Weltbank: Ethischer Bankrott mit HFC-23

Mit der Entsorgung des hochaktiven Treibhausgases HFC-23 verdienen Investoren des Clean Development Mechanismus haufenweise faule Zertifikate, kritisieren CDM-Watch und Environmental Investigation Agency. Auch die Weltbank finanziert solche Projekte - und gibt sich sorglos. Für die CDM-Kritiker eine ethische Bankrotterklärung.

Von Sarah Messina

Die Weltbank versucht eine Reform umstrittener Projekte zur klimafreundlichen Entwicklung in Entwicklungsländern durch die Verbrennung von Fluoroform zu blockieren. So lautet jedenfalls der Vorwurf der Umweltorganisation EIA (Environmental Investigation Agency) in der Studie "Ethically Bankrupt: World Bank Defense of the HFC-23 Scandal". Obwohl die Projekte des Clean Development Mechanimus derzeit von einem UN-Gremium überprüft würden, verteidige die Weltbank die gewinnbringende Verbrennung von Fluoroform (HFC-23).

arkema-hfplantconstruc
Bei der Produktion des Kältemittels HCFC-22, das in Klimaanlagen verwendet wird, fällt HFC-22 an: Das lässt sich im CDM-Mechanismus lohnend in Gutschriften entsorgen. (Foto: Arkema)

Der Clean Development Mechanism ist ein Instrument des Kyoto-Protokolls. Klima-Projekte in Entwicklungsländern können dabei von Industrieländern mitfinanziert werden. Die vor Ort eingesparten Treibhausgase können sich die Investorländer auf die eigene Klimabilanz gutschreiben lassen. Dass soll den Industrieländern helfen, ihre eigenen Klimaziele zu erreichen und nebenbei Entwicklungsländer auf einen grünen Zukunftspfad bringen.

Allerdings ist der Mechanismus umstritten: Vor allem die Zusätzlichkeit der Projekte wird immer wieder bezweifelt. Zuletzt war vor allem die Entsorgung von HFC-23 im CDM-Rahmen in die Kritik geraten. HFC-23 ist ein hochaktives Treibhausgas, das als Abfallprodukt des Kältemittels HCFC-22 entsteht und etwa 11.700 mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Die fachgerechte Verbrennung ist daher für den Klimaschutz nicht nur von großer Wichtigkeit, sondern auch eine äußerst lohnenswerte Investition zur Generierung von Emissionsgutschriften.

Wie lohnenswert, lässt sich etwa dran ablesen, bei welchen CDM-Projekten die meisten Klimazertifikate "verdient" werden: Bislang gibt es etwa 2.300 beim UN-Klimasekretariat registrierte CDM-Projekte. Knapp über die Hälfte aller bislang überhaupt erteilten CDM-Gutschriften entfallen jedoch auf nur 19 HFC-23 Projekte. Die meisten dieser Projekte sind in China und Indien zu finden. An den zwei größten Anlagen in China ist auch die Weltbank mit Milliardenbeträgen beteiligt.

hindu.jpg
Auch ein CDM-Projekt, mal nicht mit HFC-23: Ein Staudamm bei Alchi soll Ladakhs Stromversorgung klimafreundlicher werden soll. (Foto: Reimer)

Organisationen wie die EIA oder CDM-Watch hatten bereits scharf kritisiert, oft würde vorsätzlich mehr HCFC-22 als notwendig produziert, um anschließend durch die Entsorgung des Abfallprodukts HFC-23 mehr Gewinne in Form von Emissionsgutschriften einzufahren. Die Weltbank veröffentlichte dagegen im August ein mittlerweile wieder von ihrer Website genommenes Papier, in dem es offenbar hieß, die Vorwürfe der Umweltschützer seien unbegründet, ihre Untersuchungen nicht fundiert. Die Produktion des Kältemittels HCFC-22 sei zwar seit 2.000 in Entwicklungsländern um 25 Prozent angestiegen. Die Bank begründete das jedoch mit dem drastisch steigenden Bedarf dieser Länder für Kühlschränke und Klimaanlagen.

Als sowohl "wissenschaftlich als auch moralisch unverantwortlich" bezeichnete EIA-Campaignerin Clare Perry die Rechtfertigung der Weltbank. Auch das CDM-Exekutivbord untersucht derzeit die Anrechnung der Projekte und diskutiert Änderungen, die den Missbrauch von Fluoroform-Projekten unterbinden soll. Die Ausgabe von Zertifikaten ist in der Zwischenzeit unter anderem für die von der Weltbank mitfinanzierten Projekte ausgesetzt.

"Da gibt es offensichtlich einen Interessenskonflikt", sagt Eva Filzmoser von CDM-Watch. Die Organisation finde es jedenfalls "erstaunlich, dass die Weltbank bereits Schlussfolgerungen zur Entlastung der Projekte zieht, während die Untersuchung des CDM-Gremiums noch läuft".

Wie genau funktioniert das mit CDM-Projekte und HFC-23? Einen Beitrag von ARD Monitor über das Milliardengeschäft mit der Entsorgung von Fluoroform finden sie HIER

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen