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Die Yasuní-Initiative ist gescheitert

Aus der Traum: Ecuadors Präsident Correa begräbt seine "Dschungel statt Öl"-Initiative. Das Land wollte 20 Prozent seiner Erdölreserven im Boden lassen, den Ausstoß von 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermeiden und den artenreichen Nationalpark Yasuní im Amazonasbecken schonen – falls die internationale Gemeinschaft dafür eine Art Entschädigung zahlt. Doch die Idee fand nicht genug Geldgeber. Nun hat Correa den Treuhandfonds aufgelöst und die Idee offiziell für tot erklärt.

Von Verena Kern

Ecuadors "Dschungel statt Öl"-Initiative ist endgültig gescheitert. Der eigens eingerichtete UN-Treuhandfonds zum Schutz des Yasuní-Nationalparks im Amazonas-Becken erhielt bei weitem nicht genug Geld, erklärte Präsident Rafael Correa in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Deshalb habe er den Fonds aufgelöst und seine Yasuní-ITT-Initiative beendet. Nun soll in einem der artenreichsten Gebiete der Welt doch nach Öl gebohrt werden. Nach Medienberichten versammelten sich kurz nach Correas Ankündigung Demonstranten von dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt, um gegen die nun geplanten Ölbohrungen in dem Amazonasgebiet zu protestieren.

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Umsonst demonstriert und umsonst geliebt: Eine der vielen Pro-Yasuní-Demos der vergangenen Jahre, hier in Berlin. (Foto: Tony Stuemer)

Correa hatte 2007 – kurz nach seiner ersten Wahl zum Präsidenten von Ecuador – der internationalen Gemeinschaft einen neuartigen Vorschlag unterbreitet: Gegen Zahlung von rund 3,5 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro) werde das südamerikanische Land die Ölvorkommen unter dem Yasuní-Nationalpark nicht antasten. Die Summe entspricht der Hälfte der Erlöse, die durch die Förderung des Öls zu erzielen wären. Konkret geht es um rund 840 Millionen Barrel Öl – etwa 20 Prozent der ecuadorianischen Ölreserven. Bleiben sie im Boden, lässt sich der Ausstoß von 407 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermeiden.

2010 schloss Ecuador ein entsprechendes Abkommen mit den Vereinten Nationen, ein Treuhandfonds wurde eingerichtet. Doch das Fundraising verlief schleppend – trotz vieler Kampagnen und Appelle Ecuadors an die internationale Gemeinschaft. Präsident Correa berief mit Ivonne Baki sogar eigens eine Beauftragte für das Projekt, die rastlos um die Welt jettete und überall Klinken putzte, damit doch noch genug Geld zusammenkommt.

FDP: Fürs Nichtstun zahlt man nicht

Deutschland beispielsweise, von Ecuador als wichtiger Partner umworben, hatte zunächst eine große Summe zugesagt, doch nach dem Regierungswechsel 2009 zog der neue Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) die Zusage zurück. Fürs Nichtstun müsse man nicht zahlen, lautete der Standpunkt des FDP-Politikers. Erklärtermaßen wollte Niebel verhindern, dass ein Präzedenzfall entsteht. Wäre Ecuador mit seiner Idee erfolgreich gewesen, so der Minister, hätten auch andere Länder auf ähnliche Ideen kommen und Entschädigungen für den Nichtverbrauch ihrer fossilen Ressourcen verlangen können. Das ist nun mit dem Scheitern der Yasuní-ITT-Initiative erst mal vom Tisch.

Correas Ankündigung kommt überraschend – aber doch nicht ganz unerwartet. Anfang Juli hatte sein Staatsminister für Planung und Entwicklung Fander Falconí noch ausdrücklich betont, die Regierung Correa "glaube" weiterhin an die Initiative. Plan A – also das Belassen des Öls unter der Erde – sei immer noch "die bevorzugte Option". Zu diesem Zeitpunkt bezifferte Ivonne Baki die eingegangenen Fonds-Zahlungen auf erst 360 Millionen US-Dollar (rund 280 Millionen Euro) – also nur rund ein Zehntel der Summe, die Ecuador tatsächlich erlösen wollte. Gestern sagte Correa, tatsächlich eingegangen (und nicht nur zugesagt worden) seien bislang nur 13 Millionen Dollar. Das sind 0,4 Prozent.

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Ecuadors Präsident Rafael Correa bei einer der zahlreichen Yasuní-Veranstaltungen, hier 2012 auf dem Erdgipfel in Rio. (Foto: Gerhard Dilger)

Die Idee der Yasuní-Initiative hat weltweit viele Sympathien gefunden. Allerdings gab es auch ebenso viele Zweifel, ob der smarte Taktiker Correa seinen Vorschlag wirklich ernst meint – und nicht nur eine Idee lanciert, von der er weiß, dass sie aller Voraussicht nach scheitern wird. So ist es nun gekommen, Plan B – das Scheitern – gewinnt. Über einen Sprecher ließ Correa ausrichten, dass eine "sichere Ausbeutung" der Ölvorkommen möglich sei.

[Erklärung]  
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