Die Kosten des Klimawandels

In Thailand sollen Kleinbauern für ihren Beitrag zum Klimawandel Strafe zahlen. Die nach einer umstrittenen Formel berechneten Kosten sind ruinös. Nun hat sich die Nationale Menschenrechtskommission eingeschaltet.

Aus Bangkok Prangtip Daorueng (IPS)

Mehrere Kleinbauern im Dorf Baan Pra im Süden Thailands fürchten um ihre Existenz, weil sie für ihren angeblichen Beitrag zum Klimawandel hohe Strafen zahlen sollen. Die Gelder gehen auf eine umstrittene Formel zurück, mit der die Regierung den Schaden beziffert, den die kleinbäuerliche Landwirtschaft angeblich anrichtet. Gegen einen entsprechenden Gerichtsbeschluss haben die Bauern nun Berufung eingelegt.


Zerstörung, Verlust oder Beschädigung natürlicher Ressourcen, die dem Staat gehören, ist laut Umweltsqualitätsgesetz von 1992 verboten. Was aber, wenn Ackerland nachträglich zum Nationalpark gehört? Kleinbauer in Thailand. (Foto: Tevaprapas Makklay / Wikimedia Commons)

Die Formel wurde bereits im Jahr 2006 eingeführt, um das 1992 verabschiedete Nationale Umweltqualitätsgesetz umzusetzen. Dem Gesetz zufolge ist die Zerstörung, der Verlust oder die Beschädigung natürlicher Ressourcen, die dem Staat gehören, verboten. Kleinbauern, die in und um Nationalparks herum Landwirtschaft betreiben, müssen mit strafrechtlichen Folgen rechnen. Im ganzen Land betrifft diese Regelung rund 2.000 Farmer.

Von einer Formel, um die ökonomischen Verluste auszurechnen, die beispielsweise durch Waldschäden verursacht wurden, war zum ersten Mal im Jahr 2004 die Rede. Zu den Kriterien gehören Temperatursteigerung, Bodenerosion und eine Abnahme der Niederschläge. Die Kosten summieren sich damit auf bis zu 150.000 Baht pro Rai (1.600 Quadratmeter) und Jahr. Umgerechnet sind das rund 4.850 US-Dollar.

Boon Saejung ist Koordinator des gemeinnützigen 'Land Reform Network' für die Bergregion Baantad. Ihm zufolge hat ein Großteil der Kleinbauern die Felder bereits vor Generationen begonnen zu bewirtschaften und damit schon lange bevor die Regierung das Gebiet als Nationalpark auswies. Die meisten Ländereien sind nicht größer als 15 Rai (24.000 Quadratmeter). Die Strafzahlungen belaufen sich somit auf bis zu 73.000 Dollar pro Jahr.


Mehr als 70.000 US-Dollar im Jahr könnten die Strafzahlungen betragen. Wer kann so viel zahlen? Reisanbau in traditioneller Terrassenform. (Foto: Takeaway/ Wikimedia Commons)

"Es war ein ziemlich großer Schock für die Bauern, dass sie für ihren angeblichen Beitrag zum Klimawandel Geld zahlen sollen – und dann auch noch so hohe Summen, von denen sie nicht einmal träumen können", sagt Boon.

Neben den Bußgeldern werden die Bauern auch gezwungen, ihr Land zu verlassen. Mitarbeiter des Staates brennen teilweise sogar die Ernte nieder, mit der Erklärung, auf diese Weise die Wälder zu schützen. "Trotz der Aufforderung, das Land zu verlassen, sind viele Bauern dort geblieben – weil sie schlicht nicht wissen, wohin sie gehen sollen", berichtet Boon.

Bereits seit 2007 kämpfen mehrere Nichtregierungsorganisationen zusammen mit den Bauern darum, dass die Formel, nach der der ökonomische Schaden an der Umwelt berechnet wird, ad acta gelegt wird. "Die Regierung hat voriges Jahr versprochen, sich mit der Thematik zu befassen, aber bisher hat sie nichts unternommen", erinnert Prayong Dooklamyai, der für das  'Land Reform Network' in der nordthailändischen Provinz Chiangmai arbeitet.

Auch die Berechnungsgrundlage der Formel ist umstritten. Selbst Pongsak Wittawarchutikul, ein Experte der Nationalparkbehörde, der sie erarbeitet hat, räumte ein, dass Teile der Formel angepasst werden müssten.


Die Rechte lokaler Gemeinschaften sind in der Verfassung festgeschrieben. Gehört die traditionelle Lebensweise der Kleinbauern nicht auch dazu? Kaffeeanbau in Thailand. (Foto: Takeaway / Wikimedia Commons)

Makarapirom, ein pensionierter Mitarbeiter der Waldbehörde, erklärte, dass mehr Forschungsarbeit notwendig sei, um den wahren ökologischen und ökonomischen Wert von landwirtschaftlicher Fläche zu errechnen. Dabei müsse auch die Besonderheit des Bioanbaus beachtet werden. Obstplantagen könnten sogar einen ökologischen Mehrwert haben, sodass sich der Anbau beibehalten ließe, ohne dass das ökologische Gleichgewicht in Gefahr gebracht wird.

Boon und Prayong kreiden die Doppelmoral an, die das Thema mit sich bringt. Im Engagement gegen den Klimawandel würden die Rechte lokaler Gemeinschaften verletzt, obwohl sie sogar in der Verfassung festgeschrieben seien. Auch die traditionelle Lebensweise der Kleinbauern werde ignoriert.

In den Disput hat sich nun die Nationale Menschenrechtskommission eingeschaltet. Im Juni lud sie 30 Vertreter der unterschiedlichen Konfliktparteien vor und nahm ihre Zeugenaussagen auf. Ein Ergebnis hat sie noch nicht bekannt gegeben. 

[Erklärung]  
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