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Südostasien mobilisiert für Palmöl

Weil für Ölpalmen Wälder gerodet und Moore trockengelegt werden, entstehen riesige Mengen an Treibhausgasen. Das Europaparlament will deshalb erreichen, dass bald kein Palmöl mehr zu Biodiesel verarbeitet wird. Protest kommt von südostasiatischen Ländern.

Aus Chiang Mai (Thailand) Christian Mihatsch

Es ist nur eine nicht bindende Resolution des Europaparlaments, aber in Südostasien schrillen die Alarmglocken. Eine überwältigende Mehrheit der Parlamentarier (640 gegen 18 Stimmen bei 28 Enthaltungen) forderte im April, dass "spätestens" ab dem Jahr 2020 kein Palmöl mehr zu Biodiesel verarbeitet wird.

BildFür südostasiatische Ölkonzerne eine Goldgrube: Die Früchte der Ölpalme. (Foto: Tristan Tan/​Pixabay)

"Das Parlament ist besorgt, dass 46 Prozent allen importierten Palmöls der Herstellung von Biokraftstoffen dienen und dass dafür eine Million Hektar Land erforderlich ist", sagte die tschechische Linken-Abgeordnete Kateřina Konečná, die die Resolution eingebracht hatte. Der Landbedarf für Palmöl sei der Grund für "20 Prozent aller Entwaldung" in den letzten 20 Jahren und die Klimabilanz von Palmöl folglich verheerend: "Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Biodiesel aus Palmöl dreimal mehr Emissionen verursacht als herkömmlicher Diesel."

Das wollen die großen Palmölproduzenten in Südostasien nicht so stehen lassen. Schon im April haben Indonesien und Malaysia angekündigt, Abgesandte zum EU-Parlament in Brüssel zu schicken. "Wir werden alles uns mögliche tun, um das Parlament und die EU-Länder zu überzeugen, der Resolution nicht zu folgen", sagte der indonesische Wirtschaftsminister Darmin Nasution.

EU will Anteil von Biosprit absenken

Indonesien und Malaysia sind die beiden größten Palmölproduzenten der Welt mit einem Marktanteil von rund 85 Prozent. Die EU ist nach Indien der zweitgrößte Importeur des Öls.

Malaysias Premierminister Najib Razak warnte: "Würde diese Resolution Realität werden, hätte das einen verheerenden Effekt auf unser nationales Interesse, vor allem für 600.000 Kleinbauern in Malaysia und 2,4 Millionen in Indonesien." Keine Ölpflanze ist so produktiv wie Ölpalmen. 

Um die Wirkung ihres Lobbyings in Brüssel zu stärken, haben Indonesien und Malysia nun Thailand mit ins Boot geholt. Thailand ist der drittgrößte Palmölproduzent der Welt und will seine Produktion innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte steigern.

In Brüssel werden die drei Länder auf eine hitzige Debatte über Biosprit stoßen, denn derzeit wird über die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie gestritten, die auch die Biosprit-Regeln umfasst. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, den Anteil an Biosprit, der Benzin oder Diesel beigemischt wird, von derzeit knapp fünf Prozent auf 3,8 Prozent im Jahr 2030 abzusenken. Doch das ist vielen Umweltorganisationen nicht genug.

"Nicht nur Palmöl verbieten"

"Die EU muss alle Anreize abschaffen, die eine künstliche Nachfrage für Pflanzenöle im Transportsektor schaffen", sagt Cristina Mestre vom Umwelt- und Verkehrs-Dachverband Transport and Environment. "Jede Lösung, die nur darin besteht, Palmöl zu verbannen, ignoriert die Tatsache, dass es einfach durch Raps- oder Sojaöl ersetzt wird, die ebenfalls höhere Emissionen verursachen als herkömmlicher Diesel", so Mestre.

BildPalmölplantagen in Malaysia. Für solche Plantagen wird Regenwald gerodet und Kohlendioxid, das dort gespeichert war, gelangt in die Atmosphäre. (Foto: Craig Antweiler/Wikimedia Commons)

Für Raps und Soja werden zwar keine Urwälder gerodet, doch der Flächenverbrauch ist deutlich größer. Auf einem Hektar können pro Jahr vier Tonnen Palmöl produziert werden – das ist fünfmal mehr als beim Rapsöl und zehnmal mehr als beim Sojaöl.

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