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"Die Kinder hatten keine Probleme"

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Am heutigen Montag um 19.25 Uhr startet die TV-Serie "Die Klimaretter – Wer spart, gewinnt!" im Kinderkanal (Kika) von ARD und ZDF. Drei Berliner Familien versuchen eine Woche lang mit einem möglichst geringen CO2-Verbrauch zu leben. Katharina Galle, verantwortliche Redakteurin für die Serie, erklärt, wie der Name gefunden wurde, wie die CO2-Messungen abliefen und wie klimafreundlich die Produktion der Serie selbst war.

klimaretter.info: Frau Galle, hat Sie der Weltklimagipfel von Paris bei der Entwicklung der Idee inspiriert?

Katharina Galle: Die Idee dazu gab es schon vorher. Bei der Entwicklung von neuen Programmen haben wir einen großen Vorlauf. Ich glaube, für viele Kinder ist der Klimagipfel eher abstrakt. Kinder haben vielleicht das Gefühl, dass sie gar nichts selbst machen können. Und natürlich ist klar, dass die Kinder alleine nicht das Klima retten können. Es geht uns darum, bei den Kindern das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass man auch selbst etwas für den Klimaschutz tun kann. Wenn viele im eigenen Alltag etwas verändern, kann das etwas bewirken.

Wie sind Sie auf den Titel der Serie gekommen?

Titel finden wir immer durch Brainstormings. Und da haben wir etwa 20 verschiedene Varianten gehabt. Und Klimaretter, das hat uns einfach sehr gut gefallen, weil das so positiv ist, so dynamisch. Wir glauben, dass der Titel auch bei den Kindern gut ankommt und sie so auf die Sendung aufmerksam werden.

Wie wurden die Familien ausgewählt?

Für unsere Sendungen gibt es immer ein sehr aufwendiges Casting. Wichtig ist uns, mit Familien zu arbeiten, die eine stabile Familienstruktur haben. Denn sie sind ja bereit, in der Sendung mit ihrem Privatleben in die Öffentlichkeit zu gehen. Dann haben wir uns als Redaktion natürlich auch ein Bild darüber gemacht, wie die CO2-Bilanz der Familien aussieht. Die eine hat besonders viel Fleisch gegessen, die andere viel Strom und die dritte extrem viel warmes Wasser verbraucht. Auch optisch mussten sie unterschiedlich sein. Weil der Zuschauer bei zwölf Personen ansonsten Probleme bekäme, wenn alle dieselbe Haarfarbe und -länge hätten.

Wie wurden die CO2-Einsparungen dann gemessen?

Wir haben uns vorher verschiedene CO2-Bereiche überlegt, die wir gern von den Familien verändern lassen wollen. Am Ende waren es dann diese sechs: Ernährung, Mobilität, Strom, Plastik, Kleidung und Warmwasser. Für jeden dieser sechs Bereiche wurde exakt berechnet oder gemessen, wie viel CO2 verursacht wird. Zu jedem dieser Bereiche gibt es eine Sendung. In der Sendung wird analysiert, wie hoch jeweils die CO2-Emissionen sind.

Beim Thema Strom zum Beispiel ist dann in der Analyse zu sehen, welche Geräte verwendet werden, und der Stromzähler wird mit einem Sensor versehen. Und dann wurde für den Zeitraum von sieben Tagen gemessen, wie viel Strom verbraucht wird im normalen Alltag. Das sind dann die "Status-quo-Wochen". Und in der "Challenge-Woche" mussten die Familien versuchen, möglichst wenig Strom zu verbrauchen.

Und da haben alle Familien auch alle Bereiche durchlaufen?

Ja. Und es ging unter den Familien immer darum, zu ermitteln, wer am meisten einspart in diesem Bereich. Und insgesamt, wer seinen CO2-Emissionswert im Verlauf der Sendungen am stärksten reduziert hat. Was erstaunlich war: Die Familien haben alle ihren CO2-Ausstoß um circa zwei Drittel reduzieren können.

Noch mal kurz zu dieser "Status-quo-Woche": Wie wurde denn überprüft, ob das wirklich die Alltagsgewohnheiten waren? Es ist ja vorstellbar, dass die Familien, wenn sie unter Beobachtung stehen, nicht zu 100 Prozent so handeln wie sonst.

Die absolute Überprüfbarkeit ist natürlich nicht möglich. Wir können die Familien ja nicht 24 Stunden am Tag mit der Kamera beobachten. Deswegen haben wir uns auf unsere Messwerte verlassen. Und auch auf die Zusagen der Familien, dass sie damit verantwortungsbewusst umgehen. Anhand der Werte hatten wir zu keiner Zeit den Eindruck, dass etwas manipuliert wird.

Wie klimafreundlich war eigentlich die Produktion der Serie selbst?

Die Produktion ist unter ganz normalen Bedingungen abgelaufen.

BildVon hier aus könnte der Wandel zu einer CO2-freien Wirtschaft angestoßen worden sein: Wandgestaltung am Eingang des Plenarsaals beim Klimagipfel in Paris. (Foto: Mikael Axelsson/​​Stockholm Resilience Centre; Porträtfoto Katharina Galle: Rico Rossival/​ZDF)

Sie haben also nicht darauf geachtet, dass der Übertragungswagen ohne Diesel betrieben wird und so weiter ...

Tatsächlich ist das auch im Gespräch gewesen. Soweit ich weiß, kann man ein Zertifikat erwerben, um klimaneutral zu werden. Weil unser Fernsehalltag aber zumindest bei diesem Projekt so gestrickt war, dass es unter extremer Zeitknappheit und starkem Kostendruck stattfand, konnten wir nicht immer die Maßnahmen umsetzen, um dieses Zertifikat zu bekommen. Bei einem Doku-Dreh verschieben sich oft die Drehzeiten. Dadurch konnten wir zum Beispiel nicht gewährleisten, komplett ohne Wegwerfgeschirr auszukommen oder nie Fastfood einzukaufen.

Waren solche Kompensationen durch CO2-Zertifikate erlaubt, zum Beispiel bei nicht verschiebbaren beruflichen Reisen der Eltern?

Wir haben uns ja auf den normalen Wochenalltag bezogen. In der "Challenge-Woche" zur Mobilität sollten die Familien möglichst auf ihr Auto verzichten. Das ist ihnen auch in großen Teilen gelungen. Bei den Kindern war es in der Regel ganz unproblematisch. Die Mütter waren auch nicht auf das Auto angewiesen. Nur zwei Väter mussten Termine mit dem Auto wahrnehmen. Trotzdem haben die Familien erheblich an CO2-Emissionen eingespart. Die Gewinnerfamilie konnte ihre CO2-Bilanz um 88 Prozent in der Woche reduzieren.

Interview: Jens Moggert

Die Serie "Die Klimaretter – Wer spart, gewinnt!" läuft diese und nächste Woche von Montag bis Donnerstag jeweils um 19:25 Uhr im Kika

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