Naturschützer diskutieren über Windkraft

Intensive Landnutzung ist die wichtigste Ursache für den Artenschwund in Europa. Dazu gesellt sich nun der Druck durch die erneuerbaren Energien. Der Maisanbau und zum Teil auch Windräder sorgen für Konflikte. Beim Deutschen Naturschutztag in Magdeburg diskutieren ab heute rund 700 Haupt- und Ehrenamtler über Lösungen.

Aus Berlin Friederike Meier

"Nach wie vor gibt es einen steigenden Druck auf die Fläche." Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz hat täglich damit zu tun. Und er kennt die Verursacher: Das sind vor allem die Land- und Forstwirtschaft, überhaupt die Intensivierung der Landnutzung, aber auch Siedlungen und Verkehr. Um den Konflikt zwischen Naturschutz und Landnutzung soll es auf dem 33. Deutschen Naturschutztag gehen, der heute in Magdeburg beginnt. Auf der wichtigsten Fachtagung des Naturschutzes in Deutschland wollen um die 700 Teilnehmer über das Verhältnis von Naturschutz zur Landwirtschaft, zum Wald oder zur Energiewende diskutieren.

BildDer Rotmilan gehört zu den geschützten Arten, die mit Windrädern kollidieren können. 301 gemeldete Kollisionen in 14 Jahren zählte die Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg. (Foto: Thomas Kraft/Wikimedia Commons)

Intensive Landnutzung sei die wichtigste Ursache für den Verlust von Tier- und Pflanzenarten in Europa, heißt es auch bei den Veranstaltern. Sie setzen aber auf die Kooperation von Naturschützern und Landnutzern. "Naturschutz wird nur mit den Landwirten möglich sein", betont Helga Inden-Heinrich vom Deutschen Naturschutzring (DNR). Der Umwelt-Dachverband ist einer der Träger der Veranstaltung, die alle zwei Jahre Haupt- und Ehrenamtliche zusammenbringt. Unter den insgesamt rund 150 Referenten in Magdeburg sind auch einige aus der Landwirtschaft: Der Bauernverband Sachsen-Anhalt wird teilnehmen, auch Vertreter von Landesministerien sowie vom Thünen-Institut für ländliche Räume werden sprechen.

Referenten aus der Windenergiebranche fehlen hingegen – zumindest unter dem Programmpunkt "Artenschutz – Klimawandel – Erneuerbare Energien". Dabei ist der Konflikt zwischen Ökoenergien und Artenschutz mit Händen zu greifen. "Zu den anderen Konkurrenten um die Fläche kommt der Druck durch die erneuerbaren Energien", erklärt Riecken vom BfN. Der entstehe einerseits durch den Anbau von Energiefrüchten, andererseits durch Windräder. Das sei nicht immer konfliktfrei. "Es ist essentiell, dass genügend Fläche diesem Druck entzogen wird", betont sie. Das gehe nur mit Schutzgebieten.

"Ein konfliktfreies Nebeneinander ist möglich"

Der Konflikt zwischen Artenschutz und dem Ausbau der Windenergie ist nicht neu. Artenschützer kritisieren, dass in den Windrädern Vögel und Fledermäuse sterben können – auch die Bestände von geschützten Vögeln wie dem Rotmilan seien gefährdet. Die staatlichen Vogelschutzwarten haben dazu Empfehlungen veröffentlicht, die Abstände von Windrädern zu den Lebensräumen der Vögel vorsehen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), einer der beiden großen Umweltverbände im Land, hat mit den Auseinandersetzungen schon Erfahrung. So ist beispielsweise der Dirigent Enoch von Guttenberg aus dem BUND ausgetreten. Begründung: die positive Haltung des Verbandes gegenüber der Windenergie. Gemeinsam mit dem früheren BUND-Chef Hubert Weinzierl ist er mittlerweile Ehrenpräsident eines neuen Verbandes, des windkraftkritischen Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB).

Zur Lösung des Konflikts schlägt Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz ein abgestuftes Landnutzungs-System vor, in dem es sowohl Siedlungsflächen und Gebiete für Nutzpflanzen als auch Schutzgebiete gibt. Wichtig seien auch geeignete Pufferzonen um Windenergieanlagen. "Die Instrumente sind vorhanden. Ein konfliktfreies Nebeneinander zu erreichen ist möglich", sagt er.

BildAuf Wiesen wie dieser ist die Artenvielfalt hoch. Gefährdet sind solche Biotope durch immer intensivere Landnutzung. (Foto: Gottfried Briemle/Wikimedia Commons)

"Man darf nicht vergessen, dass wir die Energiewende vorantreiben, um die Natur, die natürliche Lebensgrundlage zu retten", erklärt Claudia Dalbert den Sinn der ganzen Debatten. Die Grüne ist Umweltministerin des Landes Sachsen-Anhalt, in dem der Deutsche Naturschutztag erstmals stattfindet. "Es ist Aufgabe der Politik, Konfliktfelder wie das zwischen Artenschutz und Windenergie offensiv anzugehen." Dabei wolle man natürlich nicht, dass der "heimliche Wappenvogel Sachsen-Anhalts" – wie sie den Rotmilan nennt – gefährdet wird. Über Lösungswege zu diskutieren, dazu sei auf dem Naturschutztag ausreichend Gelegenheit.

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