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"Stärker. Und wesentlich intensiver"

FriedemannSchenk_beschnittenEine spezielle Wetterlage ist offenbar dazu prädestiniert, in Mitteleuropa Fluten und Überschwemmungen zu verursachen. klimaretter.info will von Friedemann Schenk, Meteorologe an der FU Berlin, wissen, warum das so ist und welchen Einfluß die Erderwärmung hat. Friedemann Schenk arbeitet am Institut für Meteorologie und dort für die Berliner Wetterkarte.

klimaretter.info: Am Wochenende wurde Sachsen vom Hochwasser überrascht. Verantwortlich dafür war eine sogenannte Fünf-B-Wetterlage. Was ist das genau?

Friedemann Schenk: Wilhelm Jacob van Bebber, ein Meteorologe, hat Anfang des 19. Jahrhunderts die Zugbahn von Tiefdruckgebieten über Europa untersucht. Dabei hat er festgestellt, dass Tiefdruckgebiete mehr oder weniger chaotisch ziehen, also ohne eine erkennbare Ordnung. Lediglich bei Tiefdruckgebieten, die vom Mittelmeer kommen, fand van Bebber gewisse Regelmäßigkeiten: Diese Zugbahnen werden als Fünf-B-Wetterlagen bezeichnet - oder als Va- beziehungsweise Vc-Wetterlage, wenn sie nicht über Mitteleuropa ziehen, sondern vorher abzweigen.

Was ist das Besondere?

In der Regel sind die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten nicht weiter interessant. Bei der Fünf-B-Wetterlage ist das aber anders: Sie entsteht nicht über dem kalten Atlantik sondern über dem warmen Mittelmeer. Deshalb führt eine Fünf-B häufig zu Unwettern mit starkem Regen oder starkem Schneefall.

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Die Elbeflut 2002 in Pirna: Viele menschen verloren damals ihr gesamtes Hab und Gut.

Wie kommt es dazu?

Über dem Mittelmeer erwärmen sich die Luftmassen und tanken sehr viel Feuchtigkeit auf. Sie ziehen dann östlich der Alpen nordwärts weiter nach Polen oder nach Mitteleuropa. Dabei kühlt sich die Luft ab und kondensiert – es regnet. Ein Phänomen ist, dass Fünf-B-Tiefdruckgebiete sehr langsam ziehen, also sehr lange an einem Ort verbleiben. Das zweite: Weil die Luft sehr viel Feuchtigkeit gespeichert hat, sind sintflutartige Regenfälle die Folge.

Die extremste Fünf-B-Wetterlage erlebten wir 2002 in Sachsen. Damals wurden in Zinnwald auf dem Erzgebirgskamm 312 Liter Wasser pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen. Um zu verdeutlichen, was das heißt: Nach 24 Stunden stand das Wasser auf dem Quadratmeter 31,2 Zentimeter hoch. An einem oder zwei Tagen gab es mehr Niederschlag als sonst in einem halben Jahr. Das war der absolute deutsche Rekord, was jemals an einem Tag vom Himmel gefallen ist.

Im Prinzip kann man sagen, dass alle Hochwasser der letzten Jahre Folgen einer Fünf-B-artigen Wetterlage waren: das Alpenhochwasser 2005 genauso wie das Elbe-Hochwasser 2006 oder die schweren Schneeeinbrüche in diesem Januar.

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2002 im Müglitztal in Sachsen: Regenfluten in Folge einer Fünf-B-Wetterlage rissen dieses Haus weg. (Fotos: Matthias Rietschel)

Müssen wir damit rechnen, dass Fünf-B-Wetterlagen künftig häufiger vorkommen?

Zumindest müssen wir damit rechnen, dass sie deutlich stärker ausfallen können. Da es durch den Klimawandel insgesamt wärmer wird, sind schon die Ursprungsluftmassen wärmer – und wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern. Dadurch werden die Niederschläge im Alpenvorland oder auch anderswo in Mitteleuropa stärker und damit die Auswirkungen auch wesentlich intensiver.

