Behörden überfordert mit Holzeinschlag
Urwald macht fast die Hälfte der Fläche Perus aus. Unkontrollierter Holzeinschlag ist hier an der Tagesordnung. Einem Bericht der staatlichen Ombundsstelle für Bürgerrechte zufolge sind die Behörden personell und materiell schlecht ausgestattet und daher mit den Kontrollen und der Vergabe der Konzessionen überfordert. Es fehlt ein Forstbewirtschaftungsplan, um das als Kohlendioxidsenke wichtige Ökosystem zu schützen.
Aus Lima Milagros Salazar (IPS)
Noch ist Peru ein grünes Land. Mehr als die Hälfte des südamerikanischen Staates ist von tropischem Wald bedeckt. Die staatliche Ombudsstelle für Bürgerrechte hat jedoch festgestellt, dass die Behörden mit dem Schutz der Wälder völlig überfordert sind. Es fehle an Geld und Personal, um unkontrollierten Holzschlag zu verhindern, heißt es in einem neuen Bericht.

Woher die Baumstämme stammen, die aus dem Regenwald im Amazonasgebiet ausgeführt werden, kann kaum überprüft werden (Fotos: Eskinder Debebe/UN)
Angesichts der fortschreitenden Entwaldung Perus erscheinen Warnungen durchaus berechtigt. Von den insgesamt 68 Millionen Hektar Dschungel im peruanischen Amazonasgebiet verschwinden Jahr für Jahr rund 150.000. Experten machen diese Entwicklung für 42 Prozent der peruanischen Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich, mit denen das Land zur globalen Erderwärmung beiträgt. Weltweit macht die Entwaldung rund ein Fünftel der Treibhausgas-Emissionen aus.
Kontrollposten personell unterbesetzt
Die zuständigen Kontrollposten im Amazonasgebiet sind der Untersuchung zufolge personell nicht ausreichend ausgestattet. Durchschnittlich sind drei Mitarbeiter neben den Kontrollen auch für die Vergabe von Konzessionen zur Nutzung natürlicher Ressourcen verantwortlich.
Die Beamten in dem Büro der technischen Verwaltung in Mazuco in der südöstlichen Region Madre de Diós beispielsweise müssen jeden Monat zwischen 200 und 350 mit Holz beladene Lastwagen abfertigen, während den Kontrollpunkt Padre Abad in der östlich gelegenen Region Ucayali bis zu 7.000 Holzlaster pro Monat passieren. Dort arbeiten lediglich sieben Kontrolleure, die damit beauftragt sind, Herkunft der Ladung genau zu klären.
Mitarbeiter in den Kontrollpunkten berichten, dass ihnen oft gefälschte Frachtpapiere vorgelegt werden. Darüber hinaus gebe es keinen Forstbewirtschaftungsplan, der angibt, in welchen Gebieten gefällt werden darf. Das erschwere es, zu entscheiden, ob die gefällten Bäume legal oder illegal geschlagen worden seien.

Rodungen im Amazonas sind häufig illegal.
Todesdrohungen gegen Kontrolleure
Todesdrohungen gegen die Beamten sind nicht unüblich. Wie aus dem 300 Seiten umfassenden Bericht weiter hervorgeht, haben auch Einschüchterungen und sogar tätliche Angriffe im vergangenen Jahr um zehn Prozent zugenommen. Die dem Agrarministerium unterstehende Forstaufsichtsbehörde stelle sich jedoch nicht immer auf die Seite der betroffenen Beamten, wenn diese die Vorfälle zur Anzeige bringen wollen.
Die Ombudsstelle kritisierte außerdem, dass von 38 überprüften Büros lediglich drei über Fahrzeuge in einem annehmbaren Zustand verfügten. Obwohl die Amazonasregion sehr wasserreich ist, stand nur in einem einzigen Fall ein Boot bereit. Beamte in mehr als 60 Außenstellen beschwerten sich bereits darüber, dass sie ihre Arbeit nicht mehr vorschriftsgemäß erledigen könnten.
"Die Regierung hat sich in den vergangenen Jahren zwar willens gezeigt, die Forstgesetze zu reformieren", sagte Iván Lanegra, der für die Ombundsstelle tätig ist. Die Kontrolle der Wälder nehme allerdings kaum eine der Provinzverwaltungen im Amazonasgebiet ernst. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Zentralregierung keine Budgets dafür vorsehe.
"Die Forstverwaltung könnte am ehesten durch eine Stärkung der Provinzverwaltungen verbessert werden", sagte José Luis Capella von der nichtstaatlichen Peruanischen Gesellschaft für Umweltrecht im Gespräch mit IPS.
Ureinwohner ohne Rechte
Illegal geschlagenes Holz stammt in Brasilien wie in Peru häufig aus Nationalparks und indigenen Gebieten. Die Ureinwohner könnten durch ihren verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Wälder leisten. Dafür müssten den indigenen Gemeinden allerdings eigene Landrechte gebilltigt werden. Mit dem Versuch sind die meisten bisher jedoch gescheitert.
Mehr als 140 Gemeinden haben dem Bericht zufolge zwar Genehmigungen des Agrarministeriums für den Holzhandel. Lediglich acht von ihnen dürfen aber die Waldressourcen in ihrem Wohngebiet vertraglich nutzen. Capella schließt daraus, dass die Regierung vor allem den Holzhandel vorantreiben will. Weit weniger Interesse bestehe daran, den Ureinwohnern die Rechte zu gewähren, mit denen sie nachhaltige Entwicklungsprojekte umsetzen könnten.
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