Weiden gegen den Vormarsch der Wüste

Am Rande der Wüste bahnt sich eine Revolution an. Die Revolutionäre sind Nutztierherden, die durch gezieltes Weiden die Wüstenbildung rückgängig machen können. In Simbabwe konnten hierdurch erstaunliche Erfolge erzielt werden.

Aus Simbabwe Busani Bafana (IPS)

In Simbabwe bahnt sich eine "braune Revolution" an. Die Revolutionäre sind jedoch nicht Menschen, sondern deren Nutztiere. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sie durch ihr Grasen in bestimmten Gebieten und Intervallen die Wüstenbildung rückgängig machen können.


Trockenheit gefährdet das Leben der Menschen an vielen Orten auf dem afrikanischen Kontinent. (Foto: treeftf/Flickr)

Mit ihren Hufen brechen die Tiere harte Böden auf und geben dem Land durch ihren Dung Substanz. Regen kann so besser aufgenommen und Kohlenstoff gespeichert werden. Die vorübergehende Verdichtung der Böden trägt auch dazu bei, dass Pflanzen dort leichter keimen können.

"Nutztiere sind die besten Mittel, mit denen man der Wüstenbildung auf breiter Front begegnen kann", sagt Allan Savory vom Savory Institute. Das in den USA ansässige Institut und seine Partnerorganisation Africa Centre for Holistic Management (ACHM) konnten in Simbabwe in Gebieten, die sich allmählich in Wüsten verwandelten, erstaunliche Erfolge in der Regeneration von Böden, Wasser und Fauna erzielen.

"Indem Nutzvieh den Platz der riesigen Herden einnimmt, die einst unseren Planeten durchstreiften, bevor der Mensch das Feuer erfand, werden die Böden saniert. Sie können große Mengen an Wasser und Kohlenstoff speichern. Damit werden sowohl Dürren als auch Überschwemmungen begrenzt", erklärt Savory.

Die Herden sanieren den Boden

Früher habe er aus Umweltgründen noch dafür plädiert, dass die Bauern ihre Viehbestände reduzieren sollten, erzählt der studierte Biologe. Erst nach Jahrzehnten habe er dann eingesehen, dass nur der richtige Umgang mit Nutztieren Wüstenbildung, Artensterben und Klimawandel entgegenwirken könne.

Für die Wüstenbildung macht Savory im Gegensatz zu vielen Kollegen nun nicht mehr per se die Beweidung durch Rinder, Schafe und Ziegen verantwortlich. Die richtige Planung sei entscheidend, betont er. Die Tiere dürften nicht länger als drei Tage an einer Stelle grasen und sollten dann für mindestens neun Monate nicht wieder in dieses Gebiet geführt werden. Seinen Ansatz bezeichnet Savory als "holistisches Management".

In der Vergangenheit hatten die lokalen Ökosysteme in der Region Dimbangombe, wo Savory aktiv ist, vor allem darunter gelitten, dass die Viehzahlen auf einer 2.900 Hektar großen Ranch um 400 Prozent gestiegen waren. Das ganzheitliche Management hat diese Tendenzen umgekehrt. Die planvolle Beweidung sorgt nun dafür, dass sich die Produktivität des Landes, die Verfügbarkeit von Wasser und die Lebensbedingungen der Menschen in den Regionen verbessert haben.

Inzwischen wachse das Gras hüfthoch, erzählt Savory. Auch Flüsse seien wieder zum Leben erweckt worden. In ihnen seien wieder Fische und Wasserlilien zu sehen. Die Wassermenge sei im Vergleich zu früher deutlich gestiegen. Dabei seien die Kosten für dieses "braune Wunder", wie er es nennt, gering angesichts der Milliarden Dollar, die ohne Erfolg für technische Neuerungen und die Verkleinerung von Viehherden ausgegeben worden seien.

Die gezielte Beweidung macht Savory zufolge auch das übliche Abbrennen von Steppengebieten überflüssig. Das Feuer war bisher dazu eingesetzt worden, altes Gras zu beseitigen. Die absichtlich gelegten Brände tragen in Afrika erheblich zum Klimawandel bei.

"Bäumepflanzen ist eine Modeerscheinung"

Erstmals, so Savory, biete eine Methode die Möglichkeit, sowohl die Ursachen der Wüstenbildung als auch soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme zu mildern. Das Pflanzen neuer Bäume gegen den Klimawandel sei eine verbreitete Modeerscheinung, kritisiert Savory. Bäume könnten keinen überschüssigen Kohlenstoff speichern, der durch die Zerstörung der Böden, durch Brände und fossile Brennstoffe freigesetzt werde. Die riesigen Flächen Grasland seien dazu sehr wohl in der Lage, weil sie regelmäßig abgegrast würden. Die abgestorbenen Wurzeln der Pflanzen wandelten sich im Erdreich in organische Stoffe um.

Savory sieht Simbabwe als erfolgreiches Pilotprojekt seiner Aktivitäten. Mit Unterstützung der Regierung soll in dem Land eine neue Agrarpolitik entworfen werden, die das Ziel hat, Millionen Menschen auf renaturiertem Land anzusiedeln und die Landwirtschaft wiederzubeleben. "Landwirtschaft trägt ebenso wie Kohle, Erdöl und Gas zum Klimawandel bei. Ohne den holistischen Ansatz können wir den größten Teil des Klimaproblems nicht lösen", sagt Savory.


Hüfthohes Gras statt öder Steppe. (Foto: Savory Institute)

Die Arbeit des Savory Institute und seines Partners ACHM ist inzwischen auch in anderen Ländern Afrikas auf Interesse gestoßen. In Namibia, Botswana und Kenia wird Nutzvieh ebenfalls erfolgreich gegen Wüstenbildung eingesetzt. Vom Büro für auswärtige Katastrophenhilfe OFDA, das der US-Entwicklungsbehörde USAID angegliedert ist, haben die beiden Institutionen 4,8 Millionen US-Dollar erhalten, um weitere Programme im südlichen Afrika durchzuführen. "Ohne Maßnahmen gegen Wüstenbildung kann nichts gegen den Klimawandel unternommen werden", sagt Savory.

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