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Neuer Anlauf für "Dschungel statt Öl"

"Es bleibt unsere wichtigste Initiative, sie signalisiert einen totalen Bruch mit der Vergangenheit". Mit dieser Erklärung will der ecuadorianische Staatspräsident Rafael Correa einen neuen Anlauf für das "Dschungel-statt-Öl"-Projekt im Yasuní-Nationalpark starten. Zuvor hatte es ausgerechnet Correa selbst in Frage gestellt 

Aus Porto Alegre GERHARD DILGER

Mit einem neuen Team will die ecuadorianische Regierung weiter für das "Dschungel-statt-Öl"-Projekt im Yasuní-Nationalpark werben. "Es bleibt unsere wichtigste Initiative, sie signalisiert einen totalen Bruch mit der Vergangenheit", erklärte Staatspräsident Rafael Correa. Doch der Vertrauensverlust auf internationaler Ebene, den der linke Präsident einen Monat zuvor provoziert hatte, wirkt nach. Er habe verhindern müssen, dass der geplante Treuhandfonds unter dem Dach des UN-Entwicklungsprogramms zu "beschämenden Bedingungen" eingerichtet werde, argumentiert der Präsident. Correa drohte damals, im Juni könnte die Ölförderung in dem artenreichen Regenwaldgebiet beginnen.  

Der Yasuní-Nationalpark ist eine der artenreichsten Regionen der Welt.

Auf der Fläche eines Fußballfeldes gibt es fast soviele Baumarten wie in ganz Nordamerika. Der Park ist der traditionelle Lebensraum der Huaorani-Indígenas sowie der Tagaeri und der Taromenane, zweier Urvölker, die dem Kontakt mit den Weißen aus dem Weg gehen. Seit knapp drei Jahren macht eine von Umweltgruppen entwickelte Klimaidee Furore: Jenes Erdöl, das im östlichen Teil des Yasuní-Nationalparks lagert, dem Ishpingo-Tambococha-Tiputini-Korridor (ITT), soll im Boden bleiben. Im Gegenzug, so die Hoffnung, bringt die internationale Gemeinschaft als Ausdruck ihrer "Mitverantwortung" 20 Jahre lang die Hälfte der erwarteten Deviseneinkünfte auf.

Nach den umstrittenen Äußerungen des Präsidenten waren zwei prominente Mitglieder der Regierungskommission der Yasuní-ITT-Initiative zurückgetreten: der Unternehmer Roque Sevilla und Yolanda Kakabadse, die mittlerweile zur Vorsitzenden der Umweltstiftung WWF ernannt wurde. Auch Außenminister Fander Falconí, ein langjähriger Weggefährte Correas, gab sein Amt auf.

Streitpunkt waren vor allem die Bestimmungen des Treuhandfonds, durch den die das UN-Entwicklungsprogramm die Nutzung der Gelder für Umwelt- und Soazilprojkte mitüberwachen würde. Insbesondere geht es darum, dass Geldgeber ihre Beiträge zurückfordern können, sollte das Öl in Zukunft doch gefördert werden.

„Es ist ein legitimes Anliegen, dass es ein solides  Instrument geben muss, das möglichen Beiträgern Sicherheit gibt“, meint Ex-Außenminister Falconí hierzu, „die Verhandlungen wurden auf unserer Seite von hoch qualifizierten Leuten mit großer internationaler Erfahrung geführt. Dass das 'beschämend' sein sollte, konnte ich nicht akzeptieren.“

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Der Yasuni-Nationalpark. (Foto: Dilger)

Rafael Correa weiß natürlich, dass er nie im Alleingang über diese Klimamillionen würde verfügen können. Daher entstand der Eindruck, er hätte Angst vor der eigenen Courage bekommen. Laut Sevilla hatten europäische Regierungen nämlich schon fast die Hälfte der Zielsumme in Aussicht gestellt.

Nun also sind die Karten neu gemischt. Für die internationalen Kontakte ist jetzt Ivonne Baki zuständig, eine unter Linken und Umweltaktivisten höchst umstrittene Figur, die von 1998 bis 2002 Botschafterin in Washington war und sich im Milliardenprozess zwischen ChevronTexaco und ecuadorianischen BasisaktivistInnen auf die Seite des Ölmultis schlug. Zusammen mit Vizepräsident Lenín Moreno reiste sie jetzt in den Iran, wo die dortige Regierung die Yasuní-ITT-Initiative unterstützte.

Mit "Skepsis und Abwarten" umreißt die grüne Bundestagsabgeordnete Ute Koczy die Stimmung unter den deutschen Freunden des innovativen Klimavorschlags. In einem Brief an Correa setzten sich Abgeordnete aller fünf Bundestagsfraktionen für einen "dauerhaften Schutz des ITT-Gebietes" ein, ihre Haltung bekräftigten sie bei einem Besuch des ecuadorianischen Botschafters im Bundestag. "Das Projekt ist eine historische Chance zur Umkehr bei der Regenwaldzerstörung - und für die Unterstützung der dort lebenden Menschen", sagt Koczy. "Wir drücken die Daumen, dass es jetzt wieder vorangeht. Ecuador ist am Zug".

Im Lande selbst jedoch ist die Initiative durch die breite Debatte der letzten Wochen erst richtig bekannt geworden - mit ermutigenden Folgen: Einer neuen Umfrage zufolge möchten 68 Prozent der Ecuadorianer über die Ölförderung im ITT-Gebiet per Referendum abstimmen, und sogar drei Viertel sähen es lieber, wenn das Öl im Boden bliebe.

Länder wie Ecuador müssten endlich den "Fluch der üppigen Bodenschätze" überwinden, durch deren Ausbeutung Korruption und Ungleichheit festgeschrieben werde, meint der ehemalige Energieminister Alberto Acosta, der prominenteste Fürsprecher des Projekts. Als Vorsitzender des Verfassungskonvents sorgte er vor zwei Jahren dafür, dass die Rechte der Natur im neuen Grundgesetz verankert wurden - wenig später kam es zum Bruch mit Rafael Correa.

Nun sind die Hürden für neue Öl- oder Bergbauprojekte in Naturschutzgebieten höher als früher: Der Staatschef braucht dafür die Zustimmung im Parlament, sogar eine Volksabstimmung ist möglich. Correas Erklärungen bezeichnet Acosta als "verantwortungslos", es werde nicht leicht, international die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

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Ecuadors Präsident Rafael Correa. (Foto: Dilger)

Zumal die Regierung ganz offen ihren "Plan B" vorantreibt, wie der Präsident zuletzt in seiner Rundfunkansprache am 6. März betonte: "Wenn es nötig sein sollte, werde wir ihn umsetzen, also dieses Öl mit minimalen Auswirkungen auf die Umwelt herausholen", sagte Correa. "Wir werden nicht mit dem Wohlergehen des ecuadorianischen Volkes spielen".

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