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Eine Flut von Trockenstress

Die Erderwärmung fördert Dürren, aber auch Starkregen und Stürme. Die Reichen der Welt haben bessere Chancen, sich anzupassen. Angenehm wird das auch hierzulande nicht.

Von Susanne Schwarz und Friederike Meier

Es gibt viele Menschen auf der Welt, die den Weltwassertag am Mittwoch ohne Wasser verbracht haben. In zahlreichen afrikanischen Ländern zehrt die Dürre seit zwei Jahren an Tieren und Menschen – Zehntausende stehen vor dem Hungertod, denn ohne Wasser keine Ernte. Im vergangenen Jahr erlebte Südostasien die schwerste Dürre seit 90 Jahren. Besonders Vietnam war betroffen, aber auch Thailand, Kambodscha und Laos.

BildKostbares Gut: Die Verfügbarkeit von Wasser wird – neben anderen menschengemachten Faktoren – durch den Klimawandel erschwert. (Foto: Naitmare/​Wikimedia Commons)

Den Weltwassertag gibt es fast seit einem Vierteljahrhundert. Auf dem Erdgipfel im brasilianischen Rio de Janeiro legten die UN-Staaten Ende 1992 den 22. März als den Tag fest, an dem die Länder sich besonders um Wasserprobleme kümmern sollen. Es geht dabei zum Beispiel um Plastik in Ozeanen, um sauren Regen, um Abwasser. Ein Thema drängt sich immer mehr in den Vordergrund: Was tun, wenn das Wasser wegbleibt?

Durch den Klimawandel, den die Menschheit zu großen Teilen selbst verursacht hat, wird es in vielen Teilen der Erde wärmer und trockener – und ist es schon heute. "Die Häufigkeit von Hitzewellen in großen Teilen Europas, Asiens und Australiens hat sich wahrscheinlich schon erhöht und an manchen Orten infolge menschlicher Einflüsse mehr als verdoppelt", heißt es im aktuellen Fünften Sachstandsbericht zur Klimaforschung des Weltklimarats IPCC. "In vielen Regionen haben veränderte Niederschlagsmuster sowie die Schmelze von Schnee und Eis die Quantität und Qualität des verfügbaren Wassers beeinträchtigt", schreiben die Klimaforscher.

Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Trockenperiode eindeutig eine Folge des menschengemachten Klimawandels ist. Wetter ist chaotisch – hätte die Menschheit nie auch nur eine Tonne Kohlendioxid mehr ausgestoßen als sie ausatmet, könnte es jetzt trotzdem manchmal wärmer und trockener sein als im Durchschnitt und manchmal eben kälter und feuchter. Der Trend ist allerdings eindeutig: Extreme Wetterlagen – und dazu zählen Dürren – nehmen zu.

Für arme Länder heißt Dürre Existenznot

Dass Dürren Länder wie Äthiopien oder Vietnam besonders hart treffen, habe auch mit der sozialen Lage vor Ort zu tun, meint Jan Kowalzig, Klimaexperte bei der Entwicklungsorganisation Oxfam. "Wenn es in Deutschland mal eine Weile nicht regnet, ist das für die Bauern sicher auch ein Problem – aber es bringt uns nicht sofort in existenzielle Nöte." In Entwicklungsländern aber fehlten Geld und Infrastruktur, um das Problem abzufedern, so Kowalzig.

Viele der armen Länder haben schon bei durchschnittlicher Trockenheit mit der Wasserversorgung zu kämpfen. Wenn dann noch die politische Lage instabil ist, wird der Umgang mit Dürren richtig kompliziert. "Die Regierungsinstitutionen sind in Entwicklungsländern in der Regel schwächer als in den Industriestaaten", sagt Kowalzig. Das Management von Krisen fällt dann natürlich schwerer.

