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Klimawandel heizt Brände in Kalifornien an

In drei Jahrzehnten verdoppelte sich die von Waldbränden zerstörte Fläche in dem US-Staat. Der gefährliche Mix aus lokalen Winden und extremer Trockenheit sorgt dieses Jahr wieder für Extrembrände. Auch US-Medien berichten ausführlich über den Zusammenhang mit verändertem Klimabedingungen und die Nasa twittert erschreckende Aufnahmen aus dem All.

Von Susanne Götze

Die kalifornische Feuerschutzbehörde veröffentlicht regelmäßig eine Liste mit den 20 stärksten Waldbränden der vergangenen Jahrzehnte. Der älteste verzeichnete Brand datiert auf das Jahr 1932. Auffällig ist an der Liste jedoch eines: 14 der 20 flächenmäßig größten Waldbrände fanden seit dem Jahr 2000 statt. Allein sechs waren es in den vergangenen sieben Jahren.

Auch bei der Liste der "zerstörerischsten" Feuer, bei denen besonders viele Menschen starben und Häuser abbrannten, stehen die Brände der letzten Jahrzehnte ganz weit oben. Die Liste des Schreckens zeigt einen Trend und auch für kalifornische Medien ist mittlerweile klar: Es handelt sich nicht mehr "nur" um eine einzelne Naturkatastrophe. Rein statistisch ist offensichtlich, dass die Brände häufiger und heftiger auftreten.

Während die Zeit für Waldbrände früher voraussagbar war, sei man nun das ganze Jahr in Alarmstimmung, zitiert die Los Angeles Times den Feuerchef von Ventura. Das hänge mit der enormen Trockenheit zusammen. The Verge schreibt: "Etwas Ungewöhnliches passiert", und zitiert einen Klimaforscher, der die Dürre in der Region zu erklären versucht. Und auch The Atlantic fragt: "Hat der Klimawandel die Waldbrände an der Westküste verstärkt?"

Tatsächlich belegen mittlerweile viele Studien, dass Kalifornien ein Hotspot der globalen Erwärmung ist. Im offiziellen Klimabericht des Bundesstaates finden sich alle Zutaten für die derzeitige Katastrophe: Steigende Temperaturen, mehr Hitzewellen, weniger Regen und Schnellfall, sinkende Flusspegel, aber ein steigender Meeresspiegel.

Forschern zufolge hat sich aufgrund der steigenden Trockenheit die Fläche der Waldbrände seit 1984 verdoppelt. Nach Erkenntnissen des World Resource Institute hat sich auch der Zeitraum um zweieinhalb Monate verlängert, in denen man mit Waldbränden rechnen muss. 

Dürre könnte zum Dauerphänomen werden

Eigentlich hätte es jetzt im Dezember schon längst regnen müssen, die Waldbrandsaison ist laut lokalen Experten lange vorbei. Doch der Regen bleibt wieder einmal aus. Laut einer neuen Studie in Nature Communications könnte daraus eine ernste Bedrohung für den Bundesstaat werden. Denn die mittlweile jahrelange Dürre – immerhin schon seit 2012 – dürfte in Zukunft zu einem Dauerphänomen werden.

Die Studienautoren vom Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) und von der University of California in Berkeley haben einen erschreckenden Zusammenhang festgestellt: Durch das Schmelzen des Arktis-Eises könnte der Regen in Kalifornien ausbleiben. Die Schmelze beeinflusse atmosphärische Strömungen über dem Nordpazifik.

Bisher sorgen diese Strömungen dafür, dass die Niederschläge an die US-Westküste kommen. Künftig könnten sie nach Kanada und Alaska abgedrängt werden. Schon die derzeitige Trockenheit sei ein Hinweis auf diese Veränderungen, glaubt Studienautorin Ivana Cvijanović vom LLNL.

Hinzu kommt, dass natürliche Winde in Kalifonien die Waldbrände regelrecht anheizen. Die Santa-Ana- oder Diablo-Winde entstehen im Großen Becken zwischen den Rocky Mountains und der Sierra Nevada. Auf ihrem Weg Richtung Pazifik beschleunigen sich diese Winde, die Berglandschaft verstärkt den Effekt. An der Küste wirken die Winde dann wie ein Blasebalg, der das Feuer ordentlich anfacht.

BildHunderttausdende mussten in Südkalifornien bereits evakuiert werden, mehr als 30 Menschen kamen bisher in den Flammen um. (Foto: Skeeze/​Pixabay)

Deutlich sieht man die Brände auch aus dem All: Der Astronaut und derzeitige Kommandant der Internationalen Raumstation (ISS) Randolph Bresnik hat Fotos aus 400 Kilometern Höhe gemacht. Sie zeigen eindrücklich, wie die Rauchsäulen über Ventura, Santa Monica und Los Angelos aufs offene Meer ziehen. 

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