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CDM-Gutachter fallen durch

Der Clean Development Mechanism des Kyoto-Protokolls sollte eigentlich Klimaschutz effizienter machen. Doch eine Studie im Auftrag des WWF bestärkt - wieder einmal - die Kritiker: Die Kontrolle der Projekte funktioniere offenbar nicht, den CDM-Zertifizierer mangele es an Qualität.

Von Johanna Treblin

Die Qualität der Gutachter, die im Auftrag der UN die sogenannten CDM-Projekte durchleuchten, ist Wissenschaftlern zufolge unzureichend - was den gesamten Klimanutzen des sogenannten Clean Development Mechanism (CDM) gefährdet. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Öko-Instituts im Auftrag des WWF. Unter den großen Zertifizierungsunternehmen, so das ernüchternde Ergebnis, gebe es nicht ein einziges, das wirklich gut ist. Die ersten drei von insgesamt sechs Qualitätsstufen in der Studie wurde laut Öko-Institut von keiner der untersuchten Firmen erreicht.

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CDM-Projekt: Ein Staudamm am Indus - der hier mit dem Zansgar zusammen fliest - soll Ladakhs Stromversorgung klimafreundlicher machen. (Foto: Reimer)

Der Clean Development Mechanism ist ein Instrument des Kyoto-Protokolls. Wasserkraftwerke am Indus, Windparks in Kenia oder neue Stahlwerke in Brasilien - Projekte in Entwicklungsländer können von Industrieländern mitfinanziert werden, die sich dann die dort eingesparten Treibhausgase auf die eigene Klimabilanz gutschreiben lassen. Dieser Mechanismus soll dafür sorgen, dass Emissionsreduzierungen die Industrieländer möglichst wenig kosten - und die Entwicklungsländer nebenbei auf einen grünen Zukunftspfad kommen.

"Die Probleme sind nicht weniger, sondern mehr geworden"

Das wichtigste Kriterium ist dabei, dass die Projekte ohne die CDM-Zahlungen aus den Industriestaaten nicht zustande gekommen wären. Von dieser "Additionalität", so der Fachjargon, hängt der gesamte Klimanutzen ab. Denn die Industrieländer unterlassen ja zugunsten der CDM-Projekte eigene Emissionsminderungen. Aus diesem Grunde ist das Anerkennungsverfahren für die Projekte auch sehr kompliziert. Beim UN-Klimasekretariat in Bonn müssen sie angemeldet und genehmigt werden. Vorbedingung dafür ist eine erste Beurteilung durch anerkannte Zertifizierungsstellen, sogenannte Designated Operational Entities (DOE).

Das Öko-Institut hat nun in seinem Rating diese Gutachter bewertet. Es hat eine Skala von A (bester Gutachter) bis F (schlechtester Gutachter) definiert. Untersucht wurden die fünf größten der weltweit 45 Zertifizierungsstellen: Bureau Veritas Certification (BVC) mit Sitz in Houston, Texas, Det Norske Veritas (DNV) aus Oslo, die französische Société Générale de Surveillance (SGS) sowie die deutschen Unternehmen TÜV Nord und TÜV Süd. Diese fünf Institutionen hatten in den vergangenen zwei Jahren jeweils mindestens 40 CDM-Projekte bearbeitet.

Die "beste" Bewertung erhielt, wie schon im ersten Rating vom Mai 2009, der TÜV Nord - allerdings bekam selbst er nur die Note D. Am schlechtesten schnitt BVC mit einem F ab. "Die Probleme sind seit 2009 nicht weniger, sondern mehr geworden", erklärt denn auch Juliette de Grandpre, Klimaexpertin des WWF. Die Gefahr bestehe, dass viele Projekte zugelassen werden, die nicht wirklich zusätzlich sind, sondern auch ohne die CDM-Zertifizierung durchgeführt worden wären. Und das kann eben "zu einer Steigerung der globalen CO2-Emisionen führen, statt zu der vorgesehenen Verringerung." Schon bei der vorherigen Untersuchung 2009 hatte der WWF ähnliche Zweifel geäußert. Der WWF weist nun ergänzend darauf hin, dass wegen möglicher Manipulation von Daten die Begutachtung von Projekten erschwert wird.

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Protest gegen den Clean Development Mechanism bei der Klimakonferenz in Bonn 2009

Die Autoren der aktuellen Studie, Lambert Schneider und Lennart Mohr, fordern, dass die gegenwärtigen Richtlinien des CDM-Exekutivrats überarbeitet werden. Positiv bewertete der WWF, dass die UN an einem Bewertungs- und Sanktionssystem für die Gutachterorganisationen arbeiten. Das System sei allerdings auch nach drei Jahren Entwicklung immer noch nicht einsatzfähig. Bei seinem nächsten Treffen Ende Juli in Bonn, so der WWF, müsse der CDM-Exekutivrat klare Regeln und strengere Prozeduren für die Gutachter beschließen und die Ergebnisse von Überprüfungen der Begutachtungen veröffentlichen.

Im März war der TÜV-Süd, eine der nun vom Öko-Institut untersuchten Zertifizierer, bereits vorläufig von der Zertifizierung von CDM-Projekten ausgeschlossen worden. Die UN bemängelte damals, Vorhaben seien zugelassen worden, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus gebe es Zweifel an der Qualifikation einiger Mitarbeiter.

Projekte, die Rahmen des Clean Development Mechanism zugelassen sind, erfüllen oft nicht die erforderlichen Anforderungen. Eine Studie hat sich die Zertifizierer vorgenommen und zeigt nun auf, wo die Mängel liegen: Unzureichend ausgebildetes Personal und mangelnde Datenlage sind die Hauptgründe.
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