100 Millionen für Yasuní - aber von wem?
Hundert Millionen US-Dollar bis Ende 2011 verlangt die ecuardorianische Regierung, damit der Nationalpark Yasuní von der Ölförderung verschont bleibt. Dieses Etappenziel scheint nun tatsächlich erreicht. Doch unklar bleibt, woher die Zahlungen stammen. Teilweise aus Deutschland, sagt eine Sprecherin der Yasuní-ITT-Initiative. Doch davon weiß Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nichts.
Aus Berlin Tony Stuemer
Sie steht unmittelbar bevor, die Entscheidung, ob im Nationalpark Yasuní Erdöl gefördert wird oder nicht. Die ecuadorianische Regierung verlangt bis Jahresende 100 Millionen Euro für einen Fonds, um von der Förderung abzusehen. Insgesamt, so das Angebot des südamerikansichen Landes, würde man gegen Kompensationszahlungen in Höhe von rund 3,6 Millarden US-Dollar den Nationalpark unberührt und das Öl unter der Erde lassen. Und so Artenvielfalt und Weltklima schützen.
Die internationale Resonanz auf den Vorschlag war überwiegend positiv. Deutschland hatte unter Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sogar schon finanzielle Unterstützung zugesagt. Ihr Nachfolger jedoch, Dirk Niebel (FDP), lehnt nunmehr eine deutsche Beteiligung vehement ab. "Unterlassene Ölförderung allein reicht eben nicht zum Waldschutz, und Kompensationszahlungen sind ein wenig erfolgversprechender Ansatz im Klimaschutz", lautet Niebels unumstößliche Position zu der Initiative.

Das Logo der Yasuní-ITT Initiative. (Foto: yasuni-itt.de)
Fraktionsüberbreifend aber sympathisieren Politiker mit dem revolutionären Naturschutzprojekt. Die Sitzung des Haushaltsauschusses im November brachte trotzdem keine Bewegung, obwohl Politik und Öffentlichkeit den Druck erhöht hatten. Deutschland wäre, obgleich nur ein einziges Land innerhalb der Weltgemeinschaft, ein wichtiges Vorbild für andere mögliche Unterstützerstaaten, so das Argument der Projektbefürworter.
Die Yasuní-Initiative vermeldet Geld aus Belgien und aus Deutschland
Offenbar steht die "Dschungel-statt-Öl-Initiative" nun jedoch vor einem Teildurchbruch. Laut der ecuadorianschen Zeitung El Telégrafo erklärte die Fond-Sprecherin Ivonne Baki, dass die hundert Millionen US-Dollar beisammen seien. Darunter seien Zahlungen aus der belgischen Region Wallonien und Deutschland. Woher genau das Geld stammt, sagte Baki jedoch nicht. Skeptisch bleibt daher das bundesweite Netzwerk SaveYasuni, in dem unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Gesellschaft für bedrohte Völker, der Deutsche Naturschutzring und zahlreiche weitere Verbände und Institutionen die Yasuní-ITT Initiative unterstützen.
Dirk Niebel weiß offenbar nichts von dem deutschen Geld. Laut einem Bericht des Internetportals Amerika21 erklärte der Minister am Montag auf einer FDP-Veranstaltung in Heidelberg, nach seinen Informationen seien keine größeren Beträge in den UN-Treuhandfonds eingezahlt wurden. Tatsächlich sind die von der Sprecherin genannten Millionen nicht auf der UNDP-Internetseite genannt, wo die Einlagen des Fonds nachlesbar sind. Wahrscheinlich also bezieht sich Baki auf konkrete Zusagen, die aber noch nicht wirklich eingezahlt sind.

Der Nationalpark bringt eine einzigartige Artenvielfalt hervor. Yasuní ist, was in akademischen Kreisen oft als "Hot Spot" an Biodiversität bezeichnet wird. (Foto: ambiente.gob.ec)
Der Nationalpark Yasuní in Ecuador ist seit über 20 Jahren Unesco-Biosphärenreservat. Insbesondere Artenreichtum in Flora und Fauna, die Ästhetik eines intakten Regenwaldes und nicht zuletzt die Ursprünglichkeit indigener Völker verliehen dem Park seinen Charakter von globaler Bedeutung. Doch ihr Ölreichtum droht der Gegend nun zum Verhängnis zu werden.
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