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Zimbabwe: Kaum Schutz vor Fluten

Erst gab es überhaupt kein Regen, dann plötzlich zu viel: In Zimbabwe beklagen die Menschen entlang des Sambesi eine Flutkatastrophe. 150.000 bis 200.000 Menschen sind bereits betroffen und der Fluss steigt weiter an. Neben der bitteren Armut macht den Menschen die Erderwärmung und ihr Diktator Mugabe zu schaffen, der heute Geburtstag feiert.

Aus Bulawayo Ignatius Banda (IPS) und Nick Reimer

Sibongile Dube weiß, was heftiger Regen anrichten kann. Ihr Haus in der zimbabwischen Provinz Midlands wurde bei der Flut am Jahresende weggespült. "Ich bin immer noch damit beschäftigt, mein Haus wieder aufzubauen", klagt Dube. Auf ihrem Hof steht ein wackeliger Getreidecontainer, der sie schmerzlich an die Ernteverluste erinnert.


Land unter: die in Zimbabwe typischen Rundhäuser sind in der Provinz Midlands schon wieder bis zum Dach überflutet. (Foto: mercyair.ch)

Hunderte Dörfer und Schulen wurden überschwemmt und die Schäden waren größer als sie hätten ausfallen müssen. Denn niemand entlang des Sambesi-Flusses im südlichen Afrika hatte davor gewarnt, dass die Wassermassen auch Teile Zimbabwes überschwemmen werden. "Wir haben unser Vieh verloren, weil wir nicht rechtzeitig bei ihm waren", beschwert sich Dube. So sehen sich die Bäuerin und tausende Leidensgenossen nicht nur als Opfer einer Naturkatastrophe, sondern auch als Opfer eines miserabel koordinierten Frühwarnsystems.

Dabei waren die Wasser im November gar nicht abzusehen: Obwohl die Regenzeit in Zimbabwe längst angebrochen war, blieb der Regen aus. Der Sambesi, der sich sonst zischend über die Viktoria-Fälle in die Tiefe stürzt, hatte Rinnsaal-Qualitäten, jenseits der Grenze in Sambia waren die Felder von der Sonne ganz grau und gelb versenkt.

Widersprüchliche Vorhersagen

Als es dann in einigen Teilen von Zimbabwe zu regnen begann, gab der nationale meteorologische Dienst widersprüchliche Meldungen aus. Zunächst hieß es, der Höhepunkt der Unwetter werde im Dezember erreicht, später war von Anfang Januar, schließlich von Ende Januar die Rede. Tich Zinyemba, Leiter der simbabwischen Wetterbehörde, erklärte zudem Ende Januar, der Zyklon, der Zimbabwe in diesem Monat erreichen sollte, habe wieder in Richtung Mosambik abgedreht. Die Sambesi-Flussbehörden hatten dagegen  an mehreren Abschnitten des Flusses vor Überflutungen gewarnt und die Bewohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen.


Die Viktoria-Fälle an der Grenze zu Sambia im November:  Derzeit fließt hier so viel Wasser, dass nirgendwo der Felsen zu sehen ist. (Foto: Reimer)

Die gegenläufigen Wettervorhersagen zeigen, dass Zimbabwe nicht auf Flutkatastrophen vorbereitet ist. Das Amt für Katastrophenschutz, das unter anderem für die Evakuierung gefährdeter Zonen verantwortlich ist, hatte im vergangenen Monat ebenfalls eine Warnung ausgegeben. "Es mangelt an ausreichender Kompetenz und wie üblich an den nötigen Ressourcen", sagt Tymon Ruzende, der während der Flut im Dezember 2011 für das Rote Kreuz im Einsatz war. "Es gibt nicht einmal einen Hubschrauber, der den Menschen während der Überschwemmungen helfen kann."

Entlegene Gebiete gefährdet


Nun wurden die Menschen in den entlegenen Gebieten im Sambesi-Becken im Norden des Landes schon wieder schwer durch neue Fluten getroffen - ohne Vorwarnung. "Die Menschen haben immer mit den Fluten gelebt, und die Behörden glauben offenbar, das sei natürlich und man könne nichts tun, um Leben, Ernten und Vieh zu retten", erklärt Jairos Lubimbi, ein Gemeinderatsmitglied aus Binga im Sambesi-Becken.

Auf ihrem Weg von Mosambik nach Südafrika haben die Wassermassen Medienberichten zufolge 20 Menschen das Leben gekostet. Experten sehen die Katastrophenprävention auch dadurch erschwert, dass der Klimawandel die Regenzeit immer unberechenbarer macht. Über ein hochentwickeltes System zur präzisen Wettervorhersage verfügt Simbabwe nicht.


Der Zyklon zieht ab, allerdings gibt es imVier-Länder-Eck Namibia-Kongo-Sambia-Zimbabwe noch heftigste Regenfälle - im Einzugsgebiet des Sambesi. (Foto: weather.co.zw)

Zimbabwe zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, das Bruttoinlandsprodukt liegt bei 355 US-Dollar pro Kopf und Jahr. Der Human Development Index, ein Wohlstandsindikator, sieht Zimbabwe auf Rang 169. Das bedeutet: Es gibt nur 25 Länder, die noch ärmer sind.

Neben Klimawandel und Armut kommt in Zimbabwe erschwerend Robert Mugabe dazu: Afrikas ältester Diktator regiert das Land seit 1980. An diesem Dienstag feiert er seinen 88. Geburtstag, an Rücktritt denkt er vorerst noch nicht.

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