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2.000 Tote nach Regenfluten im Himalaya

Die Bergwelt des Himalaja wird in diesem Jahr von ungewöhnlich heftigen Regenfällen heimgesucht: Nach der Flutkatastrophe in Pakistan sind nun auch hunderte Tote in Indien und China zu beklagen. Dort hatten die Regenmassen Erdrutsche ausgelöst.

Von Karola Kostial (Ladakh) und Nick Reimer (Berlin)

In der Nacht zu Freitag weckte sintflutartiger Regen, es schüttete wie aus Kübeln. Beim Frühstück die schreckliche Nachricht: Sturzfluten aus den Bergen hatten riesige Schlammlawinen mitgebracht, die komplette Teile Lehs und viele der umliegenden Städte und Dörfer zerstörten. Die einfachen Lehmhäuser, die hier im Nordwesten Indiens üblich sind, haben einer solchen Flut nichts entgegenzusetzen und werden begraben oder mitgerissen.

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Leh nach den Schlammlawinen: Verzweifelt versuchen die Helfer Überlebende zu bergen.

Die Zahl der Todesopfer - bestätigt sind bislang 150 - könnte daher noch deutlich steigen, erklärte Bhim Sen Tuti, Polizeichef der Himalaya-Region Ladakh. Mindestens 500 Menschen würden noch vermißt, unter ihnen auch Touristen, denn die auf einem Hochplateau gut 3.500 Meter hoch gelegene Region ist vor allem bei Bergsteigern ein sehr beliebtes Reiseziel. Unter den Toten sind bislang fünf ausländische Touristen zu beklagen, ihre Leichen wurden auf einem Trekking-Pfad in der Nähe der Stadt Leh gefunden.

Die Zerstörung in Ladaks Hauptstadt Leh ist total: Der komplette Busbahnhof, alle umliegenden Häuser, einfach verschwunden, alles bedeckt mit Schlamm und Unrat. Fahrzeuge stecken zwischen zerdrückten Betonplatten,  Busse liegen kreuz und quer zwischen Schutt und zerfetzten Holzbalken.

Auf der linken Seite am Hang versuchten drei Schaufelbagger den Weg für Rettungsmannschaften zu bahnen, um die Verschütteten aus den Häusern zu graben. Einheimische standen Seite an Seite mit freiwilligen Touristen, schaufelten mit allem, was zur Verfügung stand, in den Lehmhäufen, trugen die Schlammschuttberge mit Schaufeln, Schüsseln, Hacken und den Händen ab. Hunderte von Menschen wuselten an diesem Ort, jeder kämpfte um das Leben der Verschütteten, aber die meisten der Geborgenen hatten das Unglück nicht überlebt. Auf den Ladeflächen der Jeeps wurden die Opfer abtransportiert, weinende Angehörige und entsetzte Zuschauer standen im Weg.

Normalerweise herrscht hier in Indiens Nordosten ein wüstenähnliches Klima vor: Die Regenfälle von Ende vergangener Woche brachten so viel Niederschlag, wie sonst im gesamten Jahr registriert wird. Meteorologen sprechen von einer sehr ungewöhnlichen Monsun-Saison - mit ungewöhnlichen heftigen und langwierigen Niederschlagsmustern. Im vergangenen Jahr beispielsweise hatte der Monsun keinen nennenswerten Regentropfen in die Bergwelt von Ladakh gebracht.

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Holz und Lehm: Die Bauweise ist sehr einfach in Ladakh. (Fotos: Reimer, Kostial)

Nun ist auch die chinesische Bergwelt des Himalajas Opfer einer Regentragödie geworden: Nach heftigen Regenfällen waren am Sonntag im tibetischen Teil der Provinz Gansu mehrere Erdrutsche niedergegangen. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf mindestens 127 gestiegen, nach Berichten der staatlichen Medien wurden am Montag allerdings noch 1.300 Menschen vermisst. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitiert Ministerpräsident Wen Jiabao mit der Aussage: "Um die Menschen zu retten, die unter den Trümmern verschüttet sind, ist jetzt der kritische Zeitpunkt gekommen".


Keine Entspannung in Pakistan: Neue heftigen Niederschläge suchten am Sonntag viele Landesteile heim. Sie ließen die Flüsse weiter anschwellen und behinderten die Rettungsarbeiten. Die Zeitung "The News International" berichtete, die Fluten hätten weitere 173 Menschen das Leben gekostet. Allein 70 von ihnen seien gestorben, als ein Lastwagen umkippte, mit dem sie durch einen Fluss fahren wollten. Erdrutsche gingen am Samstag auf zwei Dörfer in der Region Gilgit-Baltistan nieder, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Allein im Dorf Kumra seien dabei 37 Menschen getötet worden, weitere 16 im Dorf Ghanche. 25 Menschen würden noch vermisst. Damit summierte sich allein in Pakistan die Flutopfer auf mehr als 1.600.

Die pakistanische Meteorologiebehörde erklärte, die neuen Regenfälle würden im Norden des Landes bis Dienstag andauern und könnten weiteres Hochwasser auslösen. Und auch für die indische Region Ladakh und die tibetischen Gebiete in China werden in den nächsten Tagen teils ergibige Regenfälle angekündigt: Der Monsun hält Zentralasien weiter im Griff. 

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Der alte Königspalast in Leh war von den Schlammmassen unbetroffen.

Die Vereinten Nationen rechnen bereits jetzt mit Wiederaufbaukosten in Milliardenhöhe. Schon die Nothilfe für die nach pakistanischen Schätzungen rund 15 Millionen Betroffenen werde mehrere hundert Millionen Dollar kosten, der Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Infrastruktur Milliarden Dollar, sagte der UN-Sondergesandte Jean-Maurice Ripert. Und ein Sprecher des UN-Büros für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten (OCHA) klagt: "Dieses Desaster ist schlimmer als der Tsunami, das Erdbeben in Pakistan von 2005 und das Erdbeben in Haiti."
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