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Schon 45 Hektar Klimawald in Mecklenburg-Vorpommern

Wie wäre wohl ein CO2-neutraler Urlaub? Oder eine Geschäftsreise, bezahlt über den Kauf von Waldaktien? Vor fünf Jahren fiel der Startschuss für die "Waldaktie" in Mecklenburg-Vorpommern. Der Erfolg ist so groß, dass mittlerweile 39.500 Waldaktien verkauft worden sind und sieben der insgesamt vierzehn Klimawälder in dem Bundesland komplett "ausverkauft" sind. Damit wurden mehr als 39 Hektar Wald aufgeforstet.

Von Silvana Steiniger

"Gesicherte Dividende, tägliche Ausschüttung, mehr als 100 Jahre wachsender Gewinn" – damit werben die Initiatoren für den Kauf der Waldaktien. Das pfiffige Konzept, entwickelt vom Landesumweltministerium sowie dem Landestourismusverband und dem Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, scheint aufzugehen. Die 100 Traubeneichen, die 2007 auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern in der Nähe von Neustrelitz gepflanzt wurden, waren nur der Anfang. Die Waldaktie kommt bei Touristen und Unternehmen sehr gut an. Inzwischen wurde sie als herausragendes Umweltbildungsprojekt ausgezeichnet und von der Unesco zum offiziellen Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" erklärt.


Wenn der Klimawald gewachsen ist, soll er so aussehen. Damit können Touristen und auch Geschäftsreisende ihren Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern CO2-neutral gestalten. (Foto: Schulze von Glaßer)

Die Flächen sind über das gesamte Bundesland verteilt. Beispielsweise gibt es bei Koserow und Damerow auf Usedom zwei Klimawälder und auf Rügen einen. Von den insgesamt 44,5 Hektar, die zur Aufforstung als Klimawälder vorgesehen sind, sind schon über 39 Hektar "verkauft". Die Flächen, meist Brachland oder ehemalige landwirtschaftliche Areale, werden vom Land zur Verfügung gestellt. Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern teilte klimaretter.info mit, dass – angespornt durch den großen Erfolg der Waldaktien – im nächsten Jahr zusätzliche Flächen bereitgestellt und außerdem bestehende Klimawälder erweitert werden sollen, zum Beispiel auf Rügen.

Klimaschutz und Bewusstseinsbildung

 Für zehn Euro kann eine Fläche von zehn Quadratmetern symbolisch gekauft werden. Das Geld fließt ausschließlich in die Aufforstung der Flächen, die dann zu Klimawäldern heranwachsen sollen. Verwaltet werden die Einnahmen von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE). Die Stiftung bezahlt davon den Kauf, die Pflanzung und auch die Pflege der Bäume. So haben Urlauber wie auch Geschäftsreisende die Möglichkeit, ihren Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern CO2-neutral zu gestalten. Die Fläche von zehn Quadratmetern pro Waldaktie reicht nach Information der Initiatoren aus, um die Kohlendioxid-Emissionen einer vierköpfigen Familie während eines zweiwöchigen Urlaubs auszugleichen – oder auch die Anreise von bis zu 45 Gästen zu einer eintägigen Tagung.

"Viele Urlauber nehmen die Möglichkeit wahr, sich mit dem Thema Klimawandel auseinanderzusetzen und die CO2-Bilanz des Urlaubs auszugleichen", sagt Jürgen Seidel, Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Und auch Bernd Fischer, Geschäftsführer des Verbandes, findet, dass "13 Klimawälder zeigen, dass das Bewusstsein von Gästen und Einheimischen für den Schutz der Natur Mecklenburg-Vorpommerns wächst".

Den Initiatoren der Waldaktie geht es jedoch nicht nur um die Möglichkeit, Kohlendioxid-Emissionen auszugleichen. Sie verfolgen auch einen Erlebnis- und Bildungsauftrag. Führungen, Informationsveranstaltungen und Schautafeln informieren über das Speicherpotenzial des Holzes und vermitteln Wissen über den Klimaschutz. Und bei den regelmäßigen Baumpflanzaktionen können die Aktienkäufer selbst die Schaufel in die Hand nehmen und ihren gespendeten Baum eigenhändig pflanzen.

Auch diese Idee scheint zu funktionieren. "Die Pflanztermine im Herbst und auch im Frühjahr sind zu einer sehr schönen Tradition geworden", zeigt sich Landesminister Till Backhaus begeistert. "Vor nun schon fünf Jahren wurde die Waldaktie ins Leben gerufen, und noch immer ist die große Resonanz ungebrochen."


Der Klimaschutzwald auf Rügen ist ein Bestseller. Im nächsten Jahr sollen hier zusätzliche Flächen bereitgestellt werden. (Foto: Zenodot Verlag)

Mecklenburg-Vorpommern ist in weiten Teilen von Landwirtschaft geprägt und nur etwa 20 Prozent der Fläche sind mit Wald bedeckt. Zum Vergleich: In Bayern rauschen auf fast 35 Prozent der Fläche die Wälder. Die Waldaktie und die damit finanzierten Aufforstungen folgen dem Prinzip der Zusätzlichkeit, das heißt, die Klimawälder in Mecklenburg-Vorpommern würden ohne das Geld der Aktionäre nicht entstehen.

 

[Erklärung]  
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