10 Jahre Katrina: "Es war schwer zu ertragen"

Bild

Die Küste vor New Orleans ist keinesfalls sicher – große Teile der Uferlandschaft gibt es als natürlichen Puffer nicht mehr, sagt Jeff Hebert, städtischer Präventions-Beauftragter und Generaldirektor der New Orleans Redevelopment Authority (NORA). Zehn Jahre nach dem verheerenden Wirbelsturm "Katrina" ist die Stadt nicht nur von neuen Stürmen bedroht, sondern auch vom stetig steigenden Meeresspiegel, so der Stadtplaner, der die Aufbauarbeiten in den vergangenen Jahren mitkoordinierte.

Zusammen mit der Rockefeller Foundation haben Hebert und seine Einrichtung ein Netzwerk aus weltweit 100 gefährdeten Städten aufgebaut. Die Kommunen wollen sich besser gegen kommende Katastrophen wappnen und tauschen sich darüber aus, wie man sich wirksamer schützen und im Fall der Fälle schneller helfen kann.

klimaretter.info: Herr Hebert, wie haben Sie den Hurrikan Katrina im August 2005 erlebt?

Jeff Hebert: Ich lebte damals in New York, aber ich hatte Familie in New Orleans. Ich sah den Hurrikan, die Schäden und die Zerstörung durch die Flutwellen erst einmal nur von Weitem. Ich wusste sofort, dass ich so schnell wie möglich zu meiner Familie muss. Das Haus meines Bruders war von den Fluten stark beschädigt. Ich bin dann leider erst im Oktober 2005 nach New Orleans gefahren und sah nicht nur das zerstörte Haus meines Bruders, sondern auch, wie groß der Schaden in der Stadt und den Vororten wirklich war. Das war wirklich sehr schwer zu ertragen.

Was war Ihre erste Reaktion nach der Katastrophe?

Ich wollte sofort beim Wiederaufbau mithelfen.

Bild
Der Wiederaufbau der Stadt ist noch nicht abgeschlossen – die Stadtverwaltung versucht vor allem Fehler im Katastrophenschutz nicht zu wiederholen. (Foto: Nick Reimer)

Was sind für Sie die Hauptursachen für die Katastrophe im Jahr 2005?

Die schreckliche Flut, die Teile der Stadt verwüstet hat, konnte nur mit voller Wucht zerstören, weil es bautechnische Fehler im Deichsystem gab. Deshalb kam es überall in der Stadt und den Vororten zu Deichbrüchen.

Sind Sie heute mit dem Wiederaufbau der Stadt heute zufrieden?

Ich bin mit vielen Fortschritten sehr zufrieden, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns – vor allem bei der Bereitstellung von Wohnraum und dem Schutz der Bevölkerung vor und nach einem Sturm.

New Orleans ist auch heute noch aufgrund seiner geografischen Lage eine sehr verwundbare Stadt ...

Deshalb haben wir auch das Netzwerk der 100 Städte gegründet, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. New Orleans ist eine Küstenstadt und wir müssen lernen, uns an diese Situation anzupassen und gleichzeitig trotzdem wachsen und gedeihen zu können.

Wie wollen Sie die Stadt schützen?

Wir arbeiten an einem erweiterten Küstenschutz und der Instandsetzung von zerstörten Deichen. Wir bauen ein besseres Wassermanagement auf und versuchen Grundbesitzer zu überzeugen, mehr in die Prävention – also ihren eigenen Schutz – zu investieren. Dazu gehört auch, das Umweltbewusstsein der Stadtbewohner zu wecken und unseren CO2-Fußabdruck zu verringern. Uns geht es um ein nachhaltiges Wachstum der Stadt, bei dem es in allen Entscheidungsprozessen der Stadtplanung immer auch um Prävention und Katastrophenschutz geht. Es fließt aber auch viel Geld in den Aufbau einer funktionierenden Notfall-Versorgung – sollte sich ein Unglück wie Katrina wiederholen.

Ist New Orleans auf ein weiteres "Katrina" vorbereitet? Ist das überhaupt möglich?

Ingenieure der Armee haben in den vergangenen zehn Jahren ein viel stärkeres Deichsystem aufgebaut. In dieser Hinsicht sind wir schon besser geschützt als 2005. Aber es geht nicht nur um Hurrikans, sondern wir haben auch mit dem Anstieg des Meeresspiegels zu kämpfen. Große Teile der Küste sind während und nach dem Unglück verloren gegangen – das war unser wertvoller natürlicher Puffer, um tropische Stürme zu schwächen, bevor sie auf die Stadt treffen. Vor allem aber muss jeder Bewohner in New Orleans – egal ob im privaten oder öffentlichen Leben – seine eigene Vorkehrungen treffen – für vor und nach der Katastrophe.

Bild
Die US Army leistet Katastrophenhilfe und ihre Ingenieure halfen bei der Wiederherstellung der Deiche von New Orleans. (Foto: N. Cangemi/US Coast Guard)

Worauf haben Sie beim Wiederaufbau der Häuser geachtet?

Die Leute wurden angehalten, ihre Häuser nach bestimmten Standards zu bauen, und müssen vorgeschriebene Höhen einhalten. Aber es ging auch um Nachhaltigkeit fürs Klima: In den vergangenen zehn Jahren wurden sehr viele Solaranlagen installiert. Das gilt vor allem für die neu errichteten Gebäude – bei den alten verhindert in einigen Fällen der Denkmalschutz, dass eine Photovoltaikanlage aufs Dach kommt.

Wie gestaltet die Stadt das Gedenken – zehn Jahre danach?

Es gab schon in den letzten Monaten Bildungsreihen und Diskussionsrunden zum Wiederaufbau der Stadt und zur Frage der heutigen Widerstandsfähigkeit. Natürlich gedenken wir vor allem der Menschen, die ihr Leben lassen mussten. Wir hatten am Donnerstag Präsident Obama zu Besuch und auch die beiden ehemaligen Präsidenten Bush und Clinton waren bereits da. Es geht aber nicht nur um unsere Stadt, sondern um die gesamte Golfregion, die von dem Hurrikan schwer getroffen wurde.

Interview: Susanne Götze

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen