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Xayaburi-Damm bedroht den Mekong

Am Hauptstrom des Mekong im  nordöstlichen Laos soll ein riesiges Wasserkraftwerk entstehen - Xayaburi. Umweltschützer warnen vor dem Projekt. Die 1.260-Megawatt-Turbinen sollen ihren Strom vor allem nach Thailand liefern, doch von den ökologischen und sozialen Folgen ist die ganze Region betroffen. In dieser Woche erreicht das diplomatische Tauziehen auf einer Ministerkonferenz im kambodschanischen Siem Reap seinen vorläufigen Höhepunkt.

Von Tony Stuemer

Sanft windet sich der Fluss durch dichte Wälder, ein Mann mit Fischernetz steht in einem kleinen Boot, während über dem Ufer die Sonne allmählich höher steigt. Der Mekong - wie eine Lebensader durchzieht er das südostasiatische Festland, spendet Nahrung für die Dörfer an seinen Ufern. Zwischen dem tibetischen Hochland und dem Südchinesischen Meer legt der zehngrößte Fluss der Welt beinahe 5.000 Kilometer zurück. Selbst Delphine tummeln sich im Mekong, nur der Amazonas in Südamerika gilt als noch artenreicher. 

Doch der Mekong ist bedroht. Im Norden von Laos soll mit dem Xayaburi ein riesiges Wasserkraftwerk entstehen, ein knapp einen Kilometer langer Damm soll dafür den Fluss aufstauen. Von Mittwoch bis Freitag dieser Woche treffen sich im kambodschanischen Siem Reap Minister und Delegierte aus Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam unter dem Dach der Mekong River Commission (MRC), um einen Konsens über den Staudammbau von Xayaburi zu finden. Das mit 1.260 Megawatt geplante Wasserkraftwerk soll nach der Fertigstellung die erzeugte Elektrizität fast gänzlich nach Thailand exportieren.


Dieses Bild Zeigt den Abschnitt des Hauptstroms, an dem das Projekt verwirklicht werden soll. (Foto: Pianporn Deetes, International Rivers)

Insgesamt sind zwölf Staudämme am Hauptstrom des Mekong in Thailand, Laos und Kambodscha in Planung. Xayaburi wäre der erste. Pianporn Deetes von der NGO International Rivers fürchtet, "kommt es zum Bau von Xayaburi, mehr und mehr (Dämme) werden folgen." China hingegen hat bereits Dämme am Oberlauf des Mekong gebaut, insgesamt sollen es acht werden. Schon jetzt seien durch diese, laut International Rivers, die ökologischen Auswirkungen in den Ländern am Unterlauf zu spüren.

Auch die Regierungen insbesondere von Vietnam und Kambodscha kritisieren, die möglichen Umweltauswirkungen seien nicht ausreichend erforscht und könnten verheerend ausfallen. Insgesamt ist der Mekong für 60 Millionen Menschen die mittel- oder unmittelbare Existenzgrundlage. Sein Einzugsgebiet umfasst rund 800.000 Quadratkilometern, eine Fläche, die mehr als zweimal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland.

Staudämme am Hauptstrom: Xajaburi wird zum Präzedenzfall 

Im September 2010 gab die laotische Regierung der Mekong River Commission bekannt, den Xayaburi Damm bauen zu wollen. Umgerechnet 2,8 Milliarden Euro soll das Projekt kosten. Dass es in der zwischenstaatlichen Instanz diskutiert wird, sah das "1995 MRC Mekong Agreement" vor. Infrastrukturelle Großprojekte mit überregionalen Auswirkungen sind seitdem im Rahmen von "Procedures for Notification, Prior Consultation and Agreement" (PNPCA) zwischen den Anliegern zu kommunizieren.

Seit der laotischen Absichtserklärung steht Xayaburi in der Kritik, Umwelt- und Sozialverträglichkeit ist unter Anrainerstaaten, Projektbeteiligten und Umweltorganisationen heftig umstritten. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung des International Centre for Environmental Management vom Oktober 2010 warnte vor teils schwerwiegenden Folgen. Daraufhin beschlossen die Mekong-Länder bei einem Treffen der MRC, die Konsultationszeit zu verlängern und das Projekt auf Ministerebene zu diskutieren.


Der Mekong ist die Lebensader der MRC-Staaten. In Vietnam ist er die Grundlage für fruchtbare Böden im Mekong Delta und ist für die Nahrungsmittelsicherheit des Landes von unschätzbaren Wert. (Foto: Tony Stuemer)

In einer kambodschanischen Erklärung hieß es beispielsweise: "Da noch nicht alle Informationen bezüglich des Projekts berücksichtigt werden konnten, spricht sich Kambodscha für eine Ausweitung der Konsultationszeit aus." Es sei noch Forschung nötig, unter anderem zu den sozialen Auswirkungen.

Als größter Skeptiker des Projekts gilt Vietnam. Am Unterlauf des Mekong gelegen, fürchtet das Land erhebliche Auswirkungen auf das Mekong Delta - und forderte ein zehnjähriges Moratorium. Tatsächlich ist die Bedeutung des südvietnamesischen Tieflandes für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes kaum zu überschätzen. Le Duc Trung, Chef der vietnamesischen MRC-Delegation, forderte "nachvollziehbare und spezifische Studien" der beteiligten Staaten, um "kumulative Auswirkungen des Baus zu klären".

Thailand will bauen, aber keine Kosequenzen tragen

Thailand sprach sich ebenfalls für einen Aufschub aus, hat aber bereits die ersten Schritte zur Realisierung des Kraftwerks eingeleitet. Schon im Juli 2010 unterschrieb die Electricity Generating Authority of Thailand (EGAT) einen Vertrag, der die wesentliche Abnahme des Stroms von Xayaburi vorsah. Eine thailändische Baufirma, die Ch. Karnchang Public Company, leitet zudem das Projekt, und zahlreiche thailändische Banken haben ihr Interesse zur Finanzierung längst verkündet. "Wir werden dem Projekt nichts entgegensetzen", verkündete Preecha Rengsomboonsk, der Umweltminister Thailands, schon vergangene Woche. "Für jedwede Umwelteinflüsse müsse die laotische Regierung die Verantwortung übernehmen."

Die laotische Regierung betonte zuletzt, die Bedenken der MRC Mitglieder in der Projektplanung berücksichtigen zu wollen - das Vorhaben jedoch nicht aufzugeben. Im Mai 2011 beauftragte sie den finnischen Ingenieurskonzern Pöyry, die Auswirkungen des Projekts zu prüfen, beispielsweise auf Fischrouten, Wasserqualität, Erosion und die Ökosysteme des Mekong.


Reisanbau im Mekong Delta. Auch Früchte werden hier häufig für den Eigenbedarf angebaut. Der Mekong bestimmt das Leben. (Foto Tony Stuemer)

Das Fazit des Pöyry-Report lautete: Das Projekt sei mit den MRC-Umweltstandards vereinbar. Die Organisation International Rivers kritisiert einen möglichen Interessenkonflikt: Pöyry sei Geschäftspartner von Ch. Karnchang bei dem nur wenige hundert Kilometer entfernten Projekt Nam Ngun 2. Trotzdem würden die Ergebnisse als unabhängige Bewertung der Umwelteinflüsse verkauft. Zudem seien sie nicht einmal mit den anderen Anrainerstaaten abgestimmt gewesen, so International Rivers.

Heimlich wird schon gebaut, allen Bedenken zum Trotz

Auch die US-Regierung warnt vor zu schnellen Schritten. In einer Erklärung des US-Außenministeriums heißt es: "Solche Entscheidung sollten anhand genauster wissenschaftlicher Erkenntnisse und in Konsultation mit allen Interessengruppen getroffen werden." Die ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen solcher großen Infrastrukturprojekte könnten auf lange Sicht sehr groß ausfallen. Der Ausgang der Ministerkonferenz diese Woche scheint offen.

Doch am Mekong rollen längst die Bulldozer. Schon vor Monaten enthüllte die Bangkok Post den "heimlichen Beginn" der Bauarbeiten am Xayaburi Damm. Demnach waren Abholzung und Straßenbau schon "wesentlich vorangeschritten", und auch Dorfbewohner hatten sich "auf eine Umsiedlung vorbereitet".

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