Klimaflüchtlinge wollen nicht flüchten

Nach jahrelangem Raubbau im gebirgigen Osten von Uganda schlägt die Natur zurück. Der Klimawandel bringt den Kleinbauern noch mehr Erdrutsche und Überschwemmungen. Die Regierung ist überfordert und hofft auf Hilfen aus dem Grünen Klimafonds.

Aus Kampala Prossy Nandudu (IPS)

Allen Nambozo ist Gemüsebäuerin. Doch der heftige Regen, der im Oktober über dem Mount Elgon im ostugandischen Bezirk Bulambuli niederging und mehrere Wochen anhielt, riss ihren Salat, ihre Möhren und Bananenstauden in die Tiefe. Allen Nambozo verlor alles, was sie hatte.

Bild
Eingang zum ugandischen Parlament in Kampala: Die Regierung hat Richtlinien für die Ministerien entwickelt, aber von der praktischen Hilfe des Staates ist man in den Regionen enttäuscht. (Foto: Andrew Regan/​Wikimedia Commons)

"Wir müssen von vorn anfangen", sagt Nambozo. Die Bergregion will sie nicht verlassen, auch wenn im Zuge des Klimawandels mit immer neuen Überschwemmungen und Erdrutschen am Elgon zu rechnen ist. Denn die Böden an den Ausläufern des erloschenen Vulkans sind besonders fruchtbar.

Die Bezirksbehörden haben die Bauern zu einem Umzug in sichere Regionen aufgefordert, wie Sam Wamukota vom lokalen Katastrophenkomitee bestätigt. Doch viele der 500 bedrohten Familien weigern sich trotz der drohenden Lebensgefahr, ihre Gärten aufzugeben.

Nambozos Mann Mugonyi sagt, warum: "Wir hätten in einer Schule unterkommen können, aber da gibt es keine Schlafmöglichkeiten und nichts zu essen. Es hat keinen Sinn, sich irgendwo zu verschanzen und gemeinsam zu leiden."

Festus Bagoora von der nationalen Umweltmanagementbehörde Nema gibt den regionalen Politikern eine Mitschuld an der Weigerung der Menschen, das Gebiet zu verlassen. Um ihre Wähler nicht zu verlieren, blieben sie inaktiv.

Natürliche Schutzwälle gerodet

Die landwirtschaftlichen Aktivitäten am Mount Elgon haben zur Zerstörung der dortigen Wälder geführt, was wiederum zur Folge hat, dass es keine natürlichen Schutzwälle mehr gibt, die die Erdrutsche abbremsen könnten. Jetzt lebten die Menschen vor Ort in der ständigen Gefahr, von herabstürzenden Geröllmassen getötet zu werden, warnt Bagoora. Bisher schlügen Regierung und Bevölkerung die Warnungen der Umweltbehörde Nema in den Wind. Weitere Erdrutsche seien angesichts des Klimawandels vorprogrammiert.

Uganda gehört zu den ostafrikanischen Ländern, die sich in den kommenden Jahren auf mehr Extremwetter gefasst machen müssen – auf häufigere und intensivere Niederschläge, aber ebenso auf Dürren. Aus dem Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC, der im September auch in der Hauptstadt Kampala vorgestellt wurde, geht hervor, dass die jährliche Niederschlagsmenge in einigen Teilen des südlichen und östlichen Afrika um durchschnittlich 50 Millimeter pro Dekade zunehmen wird. Ein Millimeter entspricht einem Liter pro Quadratmeter.

Keine Unterstützung aus der Hauptstadt

Angesichts dieser Gefahren müsste Uganda in den nächsten Jahren unbedingt Umweltmanagement-Maßnahmen durchsetzen. Dem IPCC-Bericht zufolge fehlt es aber den meisten Ländern der Region schon an den nötigen Daten, um sich auf die neuen Herausforderungen einstellen zu können. Im Fall von Uganda fehlen zudem die finanziellen Mittel, um auf die klimabedingten Katastrophen präventiv zu reagieren.

Der Bezirksvorsteher von Bulambuli, Simon Peter Wananzofu, hält der Regierung vor, viel zu langsam zu reagieren. "Wir hatten die Behörden aufgefordert, ein Auffanglager aufzubauen, in dem wir bis zur Umsetzung konkreter Infrastrukturpläne sicher sind. Doch bisher haben wir keine Antwort erhalten", klagt der Lokalpolitiker. "Seit geraumer Zeit gibt es am Berg zwei größere Risse, die für fünf Unterbezirke in Bulambuli ein Sicherheitsrisiko darstellen. Viele Straßen in Bulambuli sind bei den letzten Überschwemmungen zerstört worden. Die Situation wird langsam untragbar."

Immerhin hat das Wasser- und Umweltministerium nach eigenen Angaben als Teil seiner Klimastrategie Richtlinien entwickelt, die dafür sorgen sollen, dass der Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen in die Haushaltsplanung eingebunden werden. Staatssekretär David Ebong betont, dass die Richtlinien in das Budgetplanungsverfahren für 2015/16 integriert werden, um jedes Ressort zu verpflichten, einen Teil seines Haushalts für Klimamaßnahmen zu verwenden. "Gemeinsam können wir dann die Ressourcen aus allen Bereichen mobilisieren."

Auf internationale Hilfe angewiesen

Doch Ebong zufolge reichen nationale Strategien nicht aus. "Wir müssen uns auch nach bilateralen oder UN-Finanzierungsmöglichkeiten umsehen", sagt er und fügt hinzu, dass das Land seine Hoffnungen auf den Grünen Klimafonds setze, den die Industriestaaten ab 2020 mit jährlich 100 Milliarden US-Dollar bestücken wollen.

Bild
Michael Kusolo und seine Frau Mary haben alle ihre Kinder bei den Erdrutschen im Jahr 2012 auf dem Mount Elgon verloren. (Foto:
Wambi Michael/IPS)

Dem Experten Bagoora zufolge ist es entscheidend, sich vorab auf Umweltkatastrophen einzustellen. Vorsorge sei auf jeden Fall die bessere Option. "Wenn eine Naturkatastrophe eintritt und wir uns erst um die Finanzmittel kümmern müssen, statt Soforthilfe zu leisten, dann haben die Menschen darunter zu leiden und die Probleme werden nur weiter wachsen."

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen