Anzeige

Filmpreis für Hilferuf der Paradiese

Der Toura-d'Or-Filmpreis geht dieses Jahr an eine ZDF-Produktion über Tourismus und Klimawandel auf den Malediven. Am Wochenende wurde der Preis auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin verliehen. Unsere Redakteurin Susanne Götze hielt die Laudatio und lobte das Engagement der Filmemacher.

Von der klimaretter.info-Redaktion

Auf der Internationalen Tourismusbörse ITB geht es um die Vermarktung von Paradiesen. Und die Deutschen sind eines der reisefreudigsten Völker der Welt. Nur gibt es von diesen Paradiesen weltweit immer weniger. Daran sind nicht nur Verstädterung und Bevölkerungswachstum schuld, auch der Massentourismus selbst hat viele unberührte Flecken der Erde regelrecht einbetoniert, zersiedelt, verschandelt. Nachhaltiger oder sanfter Tourismus ist immer noch eine Nische – auf der am Sonntag zu Ende gehenden ITB hatte er in Halle 4.1 seinen Platz.

Bild
Klimaretter.info-Redakteurin Susanne Götze hielt auf der ITB die Laudatio auf die Preisträger. (Foto: Marko Junghänel)

Auf der Tourismusbörse ist am Wochenende der Toura-d'Or-Filmpreis verliehen worden. Der Preis wird seit 1990 vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung an Filmproduktionen vergeben, die "für einen sozialverantwortlichen, umweltverträglicheren und damit zukunftsfähigen Tourismus werben". Diesmal ging er an zwei Reportagen von ZDF und WDR. Klimaretter.info-Redakteurin Susanne Götze lobte in ihrer Laudatio vor allem den engagierten Beitrag von Raimund Waltenberg, dessen Reportage "Malediven – Notruf aus dem Paradies" erstmals 2012 im ZDF ausgestrahlte wurde.

Waltenberg war mit drei Kollegen vor Ort, um über die Zukunft des Tourismus in dem vom Untergang bedrohten Land zu recherchieren. Dabei stieß er auf ein Paradox: Einerseits zerstört der Massentourismus die ohnehin schon von Umweltverschmutzung gebeutelte Natur noch weiter. Andererseits helfen die Einnahmen aus dem Tourismus aber auch, die mittlerweile notwendigen Schutzbarrieren vor der Küste auszubauen und so die Atolle zu sichern. Während weitere Flughäfen gebaut werden und immer neue Hotelburgen in Planung sind, erklären Lehrer ihren Schülern, wie ernst es um ihre Heimat bestellt ist und warum das Meer Jahr für Jahr mehr vom Strand verschlingt.

Zwischen Verdrängung und Rettungsversuchen

Eine Art Parallelwelt: Viele Malediver wollen es dennoch nicht wahrhaben, dass in 30 bis 40 Jahren ein Großteil ihres Staates weggespült sein könnte, so eine Bilanz des Filmes. Die zweite Erkenntnis: Einige Hotelbesitzer und Meeresbiologen versuchen trotzdem zu retten, was zu retten ist. Sie züchten Korallen, versuchen sich in nachhaltigem Ressourcenverbrauch und schulen die Touristen im vorsichtigen Umgang mit der Natur, beispielsweise den sensiblen Riffen am Meeresboden.

"Während sich die Wissenschaftler und einige 'Klimaskeptiker' immer noch streiten, wie stark das Meer wohl ansteigt oder auch nicht, gibt der Film von Raimund Waltenberg denjenigen eine Stimme, die nicht nur über den Klimawandel reden, sondern ihn schon selbst erleben. Schon allein deshalb ist diese Reportage so wichtig", lobte klimaretter.info-Redakteurin Götze die ZDF-Produktion in ihrer Laudatio.

Waltenberg teilt sich die Auszeichnung mit den WDR-Autoren Karl Waldhecker und Andreas Michels. In ihrem Beitrag "Inselhopping auf den Kleinen Kanaren" geht es quasi um die Positiv-Beispiele für Tourismus abseits der Massen. Im Gegensatz zu Teneriffa und Gran Canaria findet der Urlauber auf den kleinen Inseln El Hierro, La Palma und La Gomera noch ein intaktes Ökosystem, kleine Dörfer und traditionelle Pensionen.

Bild
Die Preisträger (v.l.n.r.): Raimund Waltenberg, Karl Waldhecker, Andreas Michels, daneben Moderator Karl Mertes und Laudatorin Susanne Götze. (Foto: Marko Junghänel)

Die Filmemacher wollen zeigen, dass Erholung jenseits von Massentourismus nicht nur besser für die Umwelt und die Menschen vor Ort ist, sondern auch die eigene Lebensqualität steigert. Die Auswirkungen des Massentourismus der Nachbarinseln lassen die Autoren in dem Film ebenso außen vor wie den Versuch einiger Energiekonzerne, in dem Paradies nach Öl zu bohren. "Natur ist hier noch der Schatz, den die Urlauber langsam entdecken, von dem sie zehren, der sie aufbaut – daraus folgt ganz von allein ein natürlicher Respekt, eine Hochachtung vor der Schönheit und Wildheit der Natur", so Götze bei der Preisverleihung.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen