Wetterdienst: Auch 2012 zu warm
2012 war abnorm, aber nicht so extrem wie andere Jahre der jüngsten Vergangenheit, sagt der Deutsche Wetterdienst. Am erstaunlichsten vielleicht der Wärmerekord am Heiligen Abend: In München wurden 21 Grad gemessen.
Von Nick Reimer
"Seit 20 Jahren sind fast alle Jahre zu warm." Mit dieser Einschätzung hat der Meteorologe Gerhard Lux den Jahresrückblick des Deutschen Wetterdienstes DWD in Offenbach vorgelegt. "Zu warm" bedeutet: gemessen am langjährigen Durchschnitt. 2012 lag demnach die Jahresdurchschnittstemperatur bei 9,1 Grad – 0,9 Grad mehr, als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 gemessen wurden. Auch wenn man 2012 mit der Periode 1981 bis 2010 vergleicht, reiht sich das zu Ende gehende Jahr als "eher zu warm" ein: Die Durchschnittstemperatur lag 0,2 Grad über dem Mittel dieser Periode.

Wirklich kalt war es im vergangenen Winter in Deutschland nur wenige Wochen (Foto: Schulze von Glaßer)
Das ging schon mit einem zu warmen Winter los: Trotz harten Frosts im Februar war der Winter 2011/2012 deutlich wärmer als normal. In Bezug auf die Regen- und Schneemengen hingegen war der vergangene Winter etwas Besonderes. "Mit einer Niederschlagsmenge von etwa 249 Litern pro Quadratmeter gehört der Winter 2011/12 in Deutschland zu den acht nassesten seit 1881", so der DWD. Es fielen fast 40 Prozent mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel.
Die Schwankungen waren dabei enorm: Spitzenreiter Freudenstadt im Schwarzwald verzeichnete mit etwa 687 Litern pro Quadratmeter fast neunmal so viel das Schlusslicht Artern im nördlichen Thüringen mit nur 80 Liter pro Quadratmeter. Die kälteste Nacht traf Oberstdorf mit minus 29,4 Grad am 6. Februar.
Heiligabend: Wetter extrem
Der März war äußerst sonnig, der April zunächst relativ kühl, am Ende brachte jedoch ungewöhnliche Warmluft neue Spitzenwerte für die Jahreszeit. Der rasche Temperaturwechsel hielt im Mai an. Der Sommer begann verbreitet nass, es folgten extrem viele Gewitter und stellenweise eine große Hitze mit Temperaturen von fast 40 Grad. Die höchste Temperatur des Jahres wurde am 20. August mit 39,8 Grad in Dresden gemessen.
Der Herbst brachte teilweise sommerliches Wetter mit Wärmerekorden im Oktober, gefolgt von einem auffallend frühen Wintereinbruch. Der Dezember präsentierte sich nach Darstellung des Wetterdienstes in seiner ersten Hälfte in ganz Deutschland winterlich. Anschließend beschränkten sich Kälte und Schnee nur noch auf den Nordosten. Zu Weihnachten setzte sich dann aber überall Tauwetter mit frühlingshaften Temperaturen durch. In München wurde mit über 20 Grad Celsius ein neuer deutscher Weihnachtsrekord gemessen.

2012 lag die Sonnenscheindauer acht Prozent über dem langjährigen Mittel – bei 1651 Stunden. (Foto: Reimer)
An zahlreichen Mess-Stationen wurden von April bis September – also ein halbes Jahr lang – Tageshöchsttemperaturen von mehr als 30 Grad gemessen. Die Monate Januar, März, Mai und August waren deutlich zu warm, der Februar fiel hingegen um drei Grad zu kalt aus. Das Jahr brachte mehr Sonnenschein – die durchschnittlich 1651 Stunden lagen acht Prozent über dem Sonnenschein-Soll des langjährigen Mittels. Beim Niederschlag dagegen war 2012 fast Durchschnitt: Mit 768 Litern pro Quadratmeter fehlten dem Jahr drei Prozent zum Niederschlags-Soll von 789 Liter pro Quadratmeter.
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