Interview von Johanna Treblin

 
Am Wochenende wurde Sachsen vom Hochwasser überrascht. Schuld war eine sogenannte Fünf-B-Wetterlage. Was ist das genau?

 

Andreas Friedrich: Der Meteorologe Wilhelm Jacob van Bebber hat Anfang des 19. Jahrhunderts die Zugbahn von Tiefdruckgebieten untersucht. Dabei hat er festgestellt, dass diese mehr oder weniger chaotisch sind – abgesehen von Tiefdruckgebieten, die vom Mittelmeer kommen. Diese Zugbahnen werden als Fünf-B-Wetterlagen bezeichnet.

 

Normalerweise sind die Zugbahnen nicht weiter interessant und deshalb kaum geläufig. Bei der Fünf-B-Wetterlage ist das aber anders: Sie führt häufig zu Unwettern mit starkem Regen oder im Winter mit starkem Schneefall. Deshalb ist die Fünf-B-Wetterlage allgemein bekannt. Am Wochenende in Sachsen konnten wir wieder eine Fünf-B-artige Wetterlage beobachten.

 

Wie kommt es dazu?

 

Bei diesem Wetterphänomen zieht ein Tiefausläufer vom Atlantik her zum Mittelmeer. Dort tanken die warmen Luftmassen sehr viel Feuchtigkeit und ziehen dann östlich der Alpen nordwärts weiter nach Polen oder nach Mitteleuropa. Dabei kühlt sich die Luft ab und kondensiert – es regnet also. Und weil die Luft sehr viel Feuchtigkeit gespeichert hat, sind sintflutartige Regenfälle die Folge.

 

Die extremste Fünf-B-Wetterlage erlebten wir 2002 in Sachsen. Damals wurden in Zinnwald auf dem Erzgebirgskamm 312 Liter Wasser pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen. Um zu verdeutlichen, was das heißt: Nach 24 Stunden stand das Wasser auf dem Quadratmeter 31,2 Zentimeter hoch. An einem oder zwei Tagen gab es mehr Niederschlag als sonst in einem Monat. Das war der absolute deutsche Rekord, was jemals an einem Tag vom Himmel gefallen ist.

 

Wann gab es sonst noch Fünf-B-Wetterlagen in Deutschland?

 

Das Alpenhochwasser 2005 war eine Fünf-B-Wetterlage – Tief Norbert war für die Unwetterkatastrophe im gesamten Donauland verantwortlich. Auch das Elbe-Hochwasser 2006 folgte einer Fünf-B-ähnlichen Wetterlage. Die schweren Schneeeinbrüche in diesem Januar brachte das Tief Daisy, das auch auf eine Fünf-B-artige Wetterlage zurückzuführen ist. Alle schwereren Unwetter in Deutschland sind im Prinzip Folge von Fünf-B- oder ähnlichen Wetterlagen, das können also auch Fünf-A- oder Fünf-C-Wetterlagen sein. Das sind Varianten der Zugbahn. Nicht alle Fünf-B-Wetterlagen bringen Unwetter mit sich, viele aber schon.

 

Müssen wir damit rechnen, dass Fünf-B-Wetterlagen künftig häufiger vorkommen?

 

Zumindest müssen wir damit rechnen, dass sie deutlich stärker ausfallen können. Da es durch den Klimawandel insgesamt wärmer wird, sind schon die Ursprungsluftmassen wärmer – und wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern. Dadurch werden die Niederschläge im Alpenvorland oder auch anderswo in Mitteleuropa stärker und damit die Auswirkungen auch wesentlich intensiver.

 

Wie können wir uns dagegen schützen?

Gegen den Regen von oben kann man sich nicht schützen. Was man tun kann, ist, mehr Hochwasserschutzmaßnahmen zu errichten. Das können beispielsweise Staudämme sein oder Stauseen in den Bergen, um regulieren zu können, dass nicht sofort das abgeregnete Wasser aus dem Tiefausläufer herunter läuft. So könnte die Hochwassergefahr zumindest minimiert werden.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

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