Schwerpunkte

Meeresspiegel | E-Mobilität | Wahl

Thailand durch Flut zweigeteilt

Das südostasiatische Land erlebt gerade die schwersten Regenfälle in 30 Jahren. Nach einem Dürrejahr 2016 gibt es nun heftige Überschwemmungen. Dabei ist das Wetterphänomen El Niño längst abgeklungen.

Aus Chiang Mai (Thailand) Christian Mihatsch

Eigentlich herrscht in Thailand im Januar Trockenzeit. Doch seit einer Woche leidet der Süden des Landes unter sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen. "Die schweren Überschwemmungen sind Folge der schlimmsten Regenfälle in 30 Jahren", sagte der Chef der Militärjunta und Premierminister Prayut Chan-o-Cha.

BildDie Thailänder kämpfen gegen die Überschwemmungen nach den stärksten Regenfällen in 30 Jahren. (Foto: DDPM)

Bislang haben die Unwetter 25 Tote gefordert. Insgesamt sind über eine Million Menschen betroffen. Dazu gehören auch ausländische Touristen. Die deutsche Botschaft in Bangkok warnt, die "Feriengebiete Koh Samui, Krabi und Phuket" seien betroffen und die Notlage könne "sich auf weitere Landesteile ausweiten. Es kommt zu Behinderungen im Flug-, Schienen- und Straßenverkehr innerhalb Thailands."

Über Land ist der Süden Thailands im Moment nicht zu erreichen. Rund 200 Kilometer südlich von Bangkok, in Prachuap Khiri Khan, wurde die einzige Straßenverbindung zwischen Süd- und Zentralthailand überschwemmt und eine Brücke weggerissen. Züge verkehren derzeit ebenfalls nicht. Besonders schwer getroffen ist die südthailändische Stadt Nakhon Si Thammarat. Dort steht auch der Flughafen unter Wasser.

In den thailändischen Provinzen ist mittlerweile die Armee im Einsatz. "Eine große Anstrengung ist erforderlich, um Menschen in höher gelegene Gebiete zu bringen und sicherzustellen, dass sie Nahrungsmittel und medizinische Güter erhalten", sagte General Sansern Kaewkamnerd, Thailands Regierungssprecher.

Der wirtschaftliche Schaden dürfte sich allerdings in Grenzen halten, sagte Chen Namchaisiri, der Chef von Thailands Industrieverband. "Überschwemmungen richten vor allem an Straßen, Brücken und Verkehrsverbindungen Schäden an, aber nicht an Maschinen oder dem Produktionsprozess. Letztere sind meist durch Versicherungen abgedeckt. Deshalb wird der Schaden für den privaten Sektor eher begrenzt sein."

Kautschukfarmer unter Druck

Namchaisiri schätzt, dass sich der Schaden auf insgesamt 15 Milliarden Baht, knapp 400 Millionen Euro, belaufen wird. Das ist weniger als ein Tausendstel des thailändischen Bruttoinlandsprodukts. Betroffen sind allerdings auch Kautschukfarmer, warnte der Präsident von Thailands Kautschukverband, Uthai Sonlucksub: "Das Problem ist: In den vergangenen zwölf Monaten hatten wir zuerst eine Dürre und jetzt Überschwemmungen. Für Bauern war das desaströs."

Sonlucksub erwartet nun steigende Preise: "Ich hatte Bestellungen aus China, aber ich bin nicht sicher, dass wir liefern können." Falls doch, werde dies zu "höheren Preisen sein als erwartet". Der Preis für Rohkautschuk ist in den vergangenen sechs Jahren um drei Viertel gefallen. Derzeit kostet ein Kilo 1,50 Euro.

2016 erlebten die Länder entlang des Mekong – Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam – die schwerste Dürre in 90 Jahren. Das Wetterphänomen El Niño sorgte damals für Extremwetter rund um die Welt. Doch der El Niño ist seit Mitte 2016 zu Ende und eigentlich müsste nun wieder "normale" Witterung herrschen. Premier Chan-o-Cha warnt, dass wegen des Klimawandels Dürren und Überschwemmungen immer häufiger würden: "Thailand muss sich vorbereiten, um dieses Problem zu bewältigen."

Das gilt umso mehr, da mittlerweile klar ist, dass der Klimawandel bei den schweren Überschwemmungen in Zentralthailand und Bangkok im Jahr 2011 die entscheidende Rolle gespielt hat. Eine Studie im Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Meteorologie kommt zum Schluss: "Die Ursachenanalyse zeigte, dass Treibhausgase der größte externe Klimafaktor waren, der zum Anstieg der Regenfälle geführt hat."

Für das aktuelle Extremwetter liegen noch keine derartigen Forschungsergebnisse vor. Klar ist aber auch: Eine wärmere Atmosphäre enthält mehr Wasserdampf, weshalb stärkere Regenfälle zu erwarten sind.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen