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Wetterdienst warnt stärker vor Hitze

Hitzetage werden mit dem Klimawandel häufiger. Das kann zu gesundheitlichen Problemen führen, besonders betroffen sind ältere Menschen. Der Deutsche Wetterdienst hat darauf reagiert und sein Hitzewarnsystem verändert.

Von Susanne Schwarz

Hitzschlag, Sonnenstich, Kollaps: Zu hohe Temperaturen können der Gesundheit in die Quere kommen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) will deshalb sein Hitzewarnsystem ändern – und künftig schon Warnungen speziell für ältere Menschen herausgeben, wenn der durchschnittliche Bürger vielleicht noch gar nicht betroffen ist.

BildMit dem Klimawandel nehmen die Hitzetage zu. (Foto: J. Rawls/​Wikimedia Commons)

Auch wenn es dann für alle zu heiß wird, soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass ältere Menschen besonders darunter leiden. Mit den Informationen will sich der Wetterdienst auch direkt an Pflegedienste und Ärzte wenden sowie – wie bisher auch – an die Medien.

Das ist auch eine Art der Anpassung an den Klimawandel. Durch die Erderwärmung werden die Hitzetage, an denen also die Dreißig-Grad-Marke geknackt wird, statistisch gesehen häufiger. Im schlimmsten Fall – sprich: wenn die Regierungen der Welt nicht für genug Klimaschutz sorgen – könnte sich ihre Zahl bis zum Ende des Jahrhunderts vervierfachen. Zurzeit kommen die warmen Regionen in Deutschland auf zehn bis 15 Hitzetage. "Ein Hitzewarnsystem kann durch die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung, die gezielte Einbindung des Gesundheitswesens und vertiefte Nachbarschaftshilfe dazu beitragen, die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern und Leben zu retten", sagte DWD-Vizechef Paul Becker am Dienstag in Berlin.

Bisher wird mit dem sogenannten Klima-Michel-Modell die gefühlte Temperatur berechnet. Die ergibt sich nicht nur aus der realen Temperatur, sondern aus deren Zusammenspiel mit der Luftfeuchtigkeit, dem Wind und der Sonneneinstrahlung. Steigt das Thermometer auf 32 Grad, gibt der Wetterdienst eine Warnung über "starke Wärmebelastung" heraus. Daran wird sich im Prinzip nichts ändern, aber ein kleines Problem ist gelöst.

"Michel" wird 80

Der vom Computer simulierte "Michel", dessen Körperfunktionen zur Berechnung der gefühlten Temperatur dienen, ist seit den 1970er Jahren ein 35-jähriger Mann. Zwischen einem "Michel" oder einer "Michaela" ergibt sich Becker zufolge keinen allzu großer Unterschied, wie man getestet habe. Zwischen dem jungen Mann und einem "Michel" im Rentenalter aber sehr wohl.

Warum das so ist, kann Geriatrie-Expertin Calvin Hirsch von der University of California erklären. Im Alter lasse das Herz-Kreislauf-System nach, der Körper könne seine Temperatur zudem immer schlechter durch Schwitzen selbst regulieren, erläutert sie. Hinzu komme, dass ältere Menschen häufiger an Erkrankungen leiden, die dies noch über normale "Abnutzung" hinaus begünstigen. "Eine alte Person mag sich vielleicht sogar gar nicht bewusst sein, dass sie durstig ist oder dass ihr zu warm ist, besonders wenn sie an Demenz leidet oder auch an Diabetes, was die Sinneswahrnehmung beeinflusst", sagt Hirsch. "Auch manche Medikamente können die Wahrnehmung schwächen, etwa Beruhigungspillen, oder natürlich Alkohol."

BildGenau so nicht: Bei Hitze sollten gerade alte Menschen Sonne und körperliche Anstrengungen vermeiden. Stattdessen gilt: Schatten suchen, viel trinken – und auf die Menschen ringsum achten. (Foto: Graeme Phelps Schulke/​EPA/​NARA/​Wikimedia Commons)

Die Empfehlungen des DWD, was denn bei seinen künftigen Hitzewarnungen zu tun sei, drehen sich deshalb auch, aber nicht nur um physische Fragen. "Gehen Sie aus der Sonne in den Schatten, trinken Sie genug, achten Sie auf Ihre Mitmenschen", sagte Vizechef Becker. Die "alte Nachbarschaftshilfe" müsse wieder verstärkt werden, gerade für Alleinlebende könne das entscheidend sein. "Das klingt banal, aber wenn Sie das nicht machen, kann es Sie umbringen", so Becker.

[Erklärung]  
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