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Ein verändertes Klima für Terror

Der Klimawandel verschärft in ohnehin konfliktbeladenen Regionen die Auseinandersetzung um natürliche Ressourcen sowie die Gefahr, dass terroristische Gruppen an Einfluss gewinnen. Dagegen helfen nur "ganzheitliche" Strategien, heißt es in einer Studie des Thinktanks "Adelphi".

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Der Klimawandel verstärkt das Risiko, dass terroristische Gruppen wie IS oder Boko Haram entstehen und an Einfluss gewinnen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Berliner Thinktank "Adelphi" im Auftrag des Auswärtigen Amts erarbeitet hat. Die Adelphi-Experten empfehlen daher, Klimaschutz, Entwicklungshilfe, Terrorbekämpfung und Missionen zur Konfliktlösung politisch nicht isoliert zu betreiben, sondern sie in einer gemeinsamen Strategie anzugehen.

BildÄthiopien am östlichen Horn von Afrika gehört zu den Ländern, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. (Foto: Ian Steele/​UN Photo)

Laut der Studie gibt es gerade in besonders klimasensiblen Regionen wie am Tschadsee in Zentralafrika, in Syrien, Afghanistan und Guatemala einen Anstieg des Terrorismus. Adelphi-Autor Lukas Rüttinger warnt vor einem "Teufelskreis": Die Erderwärmung verstärke nicht nur die bestehenden Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung, sondern bereite damit besonders in instabilen Ländern auch den Boden für gewaltsame Konflikte und Terrorismus. Dadurch verschlechterten sich wiederum die Möglichkeiten, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu treffen.

Seit der Industrialisierung ist die mittlere Erdtemperatur um rund ein Grad angestiegen. Ohne aktive Klimaschutzmaßnahmen, wie sie der Pariser Klimavertrag fordert, drohen bis zum Jahr 2100 allerdings plus drei bis vier Grad. Besonders in Afrika und im Nahen Osten haben sich die Temperaturen deutlich überdurchschnittlich erhöht.

In einer Welt des Klimawandels haben Terroristen leichteres Spiel

Die Erderwärmung führte bereits heute dazu, dass Dürren, Überschwemmungen und andere Extremwetter-Ereignisse häufiger auftreten als in früheren Jahrzehnten. Besonders in Staaten mit schwachen Regierungen, etwa in Zentralafrika oder im Nahen Osten, gefährdet das die Lebensgrundlagen von Menschen zusätzlich.

Die betroffenen Gruppen werden laut dem Adelphi-Bericht dadurch anfälliger für die Rekrutierung durch Terroristen, die auch wirtschaftliche Anreize bieten und ein besseres Leben versprechen. Man könne zwar nicht sagen, dass der Klimawandel Terrorismus erzeuge, so die Experten, allerdings erzeuge er eine Umwelt, in der Terroristen leichter operieren könnten.

Wo staatliche Stellen bei der Versorgung der Bevölkerung etwa mit ausreichend Trinkwasser und Nahrung scheitern, versuchen laut den Adelphi-Experten immer öfter terroristische Gruppen diese Lücke zu füllen. Dadurch entzögen sie den Regierungen die Legitimation noch weiter. Und: Je knapper die Ressourcen, desto mehr Macht komme den Terrorgruppen zu.

Als Beispiel nennt der Bericht die Situation am Tschadsee, wo derzeit Millionen Menschen von Dürre, Hunger und Krieg bedroht sind. Der Klimawandel habe hier den Kampf um die knappen Wasser- und Land-Ressourcen verstärkt – mit der Folge von sozialen Spannungen, Gewaltausbrüchen, steigender Armut und Arbeitslosigkeit. Gerade in diesem Umfeld habe Boko Haram entstehen können.

BildTankwagen mit Wasser lindern bei Dürren die größte Not – langfristig lassen sich die sozialen Folgen des Klimawandels nur mit ganzheitlichen Ansätzen bewältigen. (Foto: Oxfam/​Wikimedia Commons)

Im Auswärtigen Amt heißt es in Reaktion auf die Studie, es sei wichtig, in "ganzheitliche Konfliktlösungen" zu investieren. Peter Fischer, Beauftragter für Energie- und Klimapolitik und Exportkontrolle in dem Ministerium, kommentierte: Instabilität und Unruhen seien auf der ganzen Welt im Vormarsch, und der Klimawandel begünstige diese Entwicklung. "Wir müssen daher schon zu Beginn der Konfliktspirale die Risiken des Klimawandels antizipieren und Präventionsmaßnahmen treffen", sagte er. Laut der Studie ist dabei besonders die Anpassung der lokalen Landwirtschaft in den armen Ländern an die Folgen der steigenden Temperaturen von Bedeutung.

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