Verschont bleiben die Industrieländer allerdings nicht, auch wenn sie viel größere Finanzpolster als die Länder des Südens haben, um sich an den Trockenstress anzupassen. Dass auch die Reichen zum Teil hart mit Trockenheit zu kämpfen haben, zeigt das Beispiel Kalifornien. Die Regierung des Bundesstaates hatte während der letzten, jahrelangen Dürreperiode Wassersparen für Privatpersonen und Industrie verordnet. Selbst Landwirte waren betroffen. Sie durften Flüssen nicht mehr wie zuvor unbegrenzte Mengen an Wasser entnehmen.

Gleichzeitig in vielen Regionen feuchter

Obwohl der Klimawandel vielerorts Dürren verursacht, nehmen die Niederschläge über Land im globalen Mittel zu. Auch das liegt an der Erderwärmung: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasser aufnehmen – theoretisch sieben Prozent mehr pro Grad Erwärmung.

Das Problem: Durch die Erwärmung der Atmosphäre werden – vereinfacht gesagt – trockene Regionen wie das Mittelmeergebiet noch trockener und nasse Regionen wie Mitteleuropa noch feuchter. Wo es warm ist, kann viel verdunsten – das regnet dann in anderen Gegenden wieder herunter. So werden in den höheren Breiten, in den Tropen und in einigen Monsungebieten übers Jahr gesehen die Niederschläge zunehmen.

Außerdem wird der Regen heftiger: Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben Rekordniederschläge in den vergangenen Jahrzehnten im globalen Mittel deutlich zugenommen. In Südostasien gab es 56 Prozent mehr, in Nordeuropa immerhin 31 Prozent.

Deutschlands neue Niederschlagsmuster

Auch Deutschland wird infolge des Klimawandels viel öfter damit zu kämpfen haben, dass zu viel oder zu wenig Wasser da ist. Dem Umweltbundesamt zufolge kann es künftig vor allem in Teilen Ostdeutschlands zu Wassermangel und Dürren kommen. Auch die deutsche Wirtschaft muss sich dann anpassen – Bauern zum Beispiel oder alle, die noch Wasser statt Luft als Kühlmittel einsetzen. Außerdem drohen manche Wasserstraßen im Sommer zu flach für die Schifffahrt zu werden.

Bisher regnet es in Deutschland nicht mehr oder weniger als früher – aber anders. "Im Sommer haben die Niederschläge ab-, im Winter zugenommen", sagt Inke Schauser vom Umweltbundesamt in Dessau. "In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werden Trockenperioden aber wahrscheinlich zunehmen", so die Klimaexpertin. Schließlich werde es auf jeden Fall wärmer. "Und je wärmer, desto mehr Verdunstung, desto trockener."

In einzelnen Dörfern mit kleinem Grundwasserspeicher könnte rein theoretisch sogar das Trinkwasser knapp werden. Aber: "Wir erwarten nicht, dass es in Deutschland echte Probleme mit der Trinkwasserversorgung geben wird", meint Schauser. In einem Industrieland wie Deutschland ist die Anpassung machbar: Schon jetzt, erzählt die Geografin, baue man neue Wasserleitungen, damit es in Zukunft eben nicht zu Engpässen kommt. Zur größten Not könne man immer noch Trinkwasser per Lkw anliefern.

BildWenn gar nichts mehr geht, muss rationiert werden. (Foto: Taner Tosun/​Pixabay)

Problematisch wird für Deutschland wohl eher das andere Extrem: Starkregen, Sturzfluten, Hochwasser. Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass solche extremen Niederschläge in der Bundesrepublik in den kommenden Jahrzehnten um bis zu 50 Prozent zunehmen werden. Punktuell gibt es dann plötzlich riesige Mengen an Wasser. Dass die heutige Kanalisation dann versagen kann, haben die schweren Unwetter im vergangenen Mai in Süddeutschland gezeigt. Mehrere Menschen wurden getötet, zahlreiche Häuser stürzten ein.

[Erklärung]  
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