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NRW: Zu viel Quecksilber aus den Schloten

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Remmel legt eine Studie zur Quecksilberbelastung des einwohnerreichsten Bundeslandes vor. Drei von vier Tonnen Quecksilber entstammen demgemäß aus einem Kohlekraftwerk. Das Gift aus den Kohleschloten könnte kostengünstig reduziert werden, sagt der Minister. Die Technik sei vorhanden.

Aus Bochum Marcus Meier

Kohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen, Deutschlands "Energieland Nummer eins" (Ministerpräsidentin Hannelore Kraft), belasten nicht nur das Klima durch den extremen Ausstoß von Kohlendioxid, sondern auch Mensch und Natur mit Quecksilber-Emissionen. Rund 2,2 Tonnen des giftigen Elements stoßen Kohlekraftwerke des industriestärksten Bundeslandes pro Jahr aus. 

BildJetzt ist es amtlich: Kohlekraftwerke mit Abstand wichtigster Quecksilber-Emittent in NRW. (Grafik: aus der "Quecksilber-Minderungsstrategie" mit freundlicher Genehmigung des Umweltministeriums NRW)

Das geht aus einer "Quecksilber-Minderungsstrategie für Nordrhein-Westfalen" hervor, die Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) heute vorstellte. Das 260 Seiten umfassende Papier wurde von der Ökopol GmbH im Auftrag des Umweltministeriums erarbeitet.

Insgesamt sind Industrieanlagen in NRW für rund drei Tonnen Quecksilberausstoß pro Jahr verantwortlich. Rund die Hälfte davon, nämlich 1,5 Tonnen, wird von Kohlekraftwerken im Rheinischen Braunkohlerevier ausgestoßen, ein weiteres Viertel von Steinkohlekraftwerken. Das restliche Viertel verteilt sich vor allem auf Zementwerke, Chemieanlagen, Metallhütten und Abfallverbrennung an Rhein und Ruhr. 

Das Innovationspotenzial ist vorhanden

Bundesweit werden pro Jahr rund zehn Tonnen Quecksilber emittiert. Der Anteil Nordrhein-Westfalens liegt also bei rund 30 Prozent. Jede sechste Quecksilber-Tonne Deutschlands wird von den RWE-Braunkohlekraftwerken im rheinischen Revier ausgespien. Die Gefahr von Quecksilber werde systematisch unterschätzt, warnte die Umweltorganisation Greenpeace im Sommer letzten Jahres in einem Report. Das flüssige Metall ghöre zu den "schädlichsten Substanzen weltweit".

Umweltminister Remmel sieht das offenbar ähnlich. "Auch wenn die Konzentration in der Atemluft aktuell unterhalb der Werte liegt, die zu einer akuten Gesundheitsgefährdung führen, muss der Eintrag des toxischen Schwermetalls weiter reduziert werden, um die langfristigen Gesundheitsrisiken zu senken", sagte er. Besonders bei den Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken gebe es aber auch ein hohes Minderungspotenzial, so der Grünen-Politiker.

BildKraftwerk Bergkamen in Westfalen: Allein 30 Prozent der deutschen Quecksilberemissionen kommen aus NRW. (Foto: Raenmaen/Wikimedia Commons)

Remmel betonte, die Industrie in seinem Bundesland verfüge über eine hohe, international anerkannte technische Innovationskraft. Diese gelte es nun abzurufen, um die Quecksilberemissionen in NRW "weiter deutlich zu senken". Die entsprechende Technik sei bereits auf dem Markt verfügbar. Laut Gutachtern würden Einbau und Einsatz entsprechender Anlagen die Herstellungskosten lediglich um ein Prozent erhöhen.

[Erklärung]  
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