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Peking misst sich den Himmel blau

China tut viel, um die Luftqualität in seiner Hauptstadt zu verbessern - unter anderem mit kreativen Messmethoden. "Haben wir heute den ersten April?", spotten Pekinger Blogger angesichts von Jubelmeldungen über den klaren Himmel in einer smoggeplagten Stadt.

Von Clarissa Sebag-Montefiore (IPS)

Die Menschen in Peking mochten ihren Augen nicht trauen, als die städtische Umweltbehörde BJEPB kürzlich über die staatliche Nachrichtenagentur verbreiten ließ, der Himmel über der Hauptstadt sei an 274 Tagen klar geblieben und damit habe man das für 2011 angestrebte Ziel vorzeitig erreicht. "Haben wir heute den ersten April?", spotteten Blogger im Internetportal Sina Weibo über die vermeintliche Erfolgsmeldung. 


Nein, das ist kein Nebel, es ist Smog. Auf dem Tiananmenplatz in Peking. (Foto: treehugger.com)

Peking und weitere 20 chinesische Großstädte gehören zu den weltweit 100 Metropolen mit der höchsten Umweltbelastung. Nach Schätzungen eines Weltbank-Berichtes von 2007 sterben im Reich der Mitte jährlich bis zu 750.000 Menschen an den Folgen von mit Schadstoffen belasteter Luft.

Doch Zhuang Zhidong, stellvertretender Direktor des Pekinger Umweltamtes, versichert: "2011 ist in Peking die Konzentration verschiedener umweltbelastender Substanzen zurückgegangen. Die Luftqualität hat sich schrittweise verbessert, das bestätigen die Ergebnisse zahlreicher Messstationen. Unsere Daten sind korrekt." Allerdings hätten Wetterlagen mit Windstille und hoher Luftfeuchtigkeit an etlichen Tagen für höhere Belastungen der Luft gesorgt, fügt er hinzu.


Blick auf Peking, einmal mit.....

Erst Anfang Dezember hatte der Pekinger Flughafen wegen schlechter Sicht rund 700 Flüge streichen müssen. "Das BJEPD hat jede Glaubwürdigkeit verloren", sagt der in Peking ansässige Umweltberater Steven Q. Andrews. "Die Regierung lässt zwar auch Ozonbelastung und Feinstaub in der Luft messen, doch diese Daten veröffentlicht sie nicht", erklärt er. 


.... und einmal ohne Smog. (Beide Fotos: Wikimedia Commons)

Zudem gibt es Zweifel an der Genauigkeit der Messungen. "So etwa hat die Pekinger Umweltbehörde etliche Stationen, die die Luftverschmutzung an den Straßen messen sollten, mit der Begründung geschlossen, die Luftqualität sei besser geworden", berichtet der Umweltexperte. "Dabei registrieren die noch verblieben Messstationen höhere Konzentrationen verschiedener Schadstoffe", betont er.

Wer sich in Peking über die tatsächliche Luftbelastung informieren will, ist gut beraten, die Ergebnisse der von der US-Botschaft installierten Messstationen zu studieren, die online und über Twitter veröffentlicht werden. Die Unterschiede sind eklatant.

Nach Angaben eines von Andrews auf der Website China Dialogue veröffentlichten Berichts beschrieben Pekings Behörden in den vergangenen zwei Jahren die Luftqualität an 80 Prozent der Tage als "gut" oder "hervorragend". In der gleichen Zeit stellten die Messergebnisse der US-Botschaft diese offiziellen Ergebnisse auf den Kopf. Danach war die Luft in Peking an 80 Prozent der Tage so sehr belastet, dass sie die Gesundheit der Menschen stark gefährdete.

Für diese Differenzen sind unterschiedliche Messmethoden verantwortlich. Während Pekings Umweltbehörde lediglich über die Belastung mit gröberen Partikeln (PM 10) berichtet, veröffentlicht die US-Botschaft auch Messungen des besonders gefährlichen Feinstaubs (PM 2,5).

"Auch wir erheben diese Daten, doch wir veröffentlichen sie nicht", räumt BJEPB-Vizedirektor Du Shaozong ein. "Daten über Luftverschmutzung und andere Umweltbelastungen sind eben sehr heikel", meint der Umweltbeamte. 


Eine der Ursachen, warum die Luftqualität in Peking laut WHO eine der schlechtesten auf der Welt ist: das in den letzten Jahren sehr stark gestiegene Fahrzuegaufkommen. (Foto: Wikimedia Commons)

Es sei wohl an der Zeit, das Informationssystem zu verbessern und benutzerfreunlicher zu machen, sagt Du. "Derzeit fühlt sich die Pekinger Bevölkerung von der US-Botschaft besser informiert als von uns." Auf Druck der Bevölkerung hatten die Behörden unlängst vorgeschlagen, bis 2016 in ganz China Messstationen für Feinstaub einzurichten.

Inzwischen bereiten sich viele Chinesen auf die winterliche Smogplage vor. Als Anfang Dezember in Peking die ersten Flüge gestrichen wurden, registrierte das führende Internet-Warenhaus "Taobao Mall" mehr als 30.000 Bestellungen von Atemschutzmasken.

Die im Viertel Zhongnanhai wohnenden Führungskader der Kommunistischen Partei hatten sich schon im November mit modernsten Feinstaub filternden Atemschutzmasken versorgt. Zur gleichen Zeit versicherten Pekings Umweltbehörden, man habe in der Stadt keine Probleme mit der Luftverschmutzung.


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