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Zündstoff für die Umwelt

Es knallt, es zischt, es funkt: Traditionell gibt es zu Silvester in vielen Ländern Feuerwerk. Die Knaller bergen Gefahren für Tiere und auch Menschen. Einen Einfluss auf das Klima haben sie wahrscheinlich nicht.

Von Friederike Meier und Susanne Schwarz

Im siebten Jahrhundert wollte Li Tian dem Spuk ein Ende setzen. Der Mönch füllte ein Bambusrohr mit Salpeter, Holzkohle und Schwefel. Angezündet ergab das einen lauten Knall. Das würde, so hoffte Li Tian, die bösen Geister vertreiben, an denen es liegen musste, dass die chinesische Provinz Hunan seit Monaten von sintflutartigen Regenfällen, Seuchen und Hunger heimgesucht wurde. Li Tian baute damit vor 1.400 Jahren den Prototyp des modernen Böllers, mit dem mittlerweile in vielen Ländern der Welt das neue Jahr eingeläutet wird.

BildAm nächsten Tag sehen die Feuerwerkskörper meist nicht mehr schön aus. Hier am 1. Januar 2017 in Stuttgart. (Foto: Isengardt/Flickr)

Im Gegensatz zum Effekt der Knaller auf etwaige Geister ist ein anderer deutlich nachgewiesen: Feuerwerk erschreckt Tiere bis ins Mark. In einem Video des Naturschutzbundes Nabu kann man eine Kohlmeise im Nistkasten dabei beobachten, wie sie bei jedem Knall zusammenzuckt. Laut Nabu berichten Ornithologen am 1. Januar regelmäßig von fluchtartig verlassenen Ruheplätzen und erkennbar verstörten Vogelschwärmen. Das sei im Winter besonders schlimm: Zu dieser Jahreszeit müssten die Vögel sich eigentlich ausruhen.

Auch nach dem Knall machen die Raketen Tieren zu schaffen. Abfallexperte Benjamin Bongardt vom Nabu spricht von einem "wissentlichen Vermüllen der Landschaft". Wenn die Plastikteile der Geschosse wieder unten angekommen sind und herumliegen, könnten Tiere sie mit Futter verwechseln: "Für jede Größe von Müll gibt es ein Tier, das so etwas für Nahrung hält", sagt Bongardt.

Nicht nur Wildtiere haben Probleme mit dem Plastik. In einer Gemeinde in Oberbayern ist privates Feuerwerk seit diesem Jahr verboten. Ein Grund: Die Plastikteile, die mit den Raketen auf die Felder gelangen, werden von den Erntemaschinen nicht erkannt und in das Viehfutter hineingehäckselt. Milchviehhalter müssen deshalb die Plastikkappen der Raketen eigenhändig von den Feldern aufsammeln.

Kaum Auswirkungen auf das Klima

Probleme macht aber nicht nur das, was wieder auf dem Boden landet, sondern auch das, was oben bleibt: Wenn das Schwarzpulver in der Rakete verbrennt, entstehen Kohlendioxid, Schwefeldioxid sowie Ruß, der als Feinstaub in der Luft bleibt.

Eine gute Nachricht dabei: Obwohl mit CO2 und Ruß Substanzen entstehen, die das Klima aufheizen könnten, fallen die Klimafolgen des Silvesterspaßes wohl sehr gering aus. "Einen messbaren Effekt auf das Klima hat das sicher nicht", sagt der Atmosphärenchemiker Frank Drewnick vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Ruß wirke nämlich vor allem tagsüber klimaschädigend, wenn die dunklen Partikel die Sonnenstrahlen absorbieren und so die Atmosphäre erwärmen.

Ausgerechnet das große Feuerwerk zu Silvester dürfte deshalb kaum Einfluss haben. Drewnick: "Bis am 1. Januar die Sonne aufgegangen ist, ist der meiste Ruß schon wieder zu Boden gesunken." Bei einer Messung in der Silvesternacht in Mainz hat der Chemiker außerdem viel Sulfat festgestellt, das als eher abkühlend gilt. Smog aus Sulfat-Aerosolen, schwefeligen Schwebeteilchen, fängt in der Stratosphäre ultraviolette Strahlung ab, macht Wolken langlebiger und lässt sie reflektieren. Fürs Klima dürfte das Feuerwerk damit ein Nullsummenspiel sein.

Feuerwerk schädlich für die Gesundheit

Das weitaus größere Problem ist die Luftverschmutzung mit den entsprechenden Gesundheitsgefahren. Die winzigen frei werdenden Feinstaub-Teilchen gelangen in die Lunge – und können zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Besonders trifft das Menschen, die ohnehin vorbelastet sind. Asthmatiker etwa brauchen dann mehr Medikamente.

"Durch das Feuerwerk zu Silvester verschlechtert sich die Luftqualität in Deutschland tatsächlich rapide", sagt Martin Ittershagen vom Umweltbundesamt. Laut der Behörde werden hierzulande jedes Jahr fast 5.000 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der allergrößte Teil davon zu Silvester. Das entspricht etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. "Allerdings betreffen diese Spitzenwerte eben nur einen Tag", schränkt Ittershagen ein. "Viel schwerer wiegt, dass die Luft in vielen deutschen Innenstädten etwa durch Autoabgase an vielen anderen Tagen zu stark verschmutzt ist."

BildDie bunten Farben des Feuerwerks enstehen durch Metalle wie Kupfer (blau), Barium (grün) und Strontium (rot). (Foto: Chris Edward Moran/Flickr)

Mit China verbindet sich indes nicht nur die Geschichte der Pyrotechnik, sondern auch die Gegenwart. Bis heute werden in der Provinz Hunan massenhaft Knallkörper hergestellt. Zwei von drei in Deutschland abgebrannten Böllern stammen von dort. Auch das bleibt nicht ohne Folgen für Umwelt und Klima: Der Umweltverband BUND kritisiert den "großen ökologischen Fußabdruck", den allein der weite Transport des Feuerwerks hinterlässt.

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