weltklimagipfel in Südafrika gibt sich Russland betont kompromisslos. Mit Moskau wird es weder ein Nachfolgeabkommen noch eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls geben, wenn nicht ausnahmslos alle Staaten unterzeichnen - so die offizielle Linie. Teil 6 unseres Durban-Countdowns.
Noch 12 Tage bis zum Weltklimagipfel in Cancún: Warum gibt es eigentlich Klimakonferenzen? Warum war Kopenhagen so wichtig? Und warum eigentlich ist Cancùn die letzte Chance?


