Artenschutz: Hilfen sollen verdoppelt werden

Die UN-Biodiversitätskonferenz im indischen Hyderabad endet nach zwei Wochen und sehr schwierigen Verhandlungen doch noch mit einem Kompromiss – allerdings auf niedrigem Niveau und mit schwammigen Formulierungen. Umweltverbände begrüßen die Einigung nach dem Motto: Besser als nichts.

Von Verena Kern

Die elfte Vertragsstaatenkonferenz zum Erhalt der Artenvielfalt (COP 11 CBD - Convention on Biological Diversity) im indischen Hyderabad ist nicht gescheitert. Am heutigen Samstag, dem letzten Tag der zweiwöchigen Konferenz, haben sich die Verhandler auf einen Kompromiss geeinigt. Demzufolge sollen die Hilfen für arme Länder verdoppelt werden. Allerdings hört sich die Einigung besser an, als sie ist. Konkret: Die Hilfszahlungen sollen auf Basis der durchschnittlichen Ausgaben der Jahre 2006 bis 2010 bis 2015 verdoppelt werden und bis 2020 mindestens auf diesem Niveau bleiben. Nach Schätzungen bedeutet für die Industriestaaten eine Aufstockung ihrer Zahlungen in den nächsten drei Jahren auf rund 7,7 Milliarden Euro pro Jahr. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Zudem beziffern Experten den tatsächlichen Finanzbedarf auf jährliche Summen im zwei- bis dreistelligen Milliardenbereich.


"Im Interesse seiner eigenen Glaubwürdigkeit" soll Deutschland zehn Prozent der staatlichen Wälder dauerhaft der natürlichen Entwicklung überlassen und in einem Schutzgebietssystem miteinander vernetzen, fordert der BUND. Nur dann sei die Bundesrepublik auch im internationalen Kontext glaubwürdig. (Foto: Waldzustandsbericht Hessen)

Dennoch begrüßten Umweltorganisationen den Kompromiss. Der BUND sprach von "einem wichtigen Schritt in die richtige Richtung". Das Forum Umwelt und Entwicklung – dem neben dem BUND auch Nabu, WWF, Deutscher Naturschutzring und Deutsche Umwelthilfe angehören – lobte darüber hinaus sowohl die EU als auch die afrikanischen Staaten für ihr Engagement beim Zustandekommen des Kompromisses. 

"Mit den zugesagten Geldern und den Einzelbeschlüssen aus Hyderabad gibt es noch eine Chance, den Arten- und Lebensraumverlust bis 2020 zu stoppen", sagte BUND-Chef Hubert Weiger. "Allerdings müssen die bisher gefassten Beschlüsse, beispielsweise zum Abbau umweltschädlicher Subventionen, konsequenter umgesetzt werden. Sonst werden die jetzt zugesagten Gelder verpuffen, da die Finanzmittel für Aktivitäten, die die biologische Vielfalt zerstören, noch immer wesentlich höher sind."

Bei der vorherigen COP zur Biodiversität vor zwei Jahren im japanischen Nagoya hatten sich die Vertragsstaaten auf ein neues Abkommen zum Artenschutz geeinigt. Das sogenannte Nagoya-Protokoll sieht vor, dass bis 2020 weltweit 17 Prozent (heute 15) der Land- und zehn Prozent der Meeresfläche (heute 1,3 Prozent) unter Schutz gestellt werden sollen. Außerdem sollen die Überfischung der Meere gestoppt und umweltschädliche Subventionen abgeschafft werden. Desweiteren beschlossen die 193 Länder, den ökonomischen Wert der Natur in ihre nationalen Buchhaltungen aufzunehmen. Wie das Bruttoinlansprodukt soll dadurch auch der Gewinn oder Verlust an Umweltkapital Eingang in politische Entscheidungen finden. In Hyderabad ging es nun um die Frage, wie die Umsetzung der Ziele finanziert werden soll. 


Artenvielfalt ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch unabdingbar für die Gesundheit und Lebensqualität von Mensch und Tier. (Foto: Reimer)

Bislang haben erst 17 Länder der Protokoll ratifiziert. 50 Ratifizierungen sind jedoch nötig, um das Protokoll zu einem rechtsverbindlichen Instrument zu machen. Gastgeber Indien kündigte gegen Ende der COP 11 publikumswirksam an, das Protokoll nun auch absegnen zu wollen.

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