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Der Plastik-Fischer startet durch

Der Niederländer Boyan Slat hat 22 Millionen Dollar für sein Anti-Meeresmüll-Projekt gesammelt. Nach einem Probelauf in der Nordsee folgt nun ein Test im Pazifik. Die Skepsis von Experten scheint überwunden – auch dank des Engagements zweier IT-Milliardäre.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Der "Plastik-Fischer" hat einen neuen Coup gelandet. Der Niederländer Boyan Slat und seine Crew können mit rund 22 Millionen US-Dollar die nächste Stufe ihres Projekts "The Ocean Cleanup" starten. Damit soll die Erfindung des Umweltschützers erstmals im Pazifischen Ozean getestet werden.

BildDer meiste Plastikmüll landet nicht in Müllstrudeln, sondern an Stränden, am Meeresboden oder in Meerestieren und Vögeln. (Foto: Konstanze Staud)

Slats Ziel ist es, Kunststoff-Müll aus dem Meer zu bergen, ihn zu recyceln oder damit Energie zu gewinnen. Im Pazifik befindet sich der größte der fünf auf den Weltmeeren schwimmenden Plastikmüll-Strudel. Die Idee für das Anti-Müll-Projekt hatte der damals 17-Jährige bereits 2012. Das Konzept: V-förmige bewegliche Ausleger sammeln und konzentrieren den Abfall, der auf dem Wasser schwimmt. Transportschiffe nehmen ihn auf, um ihn an Land zu bringen.

Die Skepsis, ob die Idee umsetzbar ist, war anfangs sehr groß. Doch Slat ließ sich nicht entmutigen. Per Crowdfunding sammelte er Geld für eine Machbarkeitsstudie und Tests. Im vorigen Jahr erhielt "The Ocean Cleanup" dann auch die Unterstützung der niederländischen Regierung für einen Prototyp, der in der Nordsee getestet wurde. Das Projekt mit Sitz in Delft beschäftigt inzwischen rund 65 Forscher und Ingenieure.

Zusammen mit den 22 Millionen Dollar aus der neuen Runde haben Fans des Projekts jetzt insgesamt 31,5 Millionen gespendet. Hauptgeldgeber sind diesmal öko-interessierte Milliardäre aus den USA, angeführt von dem IT-Unternehmer-Ehepaar Marc und Lynne Benioff aus San Francisco sowie dem Silicon-Valley-Unternehmer Peter Thiel. Marc Benioff ist ein Pionier des Cloud Computing, Thiel Mitgründer des Bezahldienstes Paypal.

"Wenn die Technik hier überlebt, überlebt sie überall"

Mit der neuen Finanzspritze will Slat noch in diesem Jahr in dem neuen großen Pilotprojekt testen, wie der Müll unter Vor-Ort-Bedingungen am besten ans Festland gebracht werden kann und welches Recyclingverfahren sich am besten eignet. Die Abfälle bestehen aus verschiedenen Plastiksorten und sind durch Seegang und Sonnenlicht stark verändert. Getestet werden soll in einer Anlage in Japan.

Der heute 22-Jährige gibt sich zuversichtlich, dass sein Sammelsystem auch im Pazifischen Ozean funktionieren wird. "In der Nordsee treten stärkere Stürme als im Pazifik auf. Wenn die Technik hier überlebt, dann überlebt sie überall", sagte Slat in einem Interview. Die Tests mit den Auslegern in der Nordsee verliefen plangemäß.

Ziel des Niederländers ist es, 2020 mit der echten Sammelaktion beginnen zu können. Slats Crew hofft, dann binnen einiger Jahre die Hälfte des im Pazifik-Strudel – genannt "The Great Pacific Garbage Patch" – schwimmenden Plastiks entfernen zu können.

BildDer Prototyp im vergangenen Sommer in der Nordsee: Bilder, die kleine und große Spender überzeugten. (Foto: The Ocean Cleanup)

Geldgeber Benioff lobte Slats Projekt überschwänglich. "The Ocean Cleanup wird eine unglaublich positive Wirkung auf die Zukunft unserer Ozeane haben", sagte er. Ein solcher Push scheint überfällig. Die Weltmeere sind nach Aussagen von Forschern nicht nur stark vermüllt, sondern auch verschmutzt und überfischt, sie heizen sich auf und versauern – zugleich verstärken sich diese Prozesse gegenseitig und die Ursachen bestehen fort. Weniger Plastik wäre da wenigstens ein Anfang.

[Erklärung]  
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