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Wasser oder Kohlenstoff

Eukalyptusbäume entziehen den Böden extrem viel Wasser, begünstigen Waldbrände und verdrängen andere Arten. Jetzt zeigt eine Studie des Kenianischen Forestry Research Institute, dass sie auch überdurchschnittlich viel Kohlenstoff speichern. Was nun?

Von  Tony Stuemer und Isaiah Esipisu (IPS)

Peter Nyaga aus dem Dorf Thangathi in der kenianischen Zentralprovinz ist mit dem Wachstum seines zwei Hektar großen Eukalyptuswäldchens zufrieden. In drei Jahren will er das Holz verkaufen und mit dem Erlös ein weiteres Stück Land erwerben. Für den 39-jährigen Vater von drei Kindern ist der bescheidene Anbau von heimischem Eukalyptus ein Broterwerb. Über den möglichen ökologischen Nutzen seiner Kohlenstoff bindenden Bäume weiß er nichts.


Eukalyptusbäume wachsen sehr schnell, verbrauchen sehr viel Wasser, binden offenbar aber auch sehr viel Kohlendioxid. Die neuen Forschungsergebnisse, sollten sie sich bewahrheiten, dürften einiges an Brisanz haben für den CO2-Emissionshandel. (Foto: Felix Andrews, Wikimedia Commons)

"Ich habe die Bäume vor vier Jahren gepflanzt, um die Bodenerosion an diesem steilen Abhang aufzuhalten", berichtet Nyaga. "Wenn sie groß genug sind, kann ich sie zu Geld machen und als Bauholz, für die Herstellung von Holzkohle oder für andere nützliche Zwecke verkaufen."

Die Bäume haben aber auch das Interesse von Wissenschaftlern geweckt. Das Kenianische Waldforschungsinstitut KEFRI arbeitet derzeit an einem Projekt, das die CO2-Speicherkapazität der in dem ostafrikanischen Land besonders verbreiteten Baumsorten Eukalyptus, Pinie, Zypresse und Zeder untersucht. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor.

Demnach konnten die 840 Eukalyptusbäume, die auf der Versuchsplantage gepflanzt wurden, im Lauf der vergangenen acht Jahre rund 337 Tonnen Kohlendioxid speichern - alle anderen Baumarten dagegen sehr viel weniger. Zypressen schafften in acht Jahren nur rund 73 Tonnen, Pinien innerhalb von zehn Jahren nur rund 99 Tonnen und Zedern in sogar 19 Jahren nur rund 55 Tonnen CO2.

CO2 vs H2O

Wegen seines hohen Wasserverbrauchs ist der Anbau von Eukalyptus als Nutzholz in Kenia jedoch höchst umstritten. 2009 verbot Umweltminister John Michuki das Anpflanzen der Bäume in der Nähe von mehr als zwei Meter breiten Wasserläufen. Eukalyptusbäume, die dichter als 30 Meter am Wasser standen, mussten gerodet werden. Die Bäume des Farmers Peter Nyaga sind genügend weit vom Wasser entfernt und entkamen dem amtlich verordneten Kahlschlag.

Heimisch ist der Eukalyptus in Ozeanien, insbesondere in Australien und Indonesien. Die klimatischen Bedingungen auf dem australischen Kontinent sind so günstig, dass die Art den Baumbestand deutlich dominiert. Über 700 Arten von Eukalypten sind bekannt. Die Bedingungen für einige Arten sind jedoch auch in anderen Erdgegenden günstig, so dass die Bäume mittlerweile überall auf der Welt zu finden sind, so auch in Kenia.

Risiko Monokultur

Eukalypten sind für ihren außerordentlich hohen Wasserbedarf bekannt. Als schnell wachsender Holzlieferant wird der Baum gern für industrielle Zwecke angebaut, zumeist in umweltschädlichen Monokulturen, die den Böden einseitig Nährstoffe entziehen, so dass die Anfälligkeit für Umwelteinflüsse steigt, insbesondere für Schädlings- und Krankheitsbefall, aber auch Bodenerosion und Sturmschäden. Im brasilianischen Bundesstaat Bahia beispielsweise bedrohen nach Angaben der Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald 120.000 Hektar Monokultur für die Zelluloseproduktion eine intakte Umwelt und die Interessen der Bevölkerung. Nicht zuletzt aufgrund des "immensen Wasserverbrauchs der Eukalyptus-Plantagen, welcher den Kleinbauern das Wasser abgräbt".


Koala ernähren sich ausschließlich von Eukalyptus. Steigende Kohlendioxid-Konzentration in den Blättern der Bäume vermindert aber deren Nährstoffgehalt und reichert sie zudem mit für die Koalas schädlichen Tanninen an. (Foto: Arnaud Gaillard, Wikipedia)

Der Baumexperte Muraya Minjire, Mitarbeiter des kenianischen "Tree Biotechnology Project", betont jedoch, im trockenen Hochland sei der Anbau von Eukalyptus ökologisch vertretbar. "Dort halten diese Bäume mit ihren Kapillargefäßen das Wasser im Boden und schützen es vor dem Verdunsten."

Das Waldforschungsinstitut KEFRI will nun auch noch die CO2-Bindung von zehn weiteren einheimischen Baumsorten untersuchen. "Wir sind auch dabei, ein Verfahren zur Bewertung von Bäumen zu entwickeln, die in einem bestimmten Alter CO2 aus der Atmosphäre speichern", berichtet Vincent Onguso Oeba, der im KEFRI die Abteilung für Biometrie leitet. Die Information sei besonders wichtig für Geschäftsleute, die in den internationalen CO2-Emissionshandel einsteigen möchten, betont der Wissenschaftler.

Der Waldbauer Nyaga aus dem Dorf Thangathi hat andere Pläne. Die Zeit seiner Eukalyptus-Bäume ist kurz bemessen. "Wenn sie sieben Jahre alt sind", sagt er, "holze ich sie ab und verkaufe die Stämme als Leitungsmaste an Kenias Elektrizitätsgesellschaft".

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