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Unterirdischer Behörden-Streit

Zwei Bundesbehörden beharken sich heftig wegen der Fracking-Technologie, mit der Energiekonzerne auch in Deutschland mehr Erdgas fördern wollen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) attackierte jüngst das Umweltbundesamt (UBA), das die Fördertechnologie kritisch sieht. Nun wehrt sich das UBA in einem internen Papier.

Von Joachim Wille

Das Umweltbundesamt hält strikt an der Forderung fest, dass vor einem breiten Einsatz des Fracking die Risiken unter anderem für das Grundwasser genau untersucht werden müssen. Beim Fracking wird mit Chemikalien angereichertes Wasser unter hohem Druck in tiefe Erdschichten gepumpt, um dort gashaltige Gesteine, zum Beispiel Schiefer, aufzubrechen. Dieses Gas ist mit konventioneller Technologie nicht förderbar. In den USA hat der Fracking-Einsatz einen Erdgas-Boom ausgelöst und den Gaspreis verbilligt. US-Energiekonzerne verzeichneten im ablaufenden Jahr Extra-Gewinne. Allerdings ist die Technik wegen gravierender Umweltschäden sehr umstritten.


Auch in Deutschland sind Bürgerinitiativen alarmiert und protestieren gegen Probebohrungen mit der umstrittenen Technik. (Bild: IG Neustadt am Rübenberge)

In Deutschland könnte Fracking genutzt werden, um den Rückgang der Gasförderung aufgrund der Erschöpfung der konventionellen Lager zu bremsen. Theoretisch reichen die Frackinggas-Vorkommen, um den derzeitigen deutschen Erdgasverbrauch 13 Jahre lang zu decken. Gegen die Technologie gibt es aber breiten Protest in der Bevölkerung. Pläne von Unternehmen für Fracking-Bohrungen gibt es unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nordhessen und in Baden-Württemberg.

Das Bundesumweltministerium plädiert wie das ihm unterstehende Umweltbundesamt dafür, das Fracking mit Vorsicht anzugehen. So warnte Ressortchef Peter Altmaier (CDU) ausdrücklich vor einer übereilten Einführung der Technologie. Das verärgerte offenbar das von FDP-chef Philipp Rösler geführte Wirtschaftsministerium. Es ließ seinerseits von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ein Gutachten anfertigen, um die UBA-Studie zu bewerten, die Basis für die Haltung des Umweltministeriums war.

Prompt beurteilt die BGR das Fracking positiv und wirft den Umweltexperten unter anderem "nicht nachvollziehbare" Begründungen und "subjektive Argumentation" vor. Der Kernsatz des BGR-Gutachtens lautet: "Sofern die gesetzlichen Regelungen eingehalten und die erforderlichen technischen Maßnahmen getroffen werden, ist aus geowissenschaftlicher Sicht prinzipiell ein umweltverträglicher Einsatz der Fracking-Technologie möglich."

Die Sache ist nicht nur politisch und wirtschaftlich brisant, die Umweltbehörde fühlt sich von der BGR offenbar auch unsachlich attackiert. Sie wirft den Geologen vor, bei der Erstellung der Studie trotz "mehrfacher Nachfrage" nicht kooperiert zu haben. Das UBA weist die Kritik in acht Punkten zurück. Vor allem die Frage, wie stark auf den Schutz salzhaltiger Tiefenwässer vor einer Belastung mit Chemikalien geachtet werden muss, entzweit die Forscher. Laut BGR ist das weniger relevant. Die UBA-Experten kontern: "Ihre Argumentation, Grundwasserveränderungen nicht als nachteilig anzusehen, wenn Grundwasser seine Trinkwasserqualität verliert, solange das Grundwasser nicht als Trinkwasser genutzt wird, ist ... mit geltendem Wasserrecht nicht vereinbar."


Die Umweltschäden und Gesundheitsgefahren durch Fracking in den USA machte der Film "Gasland" bekannt. Die Resonanz war auch in Deutschland groß. (Bild: www.gaslandthemovie.com)

Die Grünen werfen Wirtschaftsminister Rösler vor, die Fracking-Technologie gegen berechtigte Einwände durchdrücken zu wollen. Ihr energiepolitischer Sprecher im Bundestag, Oliver Krischer, sagte: "Rösler hat die BGR wie einen bissigen Hund von der Leine gelassen." Ziel des Ministers sei es, die Glaubwürdigkeit der Fracking-Kritiker zu untergraben. Das Umweltbundesamt habe einen Großteil der Kritik zu Recht zurückgewiesen. Dass der Behördenstreit überhaupt stattfinde, liege am Versagen von Schwarz-Gelb. Die Risiken beim Fracking seien lange bekannt, doch die Koalition sei seit über zwei Jahren nicht in der Lage zu handeln. "Inzwischen hat dieser Streit offenbar auch die Fachbehörden erreicht, wo eigentlich die Sacharbeit verrichtet werden sollte", kritisiert der Grünen-Abgeordnete.


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