Anzeige

Länder wollen Planeten entmüllen

Bislang galt Umweltverschmutzung als lokales Problem, dabei findet sich der Plastikmüll des einen längst auf dem Fischteller des anderen. Nun wollen die UN-Staaten gemeinsam gegen die Vermüllung der Erde vorgehen.

Aus Chiang Mai (Thailand) Christian Mihatsch

Neun von zehn Menschen atmen Luft, deren Verschmutzung die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO verletzt. Jedes Jahr enden zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Über 80 Prozent des Abwassers werden ungeklärt in Gewässer eingeleitet.

BildGesunde Luft gibt es nur noch für die wenigsten Menschen auf der Welt, dafür sorgen Abgase aus Kohlekraftwerken oder Kraftfahrzeugen. (Foto: Jürgen PM/​Pixabay)

Der Planet vermüllt. Dieser Missstand war das Thema der alle zwei Jahre stattfindenden UN-Umweltversammlung Unea, die am gestrigen Mittwoch Abend in Kenias Hauptstadt Nairobi zu Ende gegangen ist. Die UN Environment Assembly ist das höchste beschlussfassende Umweltorgan im UN-System.

Der Chef des UN-Umweltprogramms Unep, Erik Solheim, redete den Ländern ins Gewissen. Die Vermüllung sei "ein Umweltdesaster, das durch Faulheit verursacht wird und mit einer gesunden Dosis an politischem Willen gelöst werden kann", sagte Solheim.

Aus seiner Sicht ist die Welt in Nairobi dieser Lösung ein Stück näher gekommen. Die Konferenz sei ein "erstaunlicher Erfolg" gewesen, sagte der Unep-Chef, der zuvor Norwegens Umweltminister war.

Solheims Nachfolger als Umweltminister von Norwegen, Vidar Helgesen, teilt diese Einschätzung: "Die Sprache in der Resolution ist sehr stark." Der Auftrag sei klar, so Helgesen: "Wir haben jetzt einen Konsens, die Schaffung eines rechtlich verbindlichen Instruments zu prüfen, und das wird jetzt auf internationaler Ebene in den nächsten 18 Monaten getan."

Der Kampf gegen die Vermüllung sei aber nicht nur eine Aufgabe "der UNO und der Regierungen", betonte Solheim. Aus diesem Grund wurden im Rahmen der Unea Selbstverpflichtungen von Städten, Firmen, der Zivilgesellschaft und Einzelpersonen gesammelt – im Umfang von knapp 2,4 Millionen US-Dollar. Für Solheim zeigt das: "Dies ist eine globale Herausforderung und es gibt weltweit den Wunsch, diesen Kampf gemeinsam zu gewinnen."

Fortschritte bei Quecksilber und F-Gasen

Wie dringend Fortschritte sind, zeigt sich etwa bei Quecksilber. Dieses Jahr ist die Minamata-Konvention in Kraft getreten, die Emissionen des Flüssigmetalls verhindern soll.

Bei der ersten Vertragsstaatenkonferenz dazu wurden die Haare von 180 Teilnehmern aus 75 Ländern getestet. Dabei zeigte sich, dass die meisten Diplomaten Quecksilberkonzentrationen im Körper hatten, die als gesundheitsschädlich gelten und Hirnschäden verursachen können. Ob die neue Konvention greift, werden zukünftige Haartests zeigen.

Ein Erfolg konnte dieses Jahr zudem bei der Abschaffung besonders schädlicher Klimagase erzielt werden. Bislang durften ozonschädliche Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) durch FKWs ersetzt werden. Letztere haben aber pro Molekül eine Treibhauswirkung, die mehr als 10.000-fach stärker ist als die von CO2.

Aus diesem Grund wurde das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht durch einen Zusatz ergänzt – das "Kigali Amendment". Im November haben nun genügend Länder diesen Zusatz ratifiziert, sodass er zu Beginn des Jahres 2019 in Kraft tritt.

Wie diese Einzelmaßnahmen zusammenspielen sollen, erklärte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella: "Wir sollten dem Beispiel unserer Klimakollegen folgen: Wir müssen die Herausforderung auf handhabbare Einzelaufgaben herunterbrechen. So behalten wir ein Auge auf das große Ziel, aber wir erreichen es durch effektive Maßnahmen in einzelnen Segmenten."

BildPlastikmüll ist inzwischen überall. Rund 13 Millionen Tonnen davon gelangen jedes Jahr in die Weltmeere – und am Ende auf unseren Teller. (Foto: Martin Abegglen/​Flickr)

Vellas Verweis aufs Klima wird die Klimadiplomaten freuen. Beim Tempo dienen die Klimaverhandlungen aber nur bedingt als Vorbild. Schließlich hat es 21 Jahre gedauert, bis sich die Welt auf einen umfassenden, für alle verbindlichen Vertrag wie das Paris-Abkommen geeinigt hat.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen