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Wärmster November seit Messbeginn

Den zweiten Monat in Folge ist die globale Oberflächentemperatur mehr als ein Grad höher als im Referenz-Zeitraum 1951 bis 1980. Daten des britischen Met Office zeigen: 2015 wird wohl das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturmessung.

Von Nick Reimer

Der vergangene November war der wärmste seit Beginn der Messaufzeichnungen. Wie aus den Daten der Nasa hervorgeht, lag die Global-Temperatur 1,05 Grad Celsius über der Referenzperiode der Jahre 1951 bis 1980. Damit ist der November 2015 der zweite Monat in Folge, bei dem die Globaltemperatur mehr als ein Grad Celsius über den Referenzen liegt.

BildSonnenstrahlen: Quelle des Lebens, aber zunehmend auch eine Bedrohung, weil Menschen die Atmosphäre verändern. (Foto: Reimer)

Auch der Dezember ist auf dem besten Weg der wärmste Dezember seit Aufzeichnungsbeginn zu werden. In Teilen der USA wurden vergangenes Wochenende Temperaturen von etwa 21 Grad gemessen, wie die Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA am Dienstag mitteilte. Auch in Europa zeigt sich der Dezember bislang ungewöhnlich mild. Für Großbritannien werden nach Angaben der Zeitung The Times Temperaturen von etwa 16 Grad vorausgesagt. Wer in Deutschland auf weiße Weihnachten gehofft hat, wird wohl enttäuscht werden. Bislang ist dieser Dezember der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Bundesweit lag die durchschnittliche Temperatur bislang bei 5,6 Grad und damit gut 4,8 Grad über dem langjährigen Durchschnitt.

Das zu Ende gehende Jahr ist zudem auf dem Weg, das wärmste seit Beginn der menschlichen Wetteraufzeichnungen zu werden. Das geht aus den Daten des Met Office, des britischen meteorologischen Dienstes, hervor: 2015 war demnach bislang im Schnitt ein volles Grad wärmer als die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – also jene Zeit, die als "vorindustrielle Referenzperiode" in der Klimawissenschaft als Basis genommen wird. Die Meteorologen machen einerseits das Wetterphänomen El Niño für die neue Rekordmarke verantwortlich, andererseits die zunehmende "Verschmutzung" der Atmosphäre mit Treibhausgasen.

"Starke El Niños haben die Meteorologen auch schon in der Vergangenheit registriert", erklärte Stephen Belcher vom Met Office. "Aber nie stieg die Temperatur bis zur Ein-Grad-Schwelle – ein klares Zeichen für den zunehmenden Einfluss des Menschen auf das Klima."

Kipp-Elemente drohen

Ein Grad wärmer bedeutet, dass die Hälfte zum Zwei-Grad-Limit bereits erreicht ist: Die Weltgemeinschaft hatte 2010 auf dem Klimagipfel COP 10 im mexikanischen Cancún beschlossen, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, um "gefährliche Störungen" des Weltklimas zu verhindern.

Die Wissenschaft hat inzwischen relativ genau berechnet, ab welchem Punkt "gefährliche Störungen" eintreten werden. Jenseits einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 450 ppm (parts per million) wird die globale Oberflächentemperatur um zwei Grad im Durchschnitt ansteigen. Die Forschung hat sogenannte "Kipp-Elemente" ausgemacht, die dann die Erderwärmung verselbständigen. Etwa die Permafrostböden: Unter der dauergefrorenen Erde Sibiriens und Nordamerikas sind Millionen von Milliarden Kubikmetern Methan "eingesperrt", ein rund 30-mal so starkes Treibhausgas wie Kohlendioxid. Ab zwei Grad Erwärmung taut dieser Boden auf. Klimaschutz wäre dann fast egal: Die Erderwärmung würde sich verselbständigen.

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Besonders heiß ist es am Nordpool: Um 1,05 Grad liegt die Globaltemperatur durchschnittlich über der Referenz. (Grafik: NASA)

Auf Drängen der Allianz der kleinen Inselstaaten AOSIS und vieler afrikanischer Staaten war vergangene Woche auf dem Paris-Gipfel COP 21 ein Passus in den neuen Klimavertrag eingefügt worden, dass die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Denn die Klimawissenschaft ist sich nur zu 70 Prozent sicher, dass bei einem Zwei-Grad-Limit gefährliche Veränderungen im Weltklima ausgeschlossen werden können. Wirkliche Sicherheit gebe es nur bei einem 1,5-Grad-Ziel.

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